Surfbrett für Büro und Couch
Der kleine Linux-Websurfer Nokia 770 zeigt mit seinem hochauflösendem Display noch winzigste Schriften lesbar an und passt problemlos in die Hemdtasche.
- Daniel Lüders
Webpads – groß, schwer und unflexibel? Nein. Der kleine Linux-Websurfer Nokia 770 zeigt mit seinem hochauflösendem Display noch winzigste Schriften lesbar an und passt problemlos in die Hemdtasche.
Das Nokia 770 fällt mit seiner Spezifikation gehörig aus der Reihe des übrigen Produkt-Portfolios der finnischen Handy-Firma. Als einziges Gerät besitzt es kein GSM- oder UMTS-Mobilfunk und läuft unter einem Open-Source-Betriebssystem. Dabei handelt es sich um ein aufgebohrtes Debian-Linux mit Kernel-Version 2.6.12.2 und Bedienoberfläche von Nokia.
Das Gerät sieht zwar wie ein PDA aus, lässt aber Anwendungen für Adress-, Termin- oder Aufgabenverwaltung vermissen. Auch eine PC-Synchronisation oder andere Zusatzsoftware fehlt. Auf dem Entwicklerportal für das Nokia 770 findet man allerdings außer dem kostenfreien Software Development Kit namens Maemo auch Links zu Applikationen, beispielsweise aus den Bereichen Programmierung, Grafik, Spiele, Office und System-Tools.
Mit dem USB-Datenkabel greift man lediglich auf die eingesteckte Erweiterungskarte zu, die von Windows XP als Laufwerk erkannt wird. Der Hauptspeicher des Nokia 770 bleibt dem Nutzer vorenthalten. Will man ein Programmpaket auf dem Gerät installieren, überträgt man es zuerst per USB-Kabel auf die Karte. Mittels des Installationsprogramms richtet man dann das Paket auf dem Nokia 770 ein. Zum Surfen klinkt man sich mit dem Verbindungsmanager entweder in ein bestehendes WLAN-Netzwerk ein oder nutzt die Internet-Verbindung eines Bluetooth-Mobiltelefons. Mit dem übersichtlich gegliederten Verbindungseinstellungen kriegen das auch Anfänger hin.
Dank des zwar spiegelnden, aber kontrastreichen und hellen 800x480-Punkte-Displays zeigt der Opera-Browser auch reich bebilderte Webseiten mit winzigen Schriften noch gut lesbar an. Auch mit Flash, JavaScript, CSS, Cookies und Ajax hat der Browser keine Probleme.
Mittels einer Zoom-Taste vergrößert man sehr kleines Web-Geschreibsel bis auf 400 Prozent seiner ursprünglichen Größe. Allerdings ist der OMAP-Prozessor mit dieser Aufgabe etwas überfordert. Wenn im Hintergrund Browserfenster offen sind, wartet man sekundenlang auf die Neudarstellung.
Auch bei Videos geht dem Prozessor oft die Puste aus, sodass Ton und Bild zuweilen nicht synchron ablaufen. Dabei ist der Video-Player durchaus flexibel, kennt er doch immerhin die Codecs MPEG1, MPEG4, RealVideo, H.263 und 3GP(MPEG4).
Der Audio-Player spielt MP3-, MPEG4-AAC-, WAV-, AMR- und MP2-Sound. Die Musik hört sich ausgewogen an, tönt aber etwas leise aus dem Kopfhörer. Der Mono-Lautsprecher spielt den Sound hingegen laut genug, taugt aber nur zum Probehören.
Das Webpad Nokia 770 hält, was es verspricht, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Es taugt gut zum Surfen, für E-Mail und gefällt als MP3-Player. Weil PIM-Programme fehlen, ist er als PDA nicht zu gebrauchen. Hobby-Programmierern dürfte das Linux-Webpad als mobile Open-Source-Plattform gefallen, die sich leicht mit eigenen Programmen erweitern lässt. (dal)
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