Breitbandanschluss für die Hosentasche
HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) soll das Surfen übers UMTS-Funknetz auf DSL-Niveau beschleunigen. Mit dem BenQ-Siemens EF91 und dem SGH-ZV50 von Samsung stehen nun auch erste Handys mit dem UMTS-Turbo bereit.
HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) soll das Surfen übers UMTS-Funknetz auf DSL-Niveau beschleunigen. Als T-Mobile und Vodafone den Datendienst im Frühjahr starteten, gab es nur Funkmodem-Karten für Notebooks. Mit dem BenQ-Siemens EF91 und dem SGH-ZV50 von Samsung stehen nun auch erste Handys mit dem UMTS-Turbo bereit.
Wer mit PC Card und Notebook surft, braucht zum Telefonieren ein Handy mit zusätzlicher SIM-Karte, da Funkmodem-Karten meist nur für die Datenübertragung taugen. Die HSDPA-Handys benötigen für beide Anwendungen dagegen nur eine SIM-Karte. Per Bluetooth oder USB-Kabel lassen sie sich problemlos mit dem Notebook verbinden und als schnelles Funkmodem einsetzen. Als waschechte Multimedia-Handys spielen die Testgeräte von BenQ-Siemens und Samsung MP3-Songs ab, eignen sich zum Videotelefonieren und besitzen für Schnappschüsse Megapixel-Kameras.
BenQ-Siemens lieferte uns das EF91 noch als Vorserien-Modell. Anders als die meisten Klapphandys, die einen Winkel zwischen Tastatur- und Displayteil aufweisen, öffnet es sich um volle 180 Grad. So hat man beim Telefonieren das Gefühl, ein sehr langes Handy im Riegelformat ans Ohr zu halten – ungewohnt. Die großflächigen Tasten lassen sich sicher bedienen. Beim Hauptdisplay stören starke Spiegelungen, wodurch es sich im direkten Sonnenlicht schlecht ablesen lässt.
Das kleinere und leichtere Samsung SGH-ZV50 gefällt mit seinem stabilen Gehäuse und dem kontrastreichen, auch bei hellem Tageslicht lesbaren Display. Dank deutlichem Druckpunkt bereiten die Tasten beim Bedienen keine Probleme, lediglich die beiden kleineren Sondertasten über dem Steuerkreuz sind etwas fummelig, da sie zu dicht am Klappgelenk liegen.
Beide Handys besitzen eine Zweitkamera unter dem Hauptdisplay, die für Videotelefonate und Selbstporträts gedacht sind. Der Slot für microSD-Wechselspeicher lässt sich bei beiden Modellen bequem von außen bestücken. Mit guter Sprachqualität gibt das ZV50 beim Telefonieren und Freisprechen keinen Anlass zur Kritik. Beim EF91 fiel uns ein leises Rauschen auf, und im Freisprech-Modus sollte man die Lautstärke des Handys verringern, da es bei Gesprächspartnern mit kräftiger Stimme sonst heftig übersteuert.
Per Funk ins Internet
Für den schnellen Blick ins Internet, für den im Prinzip auch eine normale UMTS-Verbindung ausreicht, nutzt man bei beiden Handys den eingebauten WAP-Browser. Beide zeigen auch HTML-Seiten an, wobei das Samsung-Handy große Webseiten so umformatiert, dass man sie auf dem Display noch gut lesen kann. Beim BenQ-Siemens-Modell muss man dagegen zum Lesen ständig mühsam hin- und herscrollen.
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Angenehmer surft es sich per Notebook. Hier kommt HSDPA mit Datenraten von bis zu 1,8 MBit/s richtig zum Tragen. Zwar lassen sich beide Handys per Bluetooth ankoppeln, doch überträgt die Funkschnittstelle maximal 723 KBit/s. Um die hohe Datenrate von HSDPA auszureizen, benutzt man besser eine USB-Verbindung, Kabel und Windows-Treiber liegen beiden Handys bei. Ab 2007 soll HSDPA auf 3,6 MBit aufgestockt werden. Die beiden Test-Handys eignen sich für die nächste HSDPA-Stufe aber nicht, da sie hierfür neue Chipsätze benötigen würden.
Die Durchsatztests verschieden großer Testdateien mittels FTP-Übertragung (siehe FTP-Durchsatz) zeigen, dass die Maximal-Rate von 1,8 MBit/s (Durchsätze von 200 KByte/s und mehr) in der Praxis kaum erreicht wird. Bei Einzelmessungen erhielten wir maximal 140 KByte/s, meist lagen die Durchsätze mit 50 KByte/s nur knapp über dem UMTS-Niveau. Eine 2-MBit/s-DSL-Leitung leistet deutlich mehr.
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Die HSDPA-Raten hängen weniger vom Endgerät als vielmehr vom Funknetz und der TCP/IP-Konfiguration des Surf-Rechners ab. So lagen die Durchsätze im hannoverschen Netz von T-Mobile bei beiden Handys unter denen des Vodafone-Netzes. Für HSDPA empfielt Vodafone einige TCP-Einstellungen beim PC oder Notebook zu ändern: So soll man das "TCP Receive window" auf 128480, die MTU (Maximum Transmission Unit) auf 1500 und die "Maximal TCP connect request retransmissions" auf den Wert 5 erhöhen. Für die Einstellungen nimmt man am besten ein Tweak-Programm (siehe [1]). Im Test ließ sich der HSDPA-Durchsatz über beide Handys damit deutlich erhöhen.
Zu den Vorteilen von HSDPA gehört auch die Verringerung der Antwort- oder Ping-Zeiten, die für Echtzeit-Anwendungen wie Voice-over-IP-Telefonie, aber auch für Online-Spieler wichtig sind. Bei GPRS liegen sie üblicherweise bei 400 bis 700 Millisekunden – für schnelle Dienste kaum brauchbar. UMTS erreicht immerhin schon Antwortzeiten von 200 bis 300 ms, bei unserem Test ermittelten wir via HSDPA Zeiten von 100 bis 150 ms. Für Spiele wie Ego-Shooter, bei denen es auf schnelle Reaktion ankommt, wünschen sich die Spieler Ping-Zeiten kleiner als 50 ms. Solch kurze Laufzeiten sollen erst spätere Ausbaustufen von HSDPA liefern, womit sie erst dann mit DSL gleichziehen würden.
Bild und Ton
Die Hauptmenüs der beiden Telefone präsentieren sich mit farbenfrohen Icons, das ZV50 im Vodafone-Layout. Angenehm: Trotz Provider-Branding führt ein Druck auf die Mitteltaste des Steuerkreuzes direkt ins Hauptmenü und nicht – wie bei anderen Samsung-Handys üblich – ohne Rückfrage aufs WAP-Portal des Netzbetreibers.
Bei den Organizer-Funktionen glänzt besonders das Samsung ZV50. Während das EF91 von BenQ-Siemens im Telefonbuch nur ein einziges Namensfeld pro Eintrag besitzt, bietet das ZV50 ein umfangreiches Adressbuch mit getrennten Feldern für Vor- und Nachname und vielen weiteren Feldern pro Eintrag, die man bei Bedarf hinzufügen kann. Das Samsung-Handy stellt außerdem Sprachnotizen und eine Aufgabenliste bereit, die dem EF91 fehlen.
Als Fotohandy tut sich das EF91 mit einer 3,2-Megapixel-Kamera mit Makromodus und Fotolicht hervor. Die Bilder des BenQ-Siemens-Handys zeigen natürliche Farben und kaum Artefakte, sind aber unscharf. Auch stören deutliche Randverzeichnungen (Fischaugen-Effekt). Im Makro-Modus gefallen die Fotos dagegen mit guter Schärfe. Videos nimmt es mit immerhin 320 × 240 Pixeln auf, doch ruckeln diese bei der Wiedergabe. Das ZV50 knipst überraschend scharfe Bilder mit kräftigen, stimmigen Farben ohne auffallende Verzeichnungen, für Videos gibt es maximal das Briefmarken-Format QCIF (176 × 144 Pixel).
Für die Steuerung des Musikplayers besitzt das Samsung-Handy drei Steuertasten auf dem Deckel, das EF91 muss man dazu aufklappen. Beide Handys spielen die Formate MP3 inklusive variabler Bitraten und AAC ab. Der Sound klingt über die Kabel-Headsets bassarm, besser man koppelt ein Bluetooth-Stereo-Headset an; das nötige Audio-Profil A2DP kennen beide Geräte. Das EF91 erkannte eine eingelegte micro-SDCard zwar, doch konnten wir auf die gespeicherten Musikdateien nicht zugreifen. Multimedia-Handys setzen meist bestimmte Ordner auf der Speicherkarte voraus, die sich durch Formatieren mit dem Handy anlegen lassen. Eine Option zum Formatieren fehlte dem EF91 jedoch. Das Samsung hatte mit unserer Testkarte keine Probleme.
Fazit
Als Funkmodems mit dem UMTS-Beschleuniger taugen beide Handys. Wer etwa Webserver mobil betreut, wird die hohen Durchsätze in Senderichtung begrüßen. Mit einer guten DSL-Verbindung kann HSDPA bislang aber nicht konkurrieren, dazu brechen die Datenraten bei HSDPA zu oft ein. Bislang bieten T-Mobile und Vodafone HSDPA in ihrem UMTS-Netz zusammen mit passenden Datentarifen an. Am günstigsten surft es sich mit den "Flatrate"-Angeboten der Netzbetreiber, bei denen es sich tatsächlich um fünf Gigabyte Freivolumen für rund 50 Euro pro Monat handelt, was selbst für Vielsurfer ausreichend sein sollte.
Als Allround-Handy mit guten Organizer- und brauchbaren Multimedia-Funktionen gefällt das Samsung SGH-ZV50 unterm Strich besser als das EF91. BenQ-Siemens lieferte zum Test ein Vorserien-Modell, dessen HSDPA-relevante Firmware-Teile serienreif sein sollen. Bei Bedienung und Multimedia-Funktionen gibt es für den Hersteller jedoch noch einiges zu tun. (rop)
Literatur
| [1] Tweakmaster für Windows-PCs zum Optimieren von HSDPA-Verbindungen (im Software-Verzeichnis von heise mobil) |
| [2] Christiane Rütten, Axel Kossel, Mobilmachung, Surfen per UMTS unter Windows und Linux, c't 8/06, S. 102 |
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