Flash-Poker
Kartenleser lassen der Werbung zufolge die Daten schneller zwischen PC und Flash-Speicher flutschen, als wenn man den PDA oder die Digitalkamera direkt an den PC anschlieĂźt.
- Boi Feddern
Kartenleser lassen der Werbung zufolge die Daten schneller zwischen PC und Flash-Speicher flutschen, als wenn man den PDA oder die Digitalkamera direkt an den PC anschließt. In vielen Geräten stecken allerdings veraltete Controller, die die Übertragung großer Datenmengen von der Karte auf den Rechner zum langatmigen Geduldsspiel werden lassen.
Externe Flash-Kartenlaufwerke sind schon zum Schnäppchenpreis für unter zehn Euro zu haben und es gibt sie wie Sand am Meer. Spätestens wenn man aber das dritte Modell zu 9,99 Euro erworben hat und feststellen muss, dass auch dieses Laufwerk die teuer erstandene Highspeed-CF-Karte nur mit müden 2 MByte/s liest und beschreibt, ist der Ärger groß. Hätte man gleich ein paar Euro mehr ausgegeben, wäre einem dieser Frust womöglich erspart geblieben.
Die Aufgabe eines externen Kartenlesers klingt auf den ersten Blick eigentlich ganz einfach: Er soll dem Rechner den Inhalt einer Speicherkarte verfügbar machen, als hätte man eine Diskette eingelegt oder eine externe Festplatte angeschlosen. Moderne Kartenleser sind mit verschiedenen Kartenslots meist für sechs unterschiedliche Speicherkartenformate ausgestattet. Das hat im Wesentlichen für die Hersteller einen Vorteil, die nicht viele verschiedene Modelle für die unterschiedlichen Kartentypen produzieren müssen. Der Käufer muss allerdings stets einen MMC- oder SD-Slot mitbezahlen, auch wenn er eigentlich nur mit CF-Karten arbeitet.
Ein XP-Rechner erkennt einen USB-Kartenleser als "USB Mass Storage Device". Wie auch Mac OS und Linux mountet Windows XP jeden einzelnen Slot mit eigenen Treibern als Wechselmedium. Insgesamt kommen so meist vier Laufwerke zusammen: eines für CF-Medien jeder Art, eines für Memory Sticks, eines für SD- und MMC-Karten und eines für SmartMedia- und xD-Picture-Cards. Smartmedia-Karten sind quasi ausgestorben, dennoch passen sie noch in fast alle Kartenleser. Wer regelmäßig mit xD-Karten hantiert, sollte vor dem Kauf genau aufpassen – oder die zusätzliche Investition beispielsweise in einen CF-xD-Adapter einplanen. Viele Flash-Karten-Laufwerke schlucken nämlich keine xD-Karten.
Der Elektronik eines Kartenlesers kommt die alles andere als triviale Aufgabe zu, zwischen den unterschiedlichen Protokollen der Kartenfamilien und dem des USB zu vermitteln. Auf der Suche nach einem geeigneten USB-Kartenleser für unseren Speicherkartentest [1] mussten wir allerdings feststellen, dass die Übersetzung nicht immer und bei allen Protokollen gleich gut klappt. Ein Kartenleser, der eine SD-Card rasend schnell liest, kann bei CF-Karten schwächeln und umgekehrt. Kartenleser, die mit allen gängigen Kartentypen harmonieren, sind rar.
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Auf den Zahn gefĂĽhlt
Leider kann man vom Äußeren her nicht darauf schließen, ob ein Kartenleser nun mit einem bestimmten Kartenformat besonders gut oder besonders schlecht klarkommt. Wir haben deshalb zwölf USB-Kartenleser auf den Prüfstand geholt. Etwas aus dem Rahmen fällt unser dreizehnter Testkandidat: der Extreme FireWire Reader von SanDisk mit FireWire-800-Schnittstelle. Er ist speziell für die rasend schnellen SanDisk-Speicherkarten der Reihe Extreme IV konzipiert.
Diese Karten sind mit bis zu 33 MByte/s maximaler Transferrate so schnell, dass sie in einem USB-Reader nicht ihre volle Leistung entfalten können. Zwar kann USB 2.0 480 Megabit respektive 60 MByte/s wuppen. Beides sind jedoch theoretische Maximalwerte, die in der Praxis nicht erreicht werden.
Die Geschwindigkeit der Kartenleser haben wir zusammen mit einigen flotten Speicherkarten verschiedener Formate aus dem Test in der letzten c't ermittelt. Die USB-Kartenleser haben wir an den Chipsatz-Schnittstellen eines Mainboards von Asus (A8N-SLI Deluxe) und den Fire Wire Reader an einem PCI-Adapter von Adaptec (FireConnect 8300) getestet. Als Referenzkarten dienten drei SanDisk-Modelle: eine CF-Karte der Reihe Extreme IV, ein Memory Stick Pro Extreme III sowie eine SD Ultra II. Hinzu kam noch eine xD-Card des Typs H [2] von Olympus, eine MMCplus-Karte von Transcend (TS2GMMC4) und ein Microdrive von Hitachi.
Als Benchmark verwendeten wir unser Festplatten-Testprogramm H2benchw. Es läuft unter Windows XP SP2 und ermittelt die Transferrate der Karten im Lesegerät, indem es eine größere Portion Daten sequentiell liest und schreibt. In den Tabellen finden Sie einen mittleren Messwert in MByte/s.
Alle Kartenleser laufen bus-powered, benötigen also keine zusätzliche Stromversorgung. Sie dürfen allerdings gemäß der USB-Spezifikation den Bus nicht mit mit mehr als 500 mA belasten; per FireWire sind 1,5 Ampere erlaubt. Neben der Geschwindigkeit ermittelten wir daher auch die Stromaufnahme der Flash-Kartenlaufwerke. Dazu schalteten wir ein Leistungsmessgerät zwischen Kartenleser und USB-Schnittstelle. Am ehesten bestünde beim Betrieb eines stromhungrigen Microdrive, das alleine schon 300 mA Strom benötigt, die Gefahr, dass der Kartenleser den USB mit mehr als den erlaubten 500 mA belastet.
Bei den hier getesteten Modellen besteht allerdings keine Gefahr. In Ruhe benötigt kein Kartenleser mehr als 115 mA und beim Beschreiben eines Microdrives überschreitet kein Testkandidat die Marke von 400 mA.
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Reingelegt
Alle Geräte verwenden Kombinations-Slots. Das spart Herstellungskosten, erschwert aber manchmal das Finden des richtigen Kartenslots, wenn sie nicht hinreichend beschriftet sind. Schließlich soll auch ein Laie herausfinden können, welche Karte in welchen Slot gehört und ob sie mit den Kontakten nach oben oder unten eingelegt wird. Ein eindeutiger Aufdruck kann manche Fehlersucherei ersparen.
Sprichwörtlich im Dunkeln tappt man beispielsweise beim Gerät von Ultron. Der richtige Slot für eine Karte lässt sich zwar anhand der Slotbreite erahnen. Wie herum die Karte eingesteckt wird, findet man allerdings nur durch einige Experimente oder Ausleuchten des Slotinneren mit der Taschenlampe heraus. Anders der Kartenleser von Transcend: Hier ist jeder Kartenslot eindeutig benannt und auch die Steckrichtung der Karte ist angegeben.
Neben der Beschriftung haben wir uns auch die Ausführung und Stabilität der einzelnen Kartenleser angesehen. Nicht bei allen Kartenlesern flutschen die Karten in den Slot. Beim Gerät von Hama hakte es beispielsweise beim Einsetzen einer SD- oder MMC-Karte und bei den baugleichen Geräten von Traxdata und Ridata genügt schon ein kräftiger Händedruck, um die instabilen Plastikgehäuse in die Einzelteile zu zerlegen.
Das Gerät von Ridata plagt darüber hinaus eine Microdrive-Allergie. Steckt man eine Mini-Festplatte in den CF-Slot des Kartenlesers, meldet sich das Gerät komplett vom System ab. Der Kartenleser war erst nach erneutem Anschließen an den Rechner wieder in Gang zu bringen, nachdem man zuvor das Microdrive aus dem Slot entfernt hat. Merkwürdigerweise zeigte das baugleiche Flash-Kartenlaufwerk von Traxdata dieses Phänomen nicht.
Einen anderen Bug entdeckten wir beim Card Reader von Crucial. Er erkannte von unseren eingelegten SD- und MMC-Karten mit 2 GByte nur die Hälfte der Kapazität.
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Leistungsschau
Ausgerechnet das Gerät, das nicht mit markigen Sprüchen wie "21 in 1" oder "Hi-Speed Lesegerät" beworben wird, lieferte in unserem Test das beste Bild ab: Der Pro Media Reader von Memory Corp zeigt bei allen gängigen Speicherkartentypen eine gute Performance, überzeugt auch in puncto Ausführung und Stabilität und ist mit zwölf Euro noch nicht einmal besonders teuer. Der Kartenleser hat eine äußerst kompakte Bauform und kommt mit lediglich zwei Slots aus: Ein Steckplatz schluckt CF-Karten und Microdrives, der andere alle übrigen gängigen Formate von Memory Stick über SD- und MMC- bis hin zu xD-Karten. Einzig einige Betriebs-LEDs, eine deutlichere Bezeichnung der einzelnen Kartenslots und ein längeres USB-Kabel hätten dem Leser noch gut getan.
Einen ähnlich guten Eindruck machten die Kartenlesegeräte von Transcend und Hama. Bei beiden ist die Performance mit xD-Karten allerdings etwas bescheidener. Beide Geräte bieten als einzige im Testfeld noch einen extra Slot für miniSD- beziehungsweise microSD- und MMCmicro-Karten. Auch der schicke Card Reader von Kingston überzeugte. Er schluckt allerdings keine xD-Karten.
Alle anderen USB-Kartenleser weisen mehr oder weniger große Schwächen in der Geschwindigkeit auf, zeigen Kompatibilitätsprobleme (Ridata, Crucial) oder Mängel in Ausführung und Stabilität. Da können auch Eigenarten wie eine rutschfeste Abdeckung oder eine Staubschutzklappe nichts daran ändern: Diese Geräte sind nichts für Foto-Profis.
Der FireWire-Reader von SanDisk dürfte nur für Anwender von Interesse sein, die die dazu passende Extreme-IV-Speicherkarte ihr Eigen nennen – nicht umsonst wird der Kartenleser auch im Kit mit den CF-Karten angeboten. Für den Standard-Anwender bringt dieses Gerät keinen Vorteil. Der FireWire Reader besitzt nur einen Slot für CF-Karten und Microdrives. Obwohl er Karten der Reihe Extreme IV von SanDisk rasend schnell liest und beschreibt, arbeitet er mit Standard-CF-Karten etwas langsamer als die schnelleren USB-Kartenleser unseres Testfelds.
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Fazit
Wer nur gelegentlich einige kleine Bilddateien im JPG-Format von seiner Urlaubskamera per Kartenleser auf den Rechner überspielen möchte, für den kann die Investition in einen Kartenleser rausgeworfenes Geld sein. Viele Geräte übertragen die Daten fast genauso lahm, als wenn man sie direkt von einer Kamera kopiert.
Vielfotografierer, die regelmäßig große Datenmengen in hoher Geschwindigkeit kopieren möchten, sollten im Zweifel die Finger von Ultra-Billig-Angeboten lassen und stattdessen in ein aktuelles Markenmodell investieren. Hier gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Hersteller moderne und schnelle Controller verbaut – allerdings leider auch hier keine Garantie, wie das Beispiel Lexar zeigt.
Für die Anwender, die mit verschiedenen Kartenformaten hantieren, gestaltet sich die Suche nach dem richtigen Kartenleser ähnlich schwierig wie die berüchtigte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Wir waren enttäuscht, dass in diesem Testfeld von 13 Geräten nur eines dabei ist, dass tatsächlich im Zusammenspiel mit allen gängigen Speicherkartentypen die Bezeichnung Highspeed verdient hat – obwohl praktisch alle Hersteller mit Formatvielfalt und Highspeed für ihre Kartenleser protzen. (boi)
Literatur
| [1] Boi Feddern, In die Karten geschaut, 164 Flash-Speicherkarten im Vergleich, c't 23/06, S. 142 |
| [2] Benjamin Benz, Erinnerungskarten, Die Technik der Flash-Speicherkarten, c't 23/06, S. 136 |
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