Durchblick
Auch die besten Notebookbildschirme halten dem direkten Vergleich zu einem guten Desktop-LCD nicht stand – die Mobilität erfordert halt Kompromisse. Wir geben einige Tipps für bessere Sicht.
- Dr. JĂĽrgen Rink
Ob das Arbeiten am Notebook Spaß macht oder Stress verursacht, hängt stark von der Display-Qualität ab. Auch die besten Notebookbildschirme halten dem direkten Vergleich zu einem guten Desktop-LCD nicht stand – die Mobilität erfordert halt Kompromisse. Aber Sie müssen durchaus nicht jeden Nachteil hinnehmen, der ab Werk vorgesehen ist. Wir geben einige Tipps für bessere Sicht.
Bei Monitoren für den stationären Betrieb spielt der Stromverbrauch kaum eine Rolle, in Notebooks hingegen ist er ein Problem. Typische 19-Zoll-LCDs für den Desktop genehmigen sich knapp 25 Watt, Notebook-Displays dürfen nur 5 bis 10 Watt schlucken. Trotz Sparzwang konsumieren die Displays häufig mehr als der Prozessor und der Grafikchip, die selten voll gefordert werden und deshalb im Mittel genügsamer sind.
Laufzeit verlängern
Weil das Display der größte Verbraucher ist, beeinflusst seine Einstellung die Laufzeit im Akkubetrieb ganz erheblich. In gedämpftem Umgebungslicht empfiehlt es sich deshalb, die Helligkeit zu reduzieren. Eine halbe Stunde bekommt man so bei fast jedem Notebook geschenkt, bei sehr hellen Displays auch deutlich mehr.
Je kürzer die Zeitspanne bis zum Abschalten der Displaybeleuchtung bei Inaktivität, desto mehr Strom lässt sich damit sparen. Doch allzu häufiges Aus- und Einschalten reduziert die Lebensdauer der Displaylampe. Ein Wert von fünf bis zehn Minuten sollte deshalb nicht unterschritten werden. Nur bei Displays mit LED-Beleuchtung muss man sich darum keine Gedanken machen und kann die Beleuchtung nach Belieben ändern. LEDs schadet häufiges Schalten nicht; LED-beleuchtete Displays sind aber bisher selten und fallen derzeit noch durch ungleichmäßige Ausleuchtung unangenehm auf.
Unter Windows kann man das Zeitintervall für die Abschaltung in den Eigenschaften von Energieoptionen einstellen. Unter Mac OS wählt man es unter Systemeinstellungen, Energie sparen (Ruhezustand des Monitors aktivieren nach Inaktivität von:). Unter Linux stehen dafür bei Suse und Ubuntu Einstellungen zur Verfügung. Fedora-Anwender müssen die Kommandozeile bemühen oder ein Energiespar-Tool installieren.
Die von den Betriebssystemen oft voreingestellten Bildschirmschoner sollte man bei Notebooks außer Kraft setzen. Der Bildschirmschoner hatte seine Berechtigung bei Röhrenmonitoren, doch da in einem LCD keine Bilder einbrennen können, ist er hier nutzlos. In geringem Maße schadet er sogar, weil er etwas Rechenleistung benötigt und dadurch die Akkulaufzeit reduziert.
Bei Windows XP findet man den Bildschirmschoner unter Eigenschaften von Anzeige, bei Mac OS X unter Systemeinstellungen, Schreibtisch & Bildschirmschoner. Linux integriert ihn in die Systemeinstellungen, wobei sich die entsprechenden Einträge je nach Distribution ein wenig unterscheiden.
Helligkeit verbessern
Bei hellen oder wechselnden Lichtverhältnissen, zum Beispiel in der Bahn oder draußen, kann das Display nicht hell genug sein. Umso ärgerlicher, dass einige Notebooks das Display im Akkubetrieb im Vergleich zum Netzbetrieb grundsätzlich abdunkeln. Bei vielen Notebooks kann der Anwender manuell mittels Funktionstasten (beispielsweise Fn und F7) die Helligkeit wieder auf den Maximalwert stellen. Wenn der Hersteller ein Energiespar-Tool installiert hat, lässt sich damit das Abdunkeln meist dauerhaft abstellen.
Manchmal bevormundet auch die Grafik-Software den Nutzer, wie das Catalyst Control Center fĂĽr die Chipsatzgrafik ATI Radeon Xpress 200M: Erst wenn in den Einstellungen PowerPlay die Option Vari-Bright deaktiviert ist, leuchtet das Notebook auch im Akkubetrieb mit maximaler Helligkeit.
Bei einigen x86-Notebooks muss man das BIOS-Setup bemĂĽhen, um die Konfiguration zu korrigieren: Mit Einstellungen wie Power / LCD Power Saving oder Video / Brightness erzieht man den Portablen dazu, auch im Akkubetrieb den gesamten Helligkeitsumfang des Displays zu zeigen.
Wenn selbst das nicht zu maximaler Leuchtkraft hilft, liegt einmal mehr ein Fall von Nutzerbevormundung vor. Vor dem Kauf informieren Händler und Hersteller darüber nicht, wir weisen deshalb bei Notebook-Tests in c't darauf hin.
Entspiegeln
Groß in Mode sind derzeit Notebook-Displays mit spiegelglatter Oberfläche. Erst fand man sie hauptsächlich in Multimedia-Notebooks für den Privatgebrauch, aber mittlerweile kommen selbst Nutzer von manchen Business-Geräten nicht mehr umhin, ständig das eigene Spiegelbild zu betrachten. Die Anwender verlangten das, geben die Hersteller als Begründung an.
Anscheinend verkaufen sich die glatten Displays besser, auch wenn längst nicht alle Kunden damit zufrieden sind. Die Kommentare in unseren Leserzuschriften reichen von "optimales Gaming-Panel" bis "unbrauchbarer Schminkspiegel". Die Meinungen sind so unterschiedlich wie die Nutzungsszenarien, denn die Reflexionseigenschaften stören nicht unter allen Umständen. Ob man sich ärgert oder freut, liegt am Zusammenwirken von Display-Helligkeit und Umgebungslicht.
Die matten Displays haben eine aufgeraute Oberfläche, die das Umgebungslicht diffus reflektiert; es streut aber auch das Display-Licht. Ein glattes Display zeigt deshalb bei ansonsten gleicher Technik ein schärferes Bild und etwas kräftigere Farben. Der positive Effekt fällt vor allem dort auf, wo das Umgebungslicht gedämpft ist und die Raumbeleuchtung nicht direkt reflektiert wird. Genau diese Bedingungen findet man in Notebook-Abteilungen einiger Fachgeschäfte vor. Im direkten Vergleich sehen dort die glatten Displays besser aus als die matten.
In der Praxis stören die Spiegelungen besonders draußen, bei ungünstig einfallendem Deckenlicht, in der Nähe eines hellen Fensters oder einer Schreibtischlampe – oder auch dann, wenn der Nutzer helle Kleidung trägt. Ob man sich damit abfinden kann oder nicht, zeigt sich oft nicht im Laden, sondern erst im Einsatz. Beim Kauf eines Notebooks mit Spiegeldisplay sollte man daher möglichst ein Rückgaberecht vereinbaren. Falls der Verkäufer uneinsichtig ist, erinnern Sie ihn daran, dass Sie dasselbe Produkt notfalls auch per Versand kaufen und sich dann sowieso auf das gesetzliche 14-tägige Rückgaberecht berufen könnten.
Wenige Displays haben nicht einfach nur eine glatte Oberfläche, sondern eine Entspiegelung ähnlich wie bei einer Brille. Das führt zu einem besonders guten Schwarzbild (wie etwa bei Sonys X-Black-Technik) und damit zu einem außergewöhnlich hohen Kontrast, auf dem sogar dunkle Bildbereiche gut wirken. Wenn es hell leuchtet, schaut sogar ein solches Spiegel-Display gut aus.
Unserer Erfahrung nach stören die Spiegelungen umso weniger, je heller das Bild ist. Bei Helligkeiten ab 160 cd/m2 fallen sie weniger auf, ab 200 cd/m2 nimmt man sie kaum noch wahr. Allerdings empfinden viele Anwender diese enorme Leuchtkraft als unangenehm, einige klagten nach längerer Arbeit sogar über Kopfschmerzen. Im Übrigen geht die Helligkeit zu Lasten der Laufzeit im Akkubetrieb. Für intensive Notebook-Nutzung empfehlen wir deshalb Panels mit Mattscheibe; Spiegel-Displays taugen für Daueranwender auch dann nicht, wenn sie hell sind.
Um das Display nachträglich zu entspiegeln, bietet 3M die Folie ARM R200 an (Vertrieb unter anderem www.tdcomponents.de). Sie ist außen matt, zusätzlich reduzieren Antireflex-Schichten (Interferenzschichten) die Spiegelungen. Diese Schichten führen je nach Winkel zu einem Violettstich, wenn viel Licht auf das Display fällt. Positiver Nebeneffekt: Die rückstandsfrei entfernbare Klebeschicht macht kleine Kratzer auf dem Display unsichtbar. Negativ ist der hoher Preis von etwa 100 Euro; außerdem kann man die Folie nicht selbst aufbringen, sondern muss das Notebook einschicken.
Pflegen und reparieren
Gegen Fingerabdrücke hilft am besten ein Brillenputztuch, besonders bei Panels mit glatter Oberfläche sollte man einige mitführen. Eventuelle Warnhinweise, dass das Tuch nicht für Displays geeignet ist, sollte man ernst nehmen. Eventuell schadet das Lösungsmittel dann dem Touchpad oder der PLastikoberfläche.
Manche Notebooks sind so gebaut, dass die Display-Oberfläche die Tasten berührt, wenn das zusammengeklappte Notebook in der Tasche etwas gedrückt wird. Das Ergebnis ist ein Streifenmuster, was aber meist schlimmer aussieht als es ist, denn es handelt sich nur um Fettrückstände, die das Brillenputztuch wegwischt. Man kann die Abdrücke verhindern, indem man beim Transport die mitgelieferte Schutzfolie oder ein weiches Küchenpapiertuch zwischen Display und Gehäuse legt. Auf jeden Fall sollte das Papier holzfrei sein. Die weiche Zwischenschicht beugt auch dem Verkratzen beim Transport vor.
Trotzdem kommt es vor, dass mikrometerfeine Riefen auf der Panel-Oberfläche entstehen, die das Auge des Betrachters stören. Gelegentlich wird empfohlen, solche Mikrokratzer mit geeigneter Polierpaste aus dem Fachhandel, einem weichen Lappen und viel Geduld wegzupolieren. Wir raten davon ab. Da die polierte Oberfläche optisch etwas anders wirkt als die unpolierte, muss man die gesamte Fläche gleichmäßig behandeln. Das gelingt noch recht gut bei PDAs, wo es wegen der Stiftbedienung besonders nötig ist, aber kaum bei den größeren Notebook-Panels, vor allem nicht bei solchen mit matter Oberfläche. Zudem dient die oberste Schicht bei etlichen Notebooks als Polarisator und damit zur Bilderzeugung – die sollte man nicht wegpolieren. Unbedingt meiden sollte man Polierpasten auch für kleine Panels, die nicht ausdrücklich für Displays vorgesehen sind
Der einzige Weg zu einem kratzerfreien Notebook-Display führt über die Experten, und das kostet einen dreistelligen Betrag. Hier gilt es abzuwägen, ob der Schaden tatsächlich so groß ist, dass man sich nicht damit arrangieren will. Einen Versuch wert ist die oben genannte Folie von 3M, aber nur für hauchdünne Kratzer, also solche, die nur sichtbar, aber nicht mit dem Fingernagel spürbar sind. Immerhin käme der Einbau eines neuen Panels ungleich teurer.
Muss man tatsächlich das Display austauschen, nicht nur wegen der Kratzer, sondern weil beispielsweise die Beleuchtung ausgefallen ist oder das Panel einen Schaden hat, dann ist man nicht zwingend auf den Service des Herstellers angewiesen. Viele Notebook-Modelle kann man bei unabhängigen Reparaturbetrieben in Stand setzen lassen. Die ständig aktualisierte Liste solcher Betriebe finden Sie auf heise mobil (www.heise.de/mobil/artikel/72000). Lcdcompononents zum Beispiel verlangt für den Einbau eines neuen Panels 87 Euro pauschal, dazu kommt der Preis des Panels, der je nach Größe und Notebook zwischen 150 und 400 Euro liegt. Für ältere Notebooks lohnt das kaum, für neuere dagegen schon. Spezialisten wie Tiron (www.tiron.de) tauschen sogar die Lampe aus, der Kauf eines neuen Displays ist dann nicht nötig. Da die Panel- und Reparaturpreise sich enorm unterscheiden, muss man von Fall zu Fall entscheiden, ob sich eine Reparatur lohnt oder der Kauf eines neuen Panels.
Nicht ärgern, umtauschen
Fast alle Notebook-Hersteller gewähren mittlerweile auf das Display dieselbe Garantiedauer wie für das übrige Gerät. Ein Schaden aufgrund äußerer Ursache, zum Beispiel das wegen eines eingeklemmten Kugelschreibers gerissene Panel, fällt aber nicht unter die Garantiebedingungen, die der Hersteller im Übrigen frei bestimmen kann. Ein typischer Garantiefall dagegen ist ein flackerndes Panel oder eine defekte Lampe.
Pixelfehler behandeln die Hersteller unterschiedlich. Die häufig noch geltenden Garantiebedingungen, nach denen der Nutzer eine gewisse Anzahl an Pixelfehlern hinnehmen muss, stammen aus der Anfangszeit der LC-Displays, als man die 2,36 Millionen Pixel (bei XGA-Auflösung) noch nicht im Griff hatte. Stand der Technik heute ist, dass der Käufer fast immer ein optisch fehlerfreies Display bekommt. Asus garantiert bei einigen Geräten sogar, dass das Display die ersten 30 Tage fehlerlos bleibt und tauscht das Display gegebenenfalls aus (Zero Bright Dot). Die für Ende des Jahres geplante Aktualisierung der ISO-Norm 9241 wird unter anderem auch neue und wohl strengere Pixelfehlerklassen definieren. Wie diese aussehen werden, ist aber derzeit noch unklar.
Ein einzelnes defektes Pixel in der Randzone eines Panels stört kaum. Leuchtet einem dagegen in der Mitte dauerhaft ein grünes Pixel entgegen, dann sollte man sich trotz der nicht mehr zeitgemäßen, aber rechtlich noch gültigen Zahl der zu erduldenden Pixelfehler an den Händler oder Hersteller wenden und auf den aktuellen Stand der Technik hinweisen.
Blickschutz
Idealerweise strahlt das Notebook-Display in alle Richtungen ein gut erkennbares Bild ab. Doch nicht alle Nutzer wollen das, ganz im Gegenteil. Der Geschäftsbericht oder das Anwaltsschreiben geht den Nachbarn im Flieger oder in der Bahn nichts an. In dieser Situation ist ein kleiner nutzbarer Blickwinkel erwünscht. Komfortabel geht das nur mit Notebooks aus Toshibas Tecra-M3-Serie, die einen zuschaltbaren Blickschutz namens VACF eingebaut haben. Die anderen können die Vikuiti-Blickschutzfolie von 3M einsetzen. Die Struktur der Folie reduziert den Blickbereich auf etwa ±30° statt wie ±50° bis 70° in horizontaler Richtung. Allerdings halbiert der Blickschutz die Helligkeit, sodass die Folie nur für Panels mit mehr als 160 cd/m2 in Frage kommt.
Ansonsten hat man bei Notebook-Displays eher das gegenteilige Problem. Die Vorgabe der geringen Stromaufnahme und der flachen Bauweise führt dazu, dass Notebook-Displays hinsichtlich Helligkeit, Blickbereich und Farbkonstanz meistens weit unter dem Niveau selbst der günstigen LCD-Monitore liegen. Wer den ganzen Tag am Notebook arbeitet, sollte deshalb möglichst einen externen Monitor nutzen.
Unter den wenigen Mobilgeräten mit besserem Display finden sich einige Tablet PCs. Die Panels stammen von Boe Hydis und sind nahezu blickwinkelunabhängig. Da solche Panels teuer sind, findet man sie in gewöhnlichen Notebooks nicht. Einige Breitbild-Notebooks verwenden Panels mit zusätzlichen Retarder-Folien, die die Farbe über einen größeren Blickwinkelbereich konstant halten. Da das Bild aber schon bei kleinen Winkeln in vertikaler Richtung blasser wird, sind sie in der Praxis kaum besser als der Rest. (jr) (ll)