Mobile Postboten

Mit Pushmail-Service bekommt man E-Mail so bequem wie eine SMS aufs Mobilgerät, doch blieb dieses Angebot bislang nur Firmen vorbehalten. Nun kommen auch die Privatanwender zum Zug.

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Von
  • Daniel LĂĽders

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Mit Pushmail-Service bekommt man E-Mail so bequem wie eine SMS aufs Mobilgerät, doch blieb dieses Angebot bislang nur Firmen vorbehalten. Mittlerweile haben einige Mobilfunk-Provider Pakete aus Smartphone inklusive Push-Service im Angebot, mit denen auch Privatanwender überall per Mail erreichbar sind.

Wer SMS mag, wird Pushmail lieben: E-Mails landen automatisch auf dem Handy, ohne dass man sie erst umständlich vom Server abrufen muss. Push-E-Mail ist sicherer als SMS, weil protokollbedingt nichts verlorengeht. Außerdem ist sie billiger: 10 KByte kosten je nach Vertrag nur wenige Cent, eine einzige 160 Zeichen lange SMS dagegen um 15 Cent.

Um Push-E-Mail zu nutzen, war bislang ein eigener E-Mail-Server wie Exchange oder Lotus Notes und eine sogenannte Middleware nötig, beispielsweise der Blackberry-Enterprise-Server, der ankommende Mails vom Konto auf das Mobil-Gerät schob. Weil diese Serverarchitektur mit mehreren tausend Euro zu Buche schlägt, war Pushmail bislang nur Unternehmen vorbehalten.

Jetzt bieten Mobilfunk-Provider Pushmail-Lösungen für den Endverbraucher an, indem sie die dafür nötige Server-Infrastruktur bereitstellen. Der Kunde mietet zum Pushmail-Service ein E-Mail-Konto hinzu, das sich auf einem Server des Mobilfunk-Providers befindet. Zum Paket gehört auch das Mobilgerät, entweder ein Smartphone oder ein Handy-PDA.

Drei solcher Pakete haben die Mobilfunk-Provider zusammengeschnürt. Vodafone hat das Blackberry 8707v zusammen mit dem Blackberry-Dienst im Angebot, das Symbian-Smartphone Nokia E61 mit Blackberry-Pushmail bieten T-Mobile und Vodafone an. Im Unterschied zu diesen beiden Lösungen, die ihre Wurzeln im Business-Bereich haben, ist das T-Mobile Sidekick II für Privatkunden konzipiert. Der Pushmail-Service kommt von T-Mobile.

Auf dem Mobilgerät erscheinen in der Mail-Anzeige zunächst nur die Kopfzeilen der Nachricht. Beim Öffnen einer Mail lädt die Anwendung den Text vom Server. Hängt ein Attachment an der Mail, wird dieses erst ins Mobilgerät geladen, wenn man draufklickt. Eine Pushmail kann inklusive Attachment weitergeleitet werden, ohne die Datei aufs Mobilgerät zu laden. Allerdings kann der Mail-Client keine Ordner erstellen. Für professionelle Mail-Verwaltung, wie sie IMAP erlaubt, taugt Pushmail also nicht. Zu Hause am PC stehen für den Zugriff auf die Mails nur die Web-Interfaces der Mobilfunk-Provider zur Verfügung. Ein Mail-Client kann mit Blackberry- oder T-Mobile-Pushmail nichts anfangen.

Praktischerweise sollte man auf seinem Mobilen auch gleich seine bislang genutzten E-Mail- und Webmail-Konten bekommen, doch da tun sich die drei schwer. Nur der E-Mail-Client im Nokia E61 kann auch Mails von IMAP- und POP3-Konten abrufen, allerdings getrennt vom Pushmail-Server. Das Blackberry 8707v erhält zusätzlich zu Pushmail auch Post von Webmail-Konten. Der Blackberry-Server kennt alle großen Webmail-Angebote wie Hotmail, GMX und Freemail und auch viele kleine, aber mit Webmail-Anbietern, die in der Blackberry-Liste fehlen, kann der Server nicht umgehen. Beim dritten im Bunde, dem Sidekick II, ist ein Wechsel des Mail-Kontos zu T-Mobile unumgänglich, denn andere Mail-Konten kennt er nicht.

Die drei Pushmail-Geräte ersetzen das Handy, bringen aber wenig zusätzliche Funktionen mit, wie man sie beispielsweise bei PDAs gewohnt ist. Adressen und Termine können alle speichern. Doch mit dem PC synchronisieren können nur Blackberry 8707v und Nokia E61. Letzteres kommt dem Funktionsumfang von PDAs noch am nächsten, weil es sich um ein vollwertiges Symbian-OS-Smartphone mit Series-60-Bedienoberfläche handelt. Bei diesem Betriebssystem gehören Programme für Personal Information Management, Multimedia und Internet bereits zum Lieferumfang. Das Blackberry-Gerät kann immerhin mit Java-Anwendungen erweitert werden. Das mager ausgestattete Sidekick II muss mit dem Wenigen auskommen, was es von Haus aus mitbringt.

Weil die meisten hier vorgestellten Geräte ohne den Pushmail-Dienst wenig nützen, haben wir in der Tabelle zusätzlich zu den Gerätepreisen auch die Kosten eines Beispiel-Mobilfunkvertrags aufgeführt.

Blackberry 8707v

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Das Blackberry 8707v spielt nur mit dem Blackberry-Push-Dienst zusammen. Die Konfiguration ist unkompliziert, auch Ungeübte können sofort loslegen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase tippt man E-Mails und andere Texte recht flott mit dem Mini-Keyboard – wären da nicht die Umlaute: die muss man erst umständlich mit dem Drehrädchen selektieren.

Kaum ein anderes Mobilgerät kann es mit der intuitiven Bedienoberfläche aufnehmen. Selbst Anfänger hangeln sich mit dem Scrollrad leicht durch die Menüs, ohne ein Handbuch lesen zu müssen.

Weil der Blackberry keine Kamera hat und auch kein Video oder MP3-Sound kennt, fällt das Versenden von MMS flach. Das Display des Blackberry 8707v leuchtet hell und stellt die Helligkeit per Lichtsensor auf die Umgebungsverhältnisse ein. Wegen der spiegelnden Oberfläche reicht die Helligkeit des Displays bei Sonnenlicht allerdings nicht mehr aus. Die Sprachqualität beim Telefonieren ist gut – sowohl beim Freisprechen als direkt am Ohr.

Zusätze wie sie bei jedem PDA und zum Teil sogar bei Handys zum Standard gehören, fehlen dem Blackberry 8707v: Einen Speicherkartenslot hat er nicht, auch gibts keine Möglichkeit, empfangene E-Mail-Anhänge vom Blackberry auf einen PC zu übertragen. Er hat zwar Bluetooth, kann den Drahtlosfunk aber nur für Headsets nutzen. Eine USB-Schnittstelle dient dem Abgleich von Kontakten und Terminen.

Der Software-Umfang lässt sich durch Java-Programme erweitern. Das Angebot ist zwar noch recht übersichtlich, hält aber schon Schmankerl wie Google Maps, Chat-Clients, Telefonbücher und Office-Applikationen bereit.

Der E-Mail-Client zeigt Office-, Bild- und PDF-Anhänge an. Außer dem Blackberry-Konto kann der Pushmail-Server auch die Post von bis zu vier Webmail-Konten liefern, sofern er die jeweilige Webmail-Lösung kennt. Allerdings gleicht der Blackberry diese Konten nicht mit ab, sondern spiegelt nur den Posteingang. Löscht man also eine abgeholte Mail auf dem Blackberry, bleibt sie auf dem Web-Konto noch bestehen. Nur über das Blackberry-E-Mail-Konto hat man mobil die volle Kontrolle.

Der Web-Browser taugt wegen des kleinen Displays nur als Notbehelf und kann anderen mobilen Surfstationen nicht das Wasser reichen. Am besten, man weicht auf Inhalte aus, die speziell fĂĽr PDA-/Smartphone-Browser vorbereitet wurden.

Das 8707v funkt außer auf GSM/GPRS-Frequenzen auch im UMTS-Netz. Für E-Mails wird man diese Bandbreite kaum brauchen, es sei denn für Nachrichten mit fetten Anhängen. Aber ein Notebook profitiert von diesem Feature, weil man den Blackberry als UMTS-Modem nutzen kann. Dazu installiert man die PIM-Abgleich-Software auf seinem PC. Die Einwahl klappt ohne Probleme, sodass man das Blackberry schnell als komfortable Möglichkeit schätzt, unterwegs im Internet zu surfen – sofern einen das USB-Kabel zum Notebook nicht stört: Wegen des für UMTS-Modem-Applikationen fehlenden Bluetooth-Profils klappt die Drahtlosverbindung nicht.

Nokia E61

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Ein Werbespruch auf der Packung des Nokia E61 verspricht sofort E-Mail-Bereitschaft, aber ab Werk besitzt das Smartphone keinen vorinstallierten Push-Dienst – war also nichts mit "einschalten und los geht's". Den Client für den Blackberry-E-Mail-Push-Dienst darf man erst nach einer Online-Registrierung herunterladen. Die Installation scheiterte zunächst mit einer irreführenden Fehlermeldung über ein abgelaufenes Zertifikat. Als Ursache erwies sich das im Handy falsch eingetellte Datum. Für die Einrichtung des Clients muss man sich tief in die Menüstruktur vorarbeiten und zunächst eine E-Mail-Adresse auf dem Web-Portal des Mobilfunk-Providers einrichten.

Hat man die Stolpersteine bei der E-Mail-Client-Installation erst einmal überwunden, gestaltet sich der Mail-Versand einfach. Allerdings trägt der Blackberry-E-Mail-Client noch die veraltete Versionsnummer drei, was bedeutet, dass er keine Bilder, sondern lediglich Office-Anhänge öffnen und anzeigen kann – und das, obwohl das E61 von Haus aus mit Bild- und Video-Anzeigern ausgestattet ist. Man kann mit dem Mail-Client des E61 außer seinem Pushmail- auch POP3- oder IMAP4-Konten verwalten, allerdings getrennt vom Pushmail-Server. Die eingehenden Mails sieht man für jedes Konto getrennt in verschiedenen Eingangsordnern, was den Überblick ein wenig erschwert. Für Web-Mail-Konten gibts nur den umständlichen Weg über den Mini-Browser.

Mit der Tastatur tippt man E-Mails und Texte nach einiger Gewöhnung ziemlich fix, vor allem, weil sie auch Umlaute enthält. PDA-Nutzer vermissen die gewohnt intuitive Bedienung, eingefleischte Handy-Nutzer fühlen sich allerdings mit der bekannten Series-60-Oberfläche schnell zu Hause.

Da Webseiten ĂĽbersichtlich dargestellt werden, gebraucht man das Smartphone auch gern als Mini-Surfmaschine. Ein einfach zu bedienender Assistent hilft bei der Browser-Konfiguration fĂĽr die Einwahl.

Das Display des E61 liest sich gut ab, obwohl die Oberfläche spiegelt. Die Sprachqualität beim Telefonieren überzeugt ebenfalls. Wie der Blackberry lässt sich ebenso das E61 als UMTS-Modem gebrauchen, und das sogar per Bluetooth. Auch in WLAN-Netzwerke klinkt sich das E61 ein, sodass man beispielsweise Access-Points an vielen öffentlichen Plätzen oder Flughäfen zum Surfen benutzen kann.

Multimedial reicht kein anderer Kandidat im Test an das E61 heran: Es zeigt Bilder und spielt Videos sowie MP3. Gleichzeitig kann man das Smartphone leicht mit Software aus einem reichhaltigen Angebot erweitern. Trotz dieser Funktionsvielfalt ist es vergleichsweise gĂĽnstig zu haben.

Sidekick II

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Die Konfiguration des Sidekick II gestaltet sich einfach: Nach einer kurzen Einführung trägt man seinen Namen sowie gewünschten Benutzernamen nebst Kennwort ein, lässt die Lizenzvereinbarung über sich ergehen und kann mit Pushmail loslegen. Außer E-Mail bietet das Gerät auch einen Chat-Client, der allerdings nur das AOL-Protokoll versteht.

Wird das Display an der unteren linken Ecke leicht angehoben, dann dreht es ein Federmechanismus um 180 Grad nach oben weg und legt eine Mini-Tastatur frei. Sinnigerweise dreht sich der Bildschirminhalt automatisch ebenfalls um 180 Grad. Mit dem Keyboard tippt es sich recht flott, allerdings erreicht man Umlaute nur über Tastenkombinationen. Mittels eines Drehrädchens, einer Navigationstaste und vier Menütasten ist das Durchforsten der Menüs ein Kinderspiel. Der Bildschirm ist nicht besonders hell und spiegelt, lässt sich aber trotzdem bei fast allen Lichtverhältnissen gut ablesen – selbst bei praller Sonne.

Der Web-Browser des Sidekick II zeigt nur Web-Inhalte an, die vom Server aufbereitet wurden. Mehrspaltige Layouts bricht er meist auf eine Spalte um. Trotzdem können sich die verschlankten Web-Inhalte sehen lassen, sodass man den Sidekick II gerne zum Surfen zwischendurch gebraucht.

Der Sidekick II kann per Mail geschickte Bilder, Word-Dateien und bis zu 100 KByte große Wav- oder MIDI-Files öffnen. Sound-Dateien und aufgenommene Bilder versendet er auch per MMS. Allerdings gelingt es nicht, mit der eingebauten Kamera geknipste Bilder oder E-Mail-Anhänge auf einen PC zu übertragen. Weder hat er einen Speicherkarten-Slot noch eine Drahtlos-Schnittstelle. Adressen trägt man entweder über das Web-Interface oder direkt in das Gerät ein.

Die integrierte VGA-Kamera nimmt Bilder nur verrauscht und unscharf auf. FĂĽr den MMS-Versand reichts, als Alternative fĂĽr die Urlaubsknipse nicht.

Beim Telefonieren überzeugt die Sprachqualität, solange man den Sidekick II wie ein gewöhnliches Handy ans Ohr hält. Benutzt man hingegen das Headset, stört Rauschen das Gespräch.

Fazit

Wer eine einfach zu bedienende Push-E-Mail-Lösung ohne viel Schnickschnack sucht, landet zwangsläufig beim Blackberry. Der 8707v hat multimedial nicht viel zu bieten und kann noch nicht einmal MMS erstellen, überzeugt aber durch seine einfache Bedienung und sein handliches Format. Zumindest Adress- und Terminverwaltung sind mit ihm kein Problem und mittels Java-Programmen erweitert man ihn. Als Pushmailer beherrscht er sein Metier – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für diesen Komfort zahlt man mit etwa 300 Euro je nach Vertragskondition auch eine Menge Geld.

Billiger ist der Sidekick II mit 80 Euro inklusive Vertrag. Die Bedienung fällt leicht, auch wenn er nicht ganz so handlich ist wie der Blackberry. Er taugt für Chat, Web und E-Mail. Allerdings muss man sich mit diesen Funktionen zufriedengeben, denn anders als beim Blackberry gibt es für den Sidekick II keine weitere Software.

Diesbezüglich geht es Anwendern des E61 schon besser, denn bei diesem Symbian-OS-Gerät gehört die Abgleich-Software Nokia PC-Suite zum Standardlieferumgang, zudem kann der Nutzer aus einem großen Angebot an Zusatz-Software wählen. Allerdings lässt sich der E61 nicht so intuitiv bedienen wie der Blackberry 8707v oder der Sidekick II; Series-60-Anwender fühlen sich aber schnell zu Hause. Die veraltete Pushmail-Software zeigt keine Bilder an und ist sehr kompliziert zu installieren. Wen das nicht abschreckt, der bekommt für wenig Geld ein flexibles Smartphone mit guten Multimedia-Funktionen.(dal)


Push-E-Mail-Geräte
ProduktBlackberry 8707vNokia E61T-Mobile Sidekick II
HerstellerResearch in Motion (RIM)NokiaDanger
Mobilfunk-ProviderVodafoneT-Mobile; VodafoneT-Mobile
LieferumfangNetzteil, Gürteltasche, Mono-Headset, USB-Abgleichkabel, Abgleich-SoftwareNetzteil, Adapter für ältere Nokia-Netzteile, Mono-Headset, USB-Abgleichkabel, miniSD-Karte (64 MByte), Abgleich-SoftwareNetzteil, Schutztasche, Mono-Headset
Push-E-Mail-SystemBlackberryBlackberry, MS ExchangeDanger Pushmail
zusätzliche E-Mail-Kontenbis zu vier Web-KontenPOP3- und IMAP-Konten-
Tastatur35 Tasten inkl. Symbole, Qwertz-Layout ohne Umlaute35 Tasten inkl. Symbole, Qwertz-Layout mit Umlauten47 Tasten inkl. Symbole, Qwertz-Layout ohne Umlaute
Drahtlos-SchnittstellenBluetoothWLAN, Bluetooth, IrDA-
Bluetooth-Eigenschaften - -
MP3 / Bild / Video- / v (JPG, BMP) / -v / v (JPG,BMP, GIF) / v- / v (JPG,BMP, GIF) / -
darstellbare E-Mail-AnhängeJPEG, TIFF, BMP, MS Office, PDF, WordperfectMS OfficeJPEG, GIF, BMP, MS Word, Wav & MIDI (bis 100 KByte)
Chat-vv (AOL)
Konfiguration des E-Mail-Kontos im Webvvv
Technische Daten
Preise309 EUR mit Vodafone-Grundtarif (24 Monate), 25 EUR AnschlussgebĂĽhr, 27 EUR GrundgebĂĽhr 5 MByte Freivolumen; 700 EUR ohne Vertrag89 EUR mit Vodafone-Grundtarif (24 Monate), 25 EUR AnschlussgebĂĽhr, 27 EUR GrundgebĂĽhr 5 MByte Freivolumen; 480 EUR ohne Vertrag80 EUR mit T-Mobile Relax 100 und E-Mail & Web-Flat fĂĽr 25 Euro monatlich; 380 EUR ohne Vertrag
v vorhanden   - nicht vorhanden