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Mit dem Ausbau der Mobilfunknetze sinken die Preise fĂĽr mobiles Surfen, bleiben aber deutlich ĂĽber dem Preisniveau von DSL-Angeboten im Festnetz.

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Von
  • Sven-Olaf Suhl
Inhaltsverzeichnis

Seit der Einführung von High Speed Downlink Packet Access (HSDPA), der als UMTS-Beschleuniger Downloads bis zu 1,8 MBit/s verspricht, entdecken T-Mobile und Vodafone den Begriff der Flatrate – doch erscheint es angebrachter, diese Angebote als 5-GByte-Pakete mit Dehnfuge zu bezeichnen. Poweruser sind den Mobilfunkern noch weniger willkommen als den DSL-Anbietern, da sich die Nutzer in derselben Funkzelle die maximal verfügbare Bandbreite teilen müssen.

Ein gutes halbes Jahr lang blieb E-Plus der einzige deutsche Mobilnetzbetreiber, der eine Flatrate für das Surfen per UMTS und GPRS anbot: 50 Euro im Monat und Downloads von maximal 384 kBit/s bedeuten zwar ein wesentlich schlechteres Preis/Leistungsverhältnis als bei einem Festnetz-DSL-Anschluss mit Flatrate. Doch erhielten Kunden, die ganz auf einen Festnetzanschluss verzichten, oder "nomadische Nutzer", die viel unterwegs sind, zum ersten Mal die Möglichkeit, unterwegs große Datenmengen auszutauschen, ohne eine Mobilfunkrechnung horrenden Ausmaßes fürchten zu müssen. Beflügelt vom Erfolg seines Vorstoßes im deutschen Mobilfunkmarkt ergänzte E-Plus auch seine Telefon-Flatrate namens Base, in der für eine Monatspauschale von 25 Euro Gespräche zu anderen E-Plus-Kunden und ins deutsche Festnetz enthalten sind, um die UMTS-Surfoption.

Schließlich entrümpelte der Düsseldorfer Netzbetreiber zum 1. April sein übriges mobiles Datenangebot: Die "Online Flat 150" ist tatsächlich ein Pakettarif mit Dehnfuge und sowohl als Option zu einem Sprachvertrag als auch als separater Datentarif erhältlich. Darüber hinaus kosten 100 KByte 3,25 Cent. Dieser Aufpreis wird jedoch ab einem monatlichen Gesamtdatenvolumen von 300 MByte wieder gekappt, so dass der Zuschlag in einem Monat maximal 50 Euro beträgt – der tatsächliche monatliche Nutzungspreis variiert also zwischen 30 und 70 Euro. Dieses Angebot ist interessant für Nutzer, die ein unregelmäßiges Datenaufkommen haben.

Seit der CeBIT bauen die beiden größten deutschen Mobilnetzbetreiber T-Mobile (D1) und Vodafone D2 ihre UMTS-Netze mit HSDPA aus, der zunächst Downloads bis zu 1,8 MBit/s ermöglicht und – geeignete Endgeräte vorausgesetzt – ab 2007 auf rund 3,6 MBit aufgebohrt werden soll. Dies ist aber genauso Zukunftsmusik wie die Implementierung von HSUPA (High Speed Uplink Packet Access), der die bislang noch recht lahmen Upload-Geschwindigkeiten von 64 kBit/s oder 128 kBit/s bei UMTS der ersten Generation auf Werte von 1 MBit/s und mehr anheben soll. Aus Nutzersicht ist zunächst entscheidend, dass die D-Netzbetreiber ihre Ankündigung einhalten, ihre UMTS-Netze zügig mit HSDPA aufzurüsten.

Mit dem HSDPA-Ausbau führten die D-Netzbetreiber endlich auch Datentarife ein, die im Preis/Leistungsverhältnis mit der E-Plus-Flatrate konkurrieren können: Für 49,30 Euro im Monat können Vodafone-Kunden deutschlandweit im D2-Netz surfen, und zwar – soweit verfügbar – per HSDPA, UMTS oder GPRS. Die Vertragsbindung beträgt zwei Jahre. Zur Flatrate-Gebühr kommen noch monatliche Kosten von 9,28 Euro als Basispreis und 5,80 Euro Mindestumsatz, der für Deutschlandtelefonate, SMS oder MMS verwendet werden kann. Ab dem 1. November 2006 wird zusätzlich ein Aufschlag von 9,86 Euro im Monat für die HSDPA-Nutzung fällig.

Freunde umfangreicher Downloads sollten sich jedoch zügeln: Vodafone hat mit dem Tarif eine "Fair Flat Policy" eingeführt, nach der Kunden, die in zwei aufeinander folgenden Monaten mehr als jeweils 5 GByte Daten übertragen, 50 Cent pro MByte (Taktung 100 KByte) Überschreitungsgebühr zahlen müssen, wenn sie auch im dritten Monat in Folge mehr als 5 GByte Traffic verursachen – mit dem Begriff "Flatrate" hat dieses Verfahren nichts mehr zu tun. Offensichtlicher Grund für die Beschränkung ist die Befürchtung, dass die Aktivität von Powerusern die effektiven Datenraten im HSDPA-Netz auf Normalniveau zusammenschnurren lassen: Die maximale Download-Rate pro Nutzer sinkt mit der Zahl der gleichzeitig aktiven Surfer pro Funkzelle. 1,8 MBit/s kann nur erzielen, wer über ideale Empfangsbedingungen verfügt und zudem als einziger in einer Zelle aktiv ist.

Vodafone und T-Mobile wollen sich gegenüber den kleineren Netzbetreibern E-Plus und O2 mittels HSDPA einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und dürften daher mittelfristig keine Flatrate ohne Volumenbegrenzung anbieten. Kunden von O2 und E-Plus müssen noch auf unbestimmte Zeit ohne HSDPA auskommen. Bei O2 hieß es, man wolle den Turbo "nicht vor der zweiten Jahreshälfte" 2006 einführen.

Bei T-Mobile sind 5 GByte pro Monat ebenfalls das Maß der Dinge beim mobilen Surfen. Die Bonner erweiterten ihr "web'n'walk"-Angebot um ein XL-Paket mit 5 GByte, das monatlich 35 Euro zuzüglich einen Euro je Kalendertag kostet, an denen die Kunden per UMTS, HSDPA, EDGE oder GPRS surfen. Überschreitungen des Inklusivvolumens kosten einen Euro je MByte. Zusätzlich enthält das Paket monatlich 200 Freistunden für das Surfen an WLAN-Hotspots von T-Mobile oder T-Com, jede Mehrstunde im WLAN schlägt mit 25 Cent zu Buche. Voraussetzung für das Angebot ist ein Laufzeit-Sprachtarif von T-Mobile ("Telly" oder "Relax"), der weitere Kosten verursacht.

Wer im T-Mobile-Netz ausschließlich surfen will, kann zu "web'n'walk" auch einen reinen Datentarif buchen. Beim Tarif "DataConnect Exclusive" beträgt die Grundgebühr 8,95 Euro im Monat. SMS kosten 19 Cent pro Stück, MMS 39 Cent. Sprachverbindungen sind nicht möglich, jedoch Faxversand, der mit Minutenpreisen von 22 Cent innerhalb des T-Mobile-Netzes und zum Festnetz und 50 Cent zu anderen deutschen Mobilfunknetzen allerdings ins Geld gehen kann.

T-Mobile bietet – befristet bis zum 31. August 2006 – die Möglichkeit, die Kombination aus "web'n'walk XL" und "DataConnect Exclusive" zwei Monate lang zu testen, bevor die zweijährige Vertragsbindung wirksam wird. Die Kunden erhalten hierzu eine eine HSDPA- und WLAN-fähige PCMCIA-Karte. Die oben genannten Nutzungs- und monatlichen Grundgebühren fallen auch während der Testphase an. Wer das Angebot nicht weiternutzen will, muss es innerhalb der zwei Monate schriftlich kündigen und die Laptop-Karte per Einschreiben an T-Mobile zurücksenden.

Auch Vodafone bietet nach dem Motto "Try&Buy" sogar bis Ende 2006 die Möglichkeit, HSDPA zwei Monate lang zu testen. Wer aussteigen will, muss den Vertrag spätestens nach sechs Wochen kündigen und die von Vodafone mitgelieferte "Mobile Connect Card UMTS" zurückgeben. Hierfür erhebt der Netzbetreiber ein Nutzungsentgelt von 75 Euro. In der zweimonatigen Testzeit entfällt jedoch der Basispreis für die Datenkarte sowie die Flatrate-Gebühr.

Da nach unseren bisherigen Erfahrungen der HSDPA-Empfang in geschlossenen Räumen noch problematisch sein kann, sind die Testangebote eine sinnvolle Möglichkeit, die Verfügbarkeit des Datenturbos an den bevorzugten Einsatzorten zu testen.

Als erster und bislang einziger deutscher Mobilnetzbetreiber rüstet T-Mobile sein GSM-Netz seit dem Frühjahr mit dem Datenbeschleuniger EDGE aus. Die Enhanced Data rates for GSM Evolution betragen maximal 48 kBit/s pro GSM-Zeitschlitz und erlauben damit theoretisch insgesamt 384 kBit/s im GSM-Netz. In der Praxis ist aber mit Download-Raten von maximal 200 kBit/s zu rechnen, da ein Teil der Netzkapazität für Sprachverbindungen reserviert ist. Zudem benötigt EDGE aufgrund seines anspruchsvolleren Modulationsverfahrens bessere Funkverbindungen zur Basisstation als GPRS. Dennoch dürften sich insbesondere Kunden im ländlichen Raum außerhalb der UMTS-Abdeckung über EDGE freuen, zumal bereits eine Reihe marktüblicher Handys EDGE-fähig ist. Dies ist dem Umstand zu verdanken, dass EDGE in Nachbarländern wie Frankreich, der Schweiz und Österreich bereits etabliert ist.

O2 bot bis Reaktionsschluss für das ortsungebundene, mobile Surfen nur Pakete mit maximal 1 GByte beziehungsweise 100 Inklusivstunden pro Monat an. Mit einem Endkundenpreis von 113,68 Euro sind diese Angebote teurer als die HSDPA-Angebote der D-Netze mit (mindestens) 5 GByte Inklusivvolumen und sogar doppelt so teuer wie die "normale" UMTS-Flatrate von E-Plus. Bislang gibt es keine Aussage von O2, wann ein Ersatz für diese unzeitgemäßen Tarife kommt.

Interessanter erscheinen die Datentarife, die O2 zusammen mit seinem Sprachangebot Genion für die ortsfeste Nutzung anbietet. Ihr Angebot "Surf@home", das einen separaten UMTS-Empfänger, der zugleich WLAN-Router ist, enthält, erweiterten die Münchner um das Angebot "O2 Genion mit UMTS", bei dem das UMTS-Handy als Modem eingesetzt wird. Beide Angebote sind allerdings nur im UMTS-Mobilfunknetz von O2, das derzeit gut 300 deutsche Städte umfasst, erhältlich und auf eine festgelegte Nutzungsadresse ("Homezone") beschränkt.

Mit Spannung wartet die Telecom-Branche hingegen auf DSL-Kombiangebote von O2. Im Zuge der Übernahme des britischen Mobilfunkkonzerns O2 durch die spanische Telefonica wird deren deutsche Festnetzsparte ein Teil von O2 Germany. Telefonica Deutschland (früher: Mediaways) betreibt seit Jahren einen bundesweiten Backbone und ist als Infrastruktur-Dienstleister für DSL-Anbieter wie Freenet, AOL oder Hansenet aktiv. Noch in diesem Jahr will O2 ins Endkundengeschäft mit DSL-Zugängen einsteigen, und die Kunden können auf vergünstigte Paketangebote aus DSL und Mobilfunk hoffen – Details gab O2 allerdings noch nicht bekannt.

E-Plus kann sich rühmen, als "Mutter der UMTS-Flatrate" die bis dahin happigen Preise für den mobilen Datentransfer ins Rutschen gebracht zu haben. Gerade in Kombination mit dem Sprachangebot Base erscheint die Flatrate interessant für Nutzer, die ganz auf einen Festnetzanschluss verzichten. Dafür müssen diese auf unbestimmte Zeit mit Download-Raten vorlieb nehmen, die deutlich unter den viel billigeren DSL-Angeboten liegen. Dank HSDPA dürften T-Mobile und Vodafone umsatzstarke, nomadische Vielnutzer an sich binden. Die Testangebote helfen Unentschlossenen, ohne langfristige Bindung den Nutzen von HSDPA für das eigene Surfverhalten zu testen. Von HSDPA-Tarifen wie in Österreich, wo der Netzbetreiber One 10 GByte für monatlich 75 Euro anbietet, können die Deutschen vorerst nur träumen. (ssu) (ll)