Das Web dabei

Auf dem PC ist das Web selbstverständlich, auf dem Handy hält es allmählich Einzug. Vieles spricht fürs mobile Surfen, einiges aber auch dagegen.

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Auf dem PC ist das Web selbstverständlich, auf dem Handy hält es allmählich Einzug. Vieles spricht fürs mobile Surfen, einiges aber auch dagegen: Einerseits findet sich im Internet fast alles, was man gerade nicht im Kopf hat, unterwegs aber dringend benötigt. Andererseits können technische Einschränkungen und teure Datentarife das mobile Surf-Vergnügen verderben.

Fast jeder hat ein Handy, telefoniert fleißig und verschickt viele SMS. Die Netzbetreiber müssen ihren Kunden etwas Neues bieten, damit die Umsätze trotz Preisdruck und Marktsättigung wachsen. So kommt Bewegung in das noch recht unerschlossene Marktsegment der Datennutzung: Preise fallen und die Technik wird besser.

Besonderen Ehrgeiz legt T-Mobile an den Tag: Die Mitte 2005 gestartete Web'n'walk-Kampagne soll bis Ende 2006 Handy-Nutzer "im hohen sechsstelligen Bereich" online bringen. Dazu bietet der Provider datenfähige Handys zu Preisen zwischen 50 und 450 Euro (mit Vertrag) an, sowie Datentarife ab fünf Euro im Monat (für 5 MByte) und Dienste wie das Portal t-zones.

Kostenfallen

Doch so richtig heile ist die Sidekick-Welt nur in der Werbung. Denn T-Mobile legt wie seine Mitbewerber immer noch fleißig Kostenfallen aus. So erhält man mit dem Samsung ZM60 zwar ein Web-fähiges Handy, es ist aber so modifiziert (Branding), dass es nur über t-zones online gehen kann. Auf diesem Portal bietet der Telekom-Ableger Inhalte wie Nachrichten von Spiegel Online kostenpflichtig an, die man anderswo gebührenfrei abrufen kann – auch mit dem Handy.

Vodafone und O2 haben spezielle WAP-Tarife, bei denen man fĂĽr rund fĂĽnf Euro im Monat die Betreiber-Portale beliebig lange nutzen kann. Wer dabei kostenpflichtigen Inhalten aus dem Weg geht, kann sich zu vielen Themen recht preiswert informieren. Einen Ăśberblick ĂĽber die Handy-freundliche Angebote gibt der Artikel Linkliste fĂĽr Mobilisten.

Wer flexibel surfen möchte, kommt nicht um die Wahl eines der zu Laufzeitverträgen optional buchbaren Datentarife herum. Denn bei den Standardtarifen rechnet beispielsweise T-Mobile in Zehn-KByte-Blöcken zu je neun Cent ab, kassiert also pro Megabyte über neun Euro. Vodafone rechnet standardmäßig nach Zeit ab; ein Fünf-Minuten-Takt kostet 95 Cent. Überträgt man dabei mehr als ein Megabyte Daten, erhöht sich der Taktpreis auf 1,86 Euro.

Alle Netzbetreiber locken mit Zeittarifen, die jedoch schnell teuer werden. Es nützt nämlich nichts, das Handy so zu konfigurieren, dass die Verbindung sofort nach dem Laden einer Seite unterbrochen wird, um möglichst wenig Zeit zu verbrauchen. Dieser Spartaktik schieben die Provider mit langen Taktzeiten von 10 Minuten einen Riegel vor. Baut man also nach dem Laden einer Seite sofort die Verbindung ab, hat man zehn Minuten verbraucht, was in den Einstiegstarifen (zwei Stunden für knapp zehn Euro) rund 82 Cent entspricht. Die einzige Ausnahme ist E-Plus, wo im Minutentakt abgerechnet wird.

Zeit ist Geld

Die Zeittarife sind zudem schwer kalkulierbar, da die Datenrate bei GPRS alles andere als konstant ist. Moderne Handys laden etwa 4,5 bis 5,5 KByte/s, doch in Ballungsräumen, wo die Kanäle ausgelastet sind, sinkt die Übertragungsrate schon mal auf 1 KByte/s ab. Daher ist fürs Surfen ein Volumentarif erste Wahl: Das Handy ist immer online und man bezahlt nur für Daten, die tatsächlich übertragen werden.

Die Preise dafür haben in der letzten Zeit etwas nachgegeben. T-Mobile etwa hat mit Einführung von web'n'walk das Freivolumen bei einigen Datentarifen verdoppelt. So zahlt man jetzt für 30 MByte im Monat knapp zehn Euro. Ähnliches bieten auch O2 und Vodafone; lediglich E-Plus gewährt in dieser Preisklasse nur zehn MByte Freivolumen im Monat. Die nächste Paketgröße kostet etwa 30 Euro, wofür die Netzbetreiber zwischen 50 MByte (E-Plus) und 200 MByte (O2) einräumen.

T-Mobile macht Käufern des Sidekick II ein besonderes Angebot: Sie erhalten für 15 Euro im Monat 30 MByte, zusätzlich werden ihre E-Mails per Push-Dienst aufs Smartphone weitergeleitet. Bis Ende 2005 gilt ein Einführungsangebot: Es kostet nichts zusätzlich, wenn man die 30 MByte überschreitet – eine echte Flatrate also.

Bei der Wahl des passenden Datentarifs muss man die benötigte Datenmenge genau kalkulieren. Denn wer das bestellte Inklusiv-Volumen überschreitet, wird kräftig zur Kasse gebeten und zahlt bis zu drei Euro pro Megabyte. Diese Datenmenge reicht in etwa, um www.bahn.de viermal zu laden.

Hier hat sich T-Mobile etwas einfallen lassen: Die Browser auf den Web'n'walk-Geräten laden die Daten über einen komprimierenden Proxy. Der verkleinert JPG-Bilder, indem er sie stärker komprimiert und GIFs durch Weglassen von Farben. Der Qualitätsverlust ist auf den Handy-Displays kaum zu erkennen. Beim Laden der Bahn-Seite wird mit 70 KByte weniger als ein Drittel der Daten übertragen.

Nutzt man außerdem die für die mobile Nutzung optimierten Versionen, die von vielen Websites existieren (siehe Linkliste für Mobilisten), dann reichen 30 MByte für zehn Euro im Monat schon zum regelmäßigen mobilen Surfen. Die Datentarife der Netzbetreiber haben wir im Artikel Abgezählt zusammengestellt.

Eine echte Daten-Flatrate für mobile Nutzer gibt es nur bei E-Plus. Sie kostet 39,95 Euro im Monat und gilt sowohl für UMTS als auch für GPRS. E-Plus bietet zwei Vertragsarten: den "Online Flat Tarif" und die "Online Option Flat". Der Flat-Tarif ist ein eigenständiger Vertrag, der keine Sprachdienste umfasst. Dafür berechnet E-Plus monatlich zehn Euro Grundgebühr extra und die Mindestlaufzeit beträgt zwei Jahre. Der Tarif ist für Kunden gedacht, die mit Notebook und Datenkarte ins Netz wollen.

Fürs Surfen mit dem Smartphone eignet sich die Option Flat, die sich bei gleichzeitigem Abschluss oder Verlängerung eines zweijährigen E-Plus-Vertrags für monatlich 39,95 Euro dazubuchen lässt. Einen Festnetzanschluss kann UMTS trotz Flatrate aber nicht ersetzen. Denn E-Plus blockt Filesharing-Dienste ebenso wie VoIP-Verbindungen. Nur dem Kooperationspartner Skype wird Durchlass gewährt.

Seit kurzen bietet auch T-Mobile mit einer Kombination aus einer MonatsgebĂĽhr von 35 Euro und einer Tagespauschale von einem Euro eine Quasi-Flatrate fĂĽr das Surfen per GPRS und UMTS. Da die Tagespauchale nur an den Tagen berechnet wird, an denen der Nutzer online geht, erscheint das Angebot vor allem fĂĽr Gelegenheitssurfer interessant.

Das Gerät am Ende

Bei den Handys hat sich in Bezug auf Surf-Tauglichkeit eine Menge getan. Lange konnte man guten Gewissens nur die Kombination von Notebook und Handy beziehungsweise Datenkarte empfehlen. PDAs stellten zwar eine leichtere Variante dar, die aber aufgrund schlechter Browser kaum nutzbar war. Heute sind Handy und PDA zu einer Einheit verschmolzen, die mit modernen Browsern etwa von Opera durchaus webfähig ist.

Fast alle Geräte haben ein ausgezeichnetes Display, das auch kleine Schrift noch scharf und lesbar darstellt. Mit Auflösungen bis zu 640 x 480 Pixel verschafft dies genug Überblick über Webseiten. Wer Handys mit kleinen Displays benutzt, profitiert von der Fähigkeit einiger Browser, große Webseiten so umzugestalten, dass er nur vertikal scrollen muss.

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Beim ersten Web-Ausflug fragen Web'n'walk-Geräte, ob man die Komprimierung einschalten möchte. Das führt nur zu geringen Qualitätsverlusten bei der Darstellung von Bildern, spart aber viel Zeit und Gebühren. Vergrößern

Für die Eingabe fehlt aber noch die ideale Lösung. Auf einem Handy mit zwölf Tasten ist schon das Eintippen einer längeren URL mühsam; das Ausfüllen eines größeren Web-Formulars wird zur Qual. Auf Minitastaturen wie beim Palm Treo 650 liegen die Tasten zu dicht beisammen, sodass man sich bei der Eingabe sehr konzentrieren muss. Erst Geräte wie der MDA Pro von T-Online erlauben einigermaßen flüssiges Tippen. Sie sind dafür aber sehr breit und fühlen sich beim Telefonieren ungewohnt an. Als recht praktisch erweisen sich per Stift bedienbare Bildschirmtastaturen.

Nur wenige Geräte bieten einen Mauszeiger, der sich wie beim Nokia Communicator 9500 mit einer Wippe auf Formularfeldern platzieren lässt. Das Verschieben des Fokus von einem Eingabefeld zum nächsten mit Cursortasten ist ziemlich lästig, besonders wenn auf schmalen Displays nicht alle Felder gleichzeitig sichtbar sind.

Gut gebraust

Ein Browser, der gängige Webseiten korrekt darstellt, ist Voraussetzung für mobiles Surfvergnügen. Auch hier hat sich einiges getan. Die Zeiten, in denen Handy-Browser nur minimalistische WAP-1.1-Inhalte darstellen konnten, sind vorbei. Damals mussten HTML-Seiten komplett nachgebaut werden, um sie auf dem Handy anzeigen zu können. Entsprechend dünn waren die Angebote gesät und WAP wurde zum Flop.

Das aktuelle WAP 2.0 nutzt hingegen leicht eingeschränktes XHTML. Es verwendet nicht mehr spezielle Transportprotokolle, die ein Gateway zwischen Handy und Server voraussetzen, sondern die Standards HTTP und SSL. Somit können auch einfache Handys mit WAP-2.0-Browser direkt auf Webserver zugreifen und deren Seiten anzeigen. Lediglich einige Features wie Image-Maps oder Frames fehlen.

Die Smartphones besitzen noch leistungsfähigere Browser, die fast schon an den Funktionsumfang ihrer Pendants für den PC heranreichen. Dazu gehört auch die Unterstützung von JavaScript, die trotz aller Sicherheitsbedenken wichtig ist, da viele Seiten es zur Navigation einsetzen. Wenn dann Features wie die Anzeige von animierten GIFs fehlen, ist das ein Tribut an die begrenzte Rechenleistung der Smartphones.

Tempo gehört nicht zu den Merkmalen, durch die sich mobiles Surfen auszeichnet. DSL-verwöhnte Web-Reisende müssen sich auf so manches Wartepäuschen einrichten. Denn zum einen führen die erwähnten Bandbreiten bei GPRS zu längeren Ladezeiten. Zum anderen brauchen die kleinen Prozessoren etwas länger, um aus den geladenen Daten die Seite darzustellen. Das ist allerdings geräteabhängig; es gibt auch flotte Vertreter wie den Palm Treo 650.

Schneller als mit GPRS geht das mobile Surfen per UMTS. Die Volumentarife gelten für beide Verbindungsarten, sodass die Gebühren identisch sind. Man benötigt lediglich ein UMTS-fähiges Daten-Handy und muss sich am richtigen Ort aufhalten. Denn in ländlichen Regionen betreiben die Provider noch kein Netz; hier ist man vorerst auf GPRS angewiesen. In UMTS-versorgten Ballungsräumen erreicht man nach unseren Erfahrungen Download-Raten von etwa 35 KByte/s, maximal möglich sind etwa 45 KByte/s. Das ist etwa die siebenfache Geschwindigkeit von GPRS.

Los gehts

Das Surfen mit dem Smartphone ist durchaus praktikabel und mit zehn Euro pro Monat für regelmäßige, moderate Nutzung nicht unerschwinglich. Um mit den dafür erhältlichen 30 MByte Datenvolumen auszukommen, sollte man die abgespeckten Seiten nutzen, die viele Websites heute anbieten. Die haben nichts mit den tristen WAP-Angeboten früherer Tage zu tun, sondern stellen den Inhalt nur etwas kompakter und übersichtlicher dar. Auf Farbe und Bilder muss man dabei nicht verzichten.

Dennoch kann das Smartphone nicht ein Notebook ersetzen. Es eignet sich ebenso wenig fürs ziellose Herumsuchen nach interessanten Seiten wie für ausgiebige Recherchen. Doch um gezielt Informationen abzurufen, weil man sie unterwegs benötigt oder einfach etwa auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn Zeit dafür hat, sind die modernen Mobiltelefone mit Browser perfekt. (ad)

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