Geschäftshelfer
Business-Notebooks schrumpfen, verlieren an Gewicht, laufen immer länger und können mehr speichern als früher.
- Kay Glahn
Business-Notebooks schrumpfen, verlieren an Gewicht, laufen immer länger und können mehr speichern als früher. Außerdem bieten die Hersteller Neuerungen, die Geschäftsleuten Nutzen bringen sollen.
Sicherheit spielt eine immer größere Rolle bei Business-Notebooks. Um die Geräte vor einem Hardware-Totalausfall durch Stoß, Sturz und Feuchtigkeit zu schützen, setzen die Hersteller auf neue Techniken. Lenovo etwa stattet seine Geräte im Innern mit speziellen Metallrahmen oder Lagern für die Festplatte aus, Panasonic verpasst seinen Notebooks zudem ein passendes solides Äußeres. Außerdem gibt es mehr und mehr Hersteller, die Geräte mit wasserdichter Tastatur ausstatten: Es soll nicht gleich zum Totalausfall kommen, bloß weil jemand aus Versehen seinen Kaffee über das Keyboard schüttet. Die Tastatur sollte zumindest so lange die Flüssigkeit zurückhalten, bis man das Gerät sicher heruntergefahren hat.
Aber es gibt nicht nur passive Schutzmaßnahmen für Notebooks. Apple, HP und Lenovo integrieren beispielsweise in viele Modelle einen Beschleunigungssensor, der Stöße, Erschütterungen oder das Fallen des Notebooks erkennen soll, sodass das System rechtzeitig den Schreibkopf der Festplatte parken und sie abschalten kann. Die als Active Protection System (APS) bezeichnete Technik funktioniert ähnlich wie der Crash-Sensor eines Autos, wobei die Festplattenelektronik das Aufschlagen der Schreib-/Leseköpfe verhindert. Die Elektronik gibt das Laufwerk erst wieder frei, wenn das Gerät zur Ruhe gekommen ist.
Heuristische Lernalgorithmen unterstützen das Verfahren, indem sie die Ausrichtung des Geräts ermitteln. Das Parken der Festplatte dauert ungefähr eine halbe Sekunde, eine Zeitspanne, in der die Köpfe etwa beim Sturz des Notebooks von einem Tisch vor dem Aufschlagen auf dem Boden in die Parkposition gebracht werden können. Sich wiederholende Bewegungen erkennt das System, zum Beispiel wenn jemand im Zug oder im Auto arbeiten möchte. Es passt die Empfindlichkeit automatisch an, damit es nicht zu ständigen Unterbrechungen im Betrieb kommt. Lenovos APS verfügt über eine spezielle Windows-Software, die in der Symbolleiste sichtbar ist und den Status der Festplatte und des Sensors anzeigt.
Von ĂĽberall ins Internet
Selbst der ehemalige Intel-Verächter Apple steigt auf den Core Duo mit zwei CPU-Kernen um.
Doch nicht nur beim Schutz der Daten, sondern auch bei der Internetanbindung entwickeln sich immer neue Trends. Inzwischen bieten Hersteller Notebooks mit integriertem UMTS-Modul (Universal Mobile Telecommunications System) an zum Aufbau schneller mobiler Datenverbindungen dort, wo kein Ethernetanschluss oder WLAN-Hotspot vorhanden ist. Bisherige UMTS-Karten für Notebooks belegen einen PC-Card-Slot und stehen seitlich aus dem Gerät heraus. Zum Transport in der Tragetasche muss man sie unter Umständen aus dem Notebook herausnehmen und sie separat verstauen. Bei einigen Geräten ist das UMTS-Modul bereits auf einer PCI-Express-Karte (MiniCard) untergebracht.
Häufig vertreiben die Hersteller das Notebook in Kooperation mit einem Internet Service Provider und liefern es im Bundle mit einem UMTSVertrag. Wer beispielsweise bei T-Mobile einen "Web’n’walk-XL"-Vertrag mit einer monatlichen Grundgebühr von 69 Euro abschließt, bekommt für einen Euro das Notebook Amilo Pro V2035 von Fujitsu-Siemens als Zugabe, Vodafone konterte unlängst mit einem Acer TravelMate 2424WXMi samt UMTS-Karte für ebenfalls einen Euro. In beiden Fällen muss der Kunde einen 24-Monate-Vertrag abschließen, zu dem auch ein Datentarif gehört. Den Tarif bezeichnen die Anbieter irreführend als Flatrate, nur muss man eine Zusatzgebühr von einem Euro für jeden Tag entrichten, an dem man darüber ins Netz will. Zudem ist der Datentransfer auf fünf Gigabyte pro Monat beschränkt.
Power im Doppelpack
Bei der internen Verarbeitungsgeschwindigkeit der Notebooks ging es bisher vor allem um die Höhe der Taktfrequenz des Prozessors. Inzwischen haben die Prozessorschmieden einen anderen Weg eingeschlagen, denn mit steigender Taktfrequenz steigt die Energieaufnahme und die Temperatur im Gerät, was mehr Aufwand für die Kühlung erfordert, mehr Platz beansprucht und das Gewicht des Notebooks erhöht. Die seit einigen Monaten verfügbaren Dual-Core-CPUs von Intel liefern mit einer verhältnismäßig niedrigen Taktfrequenz eine hohe Rechenleistung. Selbst Apple, bisher auf PowerPCs abonniert, nutzt nun diesen Intel-Prozessor in seinem MacBook Pro.
Der Core Duo Prozessor von Intel bringt zwei Prozessoren auf einem Chip unter.
Von Prozessoren mit mehreren Kernen profitieren in erster Linie Multitasking-Umgebungen, in denen viele Prozesse gleichzeitig laufen. Und selbst in typischen mobilen Geschäftsanwendungen bringen Dual-Core-CPUs Performance-Vorteile, denn neben der aktiven Anwendung wie einer Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation laufen im Hintergrund selbst auf einem Windows-Rechner diverse Prozesse, etwa ein Antivirusprogramm, das Dateien in Echtzeit im Hintergrund scannt.
Doch nicht nur Intel sieht in der Multicore-Technik die Chance zur Performance-Steigerung im mobilen Bereich. AMD hat mit dem "Turion 64 X2" im Juni einen mobilen Dual-Core-Prozessor auf den Markt gebracht.
AufgerĂĽstet im Expresstempo
Ein weiteres wichtiges Kriterium bei Notebooks ist die Erweiterbarkeit. Da man Komponenten bei Notebooks meist nicht ohne Weiteres gegen neuere und leistungsfähigere Bauteile austauschen kann, war man bisher für Erweiterungen auf PC-Cards angewiesen. Der Trend, der sich bei hochwertigen Notebooks durchgesetzt hat, sind die so genannten Express-Cards.
Die PC-Card wird in Zukunft durch zwei Varianten der Express-Card abgelöst.
Den Standard haben zahlreiche Firmen, meist Mitglieder im PCMCIA-Konsortium wie Dell, Hewlett Packard, IBM, Intel, Lexar Media, Microsoft, SCM Microsystems und Texas Instruments, entwickelt. Außerdem waren das "USB Implementers Forum" (USB-IF) und die "Peripheral Component Interconnect Special Interest Group" (PCI-SIG) maßgebend an der Entwicklung beteiligt. Der neue Standard soll den Erfolg des PC-Card-Standards fortführen. In Zukunft dürfte die Express-Card die PC-Card als die bevorzugte Lösung für hot-plug-fähige, interne I/O-Erweiterungen in Notebooks ablösen.
Express-Card-Module stehen in zwei Standardformaten zur Verfügung: Die Express-Card/34 ist 34 mm breit und 75 mm lang, die Express- Card/54 mit 54 mm etwas breiter. Beide Module sind mit 5 mm gleich dick und haben damit die gleiche Höhe wie eine herkömmliche Typ-II-PC-Card. Allerdings ist die Karte etwas kürzer als die bisherigen PC-Cards. Beide Express-Card-Formate verwenden die gleiche Steckverbindung und Pinbelegung, sodass die Express-Cards/54-Slots auch Express-Card/34-Module aufnehmen können. Weil PC- und Express-Cards nicht zueinander kompatibel sind, ist der Stecker der Express-Card so ausgelegt, dass das versehentliche Einführen einer Express-Card in einen PC-Card- Slot oder umgekehrt keine elektrische oder mechanische Beschädigung hervorrufen kann.
Der eigentliche Vorteil der Express-Card neben der kleineren und leichteren Bauweise besteht in der schnellen Ankopplung der PC-Cards und damit im höheren Durchsatz. Plattformen mit Express-Card müssen sowohl PCI-Express als auch USB 2.0 unterstützen, die in Notebooks neuerer Bauart standardmäßig vorhanden sind. Das Express-Card-Modul kann wahlweise eine dieser beiden Schnittstellen zur Datenübertragung benutzen. Während die USB-Schnittstelle Datenraten bis zu 480 MBit/s zulässt, kann PCI-Express bis zu 2,5 GBit/s pro Lane übertragen.
Ein wesentlicher Unterschied der Express- zur PC-Card besteht darin, dass sie keinen zusätzlichen Card-Bus-Controller mehr benötigt, wie es bei PC-Cards der Fall war. Durch Verwendung der beiden Standardschnittstellen USB und PCI-Express können die Notebook-Konstrukteure neben Platz, Gewicht und Strom Herstellungskosten einsparen. Viele aktuelle Notebooks der gehobenen Preisklasse sind inzwischen mit Express-Card-Slots ausgestattet. Einige stellen aber trotzdem noch Card-Bus-Slots nach dem alten Standard zur Verfügung. Hierauf sollte man vor allem achten, wenn man sich ein neues Notebook anschafft, aber gleichzeitig alte PC-Cards weiterverwenden möchte. Außerdem kommt es vor, dass bestimmte Erweiterungskarten für spezielle Einsatzbereiche noch nicht als Express-Cards zur Verfügung stehen und man somit auf die Existenz eines PC-Card-Slots angewiesen ist. Dies ist etwa bei UMTS-Karten für Notebooks der Fall – Express-Card-Versionen sind im Handel noch nicht verfügbar.
Glücklicherweise sind inzwischen fast alle Erweiterungsmodule für Laptops als externe Geräte mit USB-2-Anschluss erhältlich – unter Umständen muss man jedoch dafür ein zusätzliches Netzteil mit sich herumschleppen. Eine weitere Stolperfalle besteht darin, dass ein Notebook nur über einen Express- Card/34-Slot verfügt, aber die benötigte Karte aufgrund ihrer mechanischen Ausmaße nicht auf das kleinere Format reduzierbar ist. Ein Beispiel hierfür sind Smartcard-Reader oder Compact-Flash-Adapter, die es aber auch für USB gibt.
Es werde Licht
Zu den hilfreichen Besonderheiten, die nur wenige Geräte zu bieten haben, gehört eine Tastaturbeleuchtung, die das Arbeiten in abgedunkelten Umgebungen beispielsweise im Flugzeug oder im Zug ermöglicht. Lenovo stattet die meisten Thinkpads mit der Thinklight genannten Tastaturbeleuchtung aus. Sie besteht aus einer weißen LED, die am oberen Displayrand im Rahmen integriert ist und bei Bedarf die Tastatur von oben beleuchtet, sodass man bei Dunkelheit weiterarbeiten kann. Alternativ gibt es aber kleine, leichte Laptop-Lampen, die ihren Strom über den USB-Port beziehen und auch mal als Beleuchtung für die Papiere neben der Tastatur dienen können.
Stolpern und verschlissene Stromkabel gehören mit dem MagSafe-Steckersystem von Apple der Vergangenheit an.
Apple geht mit seinem MacBook Pro einen anderen Weg und beleuchtet die Tasten von unten. Das hat einen ähnlichen Effekt und verhindert, dass genau die Taste im Schatten liegt, die man gerade drücken möchte. Wenn man öfter auf Langstreckenflügen mit dem Notebook arbeiten muss, während die übrigen Passagiere schlafen, sollte man eine der drei Varianten in Betracht ziehen.
Man denkt, dass es bei Netzteilen nicht mehr viel Neues geben kann, außer dass sie ebenfalls kleiner und leichter werden. Oft sind aber die Stromkabel im Weg. Es besteht die Gefahr, über das quer durch den Raum gespannte Kabel zu stolpern und es dadurch am Notebook-Stecker abzureißen oder die Buchse von der Platine zu brechen, was eine teure Reparatur nach sich zieht. Dem begegnet Apple mit dem "MagSafe Magnetic Power Connector", einem Stromversorgungsstecker, der magnetisch in der Buchse des Notebooks gehalten wird. Der Stecker lässt sich fast widerstandslos vom Notebook lösen.
Schutz vor fremden Blicken
Eine andere interessante Entwicklung stellen die "Viewing Angle Control Filter" (VACF) dar. Arbeitet man unterwegs an Geschäftsdaten, möchte man nicht, dass neugierige Nachbarn zuschauen können. Bisher musste man an öffentlichen Orten oder in Flugzeug und Bahn immer aufpassen, wer gerade neben einem stand oder saß, wenn man vertrauliche Daten auf dem Schirm hatte. Eine Lösung bieten Display-Schutzfolien wie der Vikuiti-Blickschutzfilter von 3M, die den Blickwinkel auf das LCD einschränken. Man setzt sie einfach vor das normale LCD, sodass nur noch der direkt vor dem Notebook sitzende Benutzer den Inhalt des Displays erkennen kann. Für Beobachter, die sich außerhalb des Sichtwinkels befinden, erscheint das Display schwarz. Das bringt allerdings den Nachteil mit sich, dass man nicht mehr mit mehreren Leuten auf das Display schauen kann. Zudem darf man die Haltung des Kopfes nur wenig verändern, was dazu führt, dass man eine starre Haltung einnehmen muss. Die Display-Helligkeit ist jedoch deutlich niedriger, und gegen Mitleser von hinten hilft auch die Folie nicht.
Eine Alternative dazu bildet ein in das Display integriertes System. Das VACF-System von Toshiba etwa, das in einigen Modellen der High-End-Serie "Tecra M3" eingebaut ist, bietet ein An- und Abschalten des Sichtschutzes per Windows-Software – entweder über die Einstellungen des Kontrastfilters oder per Hotkey. Der Filter ist so aufgebaut, dass er für Beobachter außerhalb des Sichtwinkels das Display nicht komplett schwarz anzeigt, sondern ein Schachbrettmuster mit einer Rechteckgröße von 8 x 10 Pixeln darstellt. Laut Toshiba hat das den Vorteil, dass das Auge durch den Helligkeitskontrast nur die hellen Rechtecke wahrnimmt, nicht aber die dunklen. Würde man den gesamten Screen ab einem bestimmten Winkel abdunkeln, könne das menschliche Auge sich an die Dunkelheit anpassen und trotzdem das Bild erkennen.
Der integrierte Fingerabdruckleser erlaubt das Anmelden am Notebook ohne Eingabe eines Passworts.
Da die Sicherheit der Daten immer mehr in den Mittelpunkt rückt, sind aktuelle Notebooks mit noch weiteren Security-Features ausgestattet. Dazu gehört ein Sensor, der das Anmelden am System über den Fingerabdruck ermöglicht, sodass man auf die Eingabe eines Passwortes verzichten kann. Das System erfasst den Abdruck einmalig und speichert ihn. Beim Anmelden liest es das Muster auf dem Sensor und gewährt den Zugang nur, wenn es mit dem gespeicherten übereinstimmt.
Fingerabdruckleser in aktuellen Notebooks bestehen meist nur aus einem schmalen Streifen, über den man seinen Finger ziehen muss, um ihn scannen zu lassen. Systeme, bei denen man den Finger auf eine Sensorfläche auflegt, haben den Nachteil, dass der Fingerabdruck auf der Sensoroberfläche sichtbar bleibt und unter Umständen reproduzierbar ist.
Sicherheit on board
Ein weiteres, heiß umstrittenes Thema sind die "Security Chips", Abkömmlinge des kontrovers diskutierten "Trusted Platform Module" (TPM). Viele Hersteller preisen die Technik als zusätzlichen Schutz für die Daten an. Der Chip kann dazu dienen, sicherheitsrelevante Daten und Zertifikate abzulegen, außerdem unterstützt er die Verschlüsselung von Dateien und Verzeichnissen. Er ähnelt einer fest auf dem Mainboard verdrahteten Smart-Card. Letztendlich dient er einer eindeutigen Identifikation der Hardware gegenüber der Software. Zwar stellt der Chip zahlreiche nützliche Sicherheitsmechanismen bereit, es besteht aber die Gefahr, dass er nur der erste Schritt zur Durchsetzung der von der "Trusted Computing Group" (TCG) erdachten "Trusted Computing Platform" ist. Sie soll die Rechte des Nutzers bezüglich der Kontrolle des Systems erheblich einschränken und zu einem "Digital Rights Management" auf Systemebene führen. Im Moment kann noch jeder frei entscheiden, ob er die Funktionen eines eventuell vorhandenen TPM verwenden möchte oder nicht. Das neue MacBook Pro mit Intel-Chipsatz verfügt wie viele andere hochpreisige Notebooks über solch einen Chip.
Immer mehr Notebooks sind inzwischen mit einer integrierten Webcam ausgestattet. Obwohl das derzeit vor allem im Geschäftsbereich noch als Spielerei gelten dürfte, gibt es durchaus einen sinnvollen Einsatz für die Kamera. Über WLAN oder UMTS könnte man inzwischen von unterwegs Videokonferenzen durchführen. Die Software hierfür gibt es schon lange, nun sind die passenden Notebooks wie das von Apple mit seiner integrierten Kamera "iSight" erhältlich. Zumindest erspart man sich den Kabelsalat und die externe Kamera.
Fazit
Es gibt zahlreiche Neuerungen und Trends bei Notebooks. Man sollte sich allerdings immer überlegen, wofür man das Notebook genau benötigt und welche neuen Features man wirklich einsetzen will. Denn oft haben diese einen entscheidenden Einfluss auf den Preis des Gerätes sowie in vielen Fällen auf das Gewicht, den Stromverbrauch und damit die Akkulaufzeit. (sun)
Literatur
| [1] Susanne Nolte, Äpfel mit zwei Kernen, Notebooks mit Intels Core Duo nicht nur von Apple, iX 2/2006, S. 26 |