Angedockt

Acer hat endlich zwei Docking-Stationen entworfen, die den Erwartungen an diese BĂĽrohelfer gerecht werden sollen: einfache Handhabung, Abnehmen ohne Abmelden und Betrieb bei geschlossenem Notebook-Deckel.

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Acer hat endlich zwei Docking-Stationen entworfen, die den Erwartungen an diese BĂĽrohelfer gerecht werden sollen: einfache Handhabung, Abnehmen ohne Abmelden und Betrieb bei geschlossenem Notebook-Deckel. Die aktuellen Notebooks passen nicht dran, sodass Acer nach und nach neue TravelMate-Modelle herausbringt. FĂĽr den ersten Test treten das TravelMate 6460 mit 15,4-Zoll-Display im Breitformat und das EasyDock II+ an.

Beim letzten Test von Business-Notebooks mit Docking-Station hat die Acer-Lösung sich als unpraktisch erwiesen (siehe [1]). Die wenig standfesten Kistchen ließen sich nur umständlich mit einem unflexiblen Kabel ans Notebook anschließen, Monitorkonfigurationen musste man jedes Mal neu einstellen, und vergaß man das Abmelden der Docking-Station vor dem Abnehmen, waren Abstürze die Folge.

Acers neue Docking-Stationen haben nun wie alle anderen eine Zunge mit nach oben zeigendem Stecker, auf die man das Notebook aufsetzt. Zum Abnehmen dient ein Hebel an der Docking-Station, der das Notebook ein paar Millimeter nach oben drückt und so die Steckverbindung trennt. Anders als beim Vorgänger ist endlich ein Netzschalter vorhanden, sodass man das Notebook zugeklappt ein- und ausschalten kann. An Notebooks verschiedener Größe lässt sich die Docking-Station in zwei Schritten anpassen: Einen Abstandshalter an der Oberseite und Aufstellfüße an der Unterseite muss man in die richtige Stellung bringen, die auf einem Aufkleber am Notebook aufgedruckt ist.

Acer hat zwei Varianten im Programm: Das EasyDock II kostet 199 Euro und hat sechs USB-Anschlüsse, eine vier- und eine sechspolige FireWire-Buchse, VGA, DVI-D, S-Video, LAN, Modem, SPDIF, Line-Out, Line-In, Mikrofoneingang und natürlich einen Stromanschluss, zudem zwei PS/2-, eine Parallel- und eine RS232-Buchse. Das 299 Euro teure EasyDock II+ hat zusätzlich einen Steckplatz für eine ExpressCard/54 sowie einen MediaBay-Einschub, der Festplatte oder optisches Laufwerk aufnimmt oder einen Zweitakku lädt. Der Auswurfknopf sitzt etwas fummelig unterhalb des Einschubs.

Einige der Buchsen an der Rückseite sind ins Gehäuse versenkt, sodass die Kabelabschirmungen nicht an den Steckern zerren, sondern auf dem Gehäuse aufliegen. Allerdings wächst die Station so in der Tiefe: Beim EasyDock II+ muss man hinter dem Notebook (je nach Modell) 18 bis 22 Zentimeter Platz freihalten, beim EasyDock II etwa sieben Zentimeter weniger.


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Saß beim Vorgänger noch spezielle Hardware in der Docking-Station (dessen Treiber für die Abstürze beim Abdocken ohne Abmelden verantwortlich waren), kommt der Neuling ohne Zusatztreiber aus. Die USB-Ports sind über einen ohne Geschwindigkeitsverlust arbeitenden USB-2.0-Hub angebunden, die anderen Buchsen sind direkt mit der Notebook-Hardware verbunden. Die Notebooks haben zwei FireWire-Chips, von denen einer mit der vierpoligen Buchse im Notebook verbunden ist, der andere mit den zwei Buchsen an der Docking-Station – er hat nichts zu tun, wenn das Notebook nicht eingedockt ist.

Die VGA-Buchse der Docking-Station liefert ein zum Betrieb von TFT-Displays bei 60 Hz gut geeignetes Signal; der DVI-Ausgang steuert Monitore mit Digitaleingang bis 1920 × 1200 Punkten an. Das Notebook merkt sich die Monitorkonfiguration: Nimmt man es heraus, geht nach dem Einschalten das interne Display an, setzt man es erneut ein, springen beim Einschalten wieder die angeschlossenen Displays in der dort zuletzt eingestellten Auflösung an. Allerdings muss man dafür das Notebook vor dem Ein- und Ausdocken ausschalten oder in den Suspend-Modus fahren. Ist es beim Herausnehmen eingeschaltet, aktiviert sich das interne Display nicht automatisch, sondern der Anwender muss Fn-F5 drücken.

TravelMate 6400

Mit den ersten beiden neuen TravelMate-Modellen deckt Acer die Brot-und-Butter-Klasse der Business-Notebooks ab: Das 6410 ist mit 15-Zoll-Display im 4:3-Format, Chipsatz-Grafik und mäßiger Ausstattung für einen niedrigen Preis zu haben, das 6460 zielt mit DVI-Ausgang, großer Festplatte und 15,4-Zoll-Display auf den Anwender mit höheren Ansprüchen. Beide nutzen das gleiche Gehäuse, das für das Standarddisplay tief und für das Breitdisplay breit genug ist und daher verhältnismäßig groß ausgefallen ist. Es ist verwindungsarm und hinterlässt einen robusten Eindruck.

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Acers neue Docking-Stationen müssen einmal aufs Notebook eingestellt werden, verhalten sich dann aber unauffällig und unkompliziert. Die Klappe über den Steckern erleichtert das Anschließen der Kabel. Vergrößern

Die Tastatur hat die bei vielen Acer-Notebooks zu findende Biegung, die Zehnfingerschreibern eine entspanntere Armhaltung erlaubt. Der Anschlag wirkt etwas flach und weich, aber noch angenehm. Das Touchpad ist besonders groß ausgefallen. Als Neuheit sitzt nun ein bei Business-Notebooks anderer Hersteller üblicher Trackpoint in der Tastatur, mit dem man den Mauszeiger bewegen kann, ohne die Hände von den Tasten zu nehmen. Die Maustasten unterhalb der Leertaste sind dabei mit dem Daumen gut zu erreichen. Der dazwischenliegende Fingerabdruck-Sensor lässt sich zum Scrollen konfigurieren, was man allerdings mit einer Taste erst aktivieren muss – endlich eine Anwendung für die Rollen-Taste.

Das Display des TravelMate 6460 zeigt 1280 × 800 Punkte mit guter Farbbrillanz, aber dem bei Notebooks üblichen engen Betrachtungswinkel. Heutzutage eine Seltenheit bei Breitbild-Displays: Es hat erfreulicherweise eine matte, reflexionsarme Oberfläche. Die Hintergrundbeleuchtung erreicht 169 cd/m2, was für Innenräume und schattige Außenbereiche locker reicht. Trotz mäßig schneller Hardware – der ATI-Grafikchip X1300 bringt nicht wesentlich mehr 3D-Power als Intels integrierte Grafik – läuft fast ständig ein Lüfter. Selbst bei niedriger Systemlast erreicht er nach kurzer Zeit unüberhörbare, aber wegen der tiefen Tonlage nur mäßig störende 0,8 Sone. 1,3 Sone unter CPU-Volllast sind für die gebotene Rechenleistung allerdings etwas viel.

Auch die Leistungsaufnahme im Akkubetrieb ist mit fast 20 Watt recht hoch. Dank fettem 71-Wh-Akku hält das 6460 dennoch dreieinhalb bis vier Stunden durch. Laut Handbuch ist zur Gewichtsersparnis ein 44-Wh-Akku erhältlich. In den Wechselschacht lässt sich statt des optischen Laufwerks ein Zweitakku (56 Wh, 179 Euro) einstecken, der die Laufzeit auf sechseinhalb bis sieben Stunden verlängern dürfte. Zudem sind eine Festplatte (120 GByte, 449 Euro) und ein DVD-Laufwerk (179 Euro) für den Schacht erhältlich.

Der VGA-Ausgang trägt ein mittelmäßiges Signal, das sich für Röhrenmonitore bis etwa 1280 × 1024 Punkte bei 85 Hz einigermaßen eignet. Flachdisplays zeigten (bei 1920 × 1200 Punkten mit 60 Hz) ein brauchbares Bild mit kaum wahrnehmbaren Schatten. Die DVI-D-Buchse trägt ein störungsfreies Digitalsignal mit bis zu 1920 × 1200 Punkten. Die niedrigere HDTV-Auflösung mit 1280 × 720 Punkten unterstützt der Grafiktreiber nicht.

Als unpraktisch hat sich die Gummiabdeckung des Speicherkarten-Slots erwiesen: Schon nach dem Einstecken und Herausziehen weniger Karten lieĂź sie sich nicht mehr fest verschlieĂźen, sondern hing an den zwei Befestigungslaschen herab. Schnell ist man geneigt, dem Gebammel mit einem beherzten Ruck ein Ende zu bereiten.

Der Anschluss zur Docking-Station am Boden wird ebenfalls nur von einer Gummiabdeckung geschützt. Sie sitzt recht fest, aber Nutzer der Docking-Station dürften sie wohl eher irgendwo vergessen, statt sie ständig aufzusetzen und abzunehmen.

Fazit

Acers neues Docking-Konzept hinterlässt einen ausgereiften Eindruck und räumt mit allen Vorbehalten auf, die gegen den unpraktischen Vorgänger bestehen. Die aufwendige Lösung mit zwei FireWire-Chips beschert den Nutzern direkt zwei dieser Anschlüsse am Dock – andere wie HP leiten hingegen FireWire gar nicht mehr heraus. Einen größeren Schritt nach vorne beispielsweise Richtung eSATA, HDMI oder einer zweiten DVI-I-Buchse tut Acer bei den Docking-Stationen nicht, sondern implementiert lediglich die von den Mitbewerbern bekannten Features. Die Anpassung an verschiedene Notebook-Größen ist umständlich, aber auf Dauer nur für die wenigen Anwender nervig, die abwechselnd verschiedene Notebooks einsetzen möchten.

Das TravelMate 6460 erweist sich als modernes Mittelklasse-Notebook mit sinnvoller Ausstattung. Die Leistungsaufnahme und die Geräuschentwicklung sollten etwas niedriger sein. Gut gefallen die Tastatur samt Trackpoint, das für Business-Geräte sehr helle Display, der DVI-Ausgang und das zum Anschließen von Flachdisplays hinreichend gute VGA-Signal. Die zweijährige Garantie lässt sich auf drei Jahre verlängern und um eine Kaskoversicherung erweitern, doch eine Vor-Ort-Reparatur bietet Acer weiterhin nicht an. Im Januar will Acer eine Variante mit schnellerem Prozessor (Core 2 Duo T7200 mit 4 MByte L2-Cache), 2 GByte Hauptspeicher und Display mit 1680 × 1050 Punkten herausbringen.

Eine größere Auswahl an Docking-fähigen Notebooks wird Acer allerdings erst im Lauf des nächsten Jahres vorstellen, so soll im zweiten Quartal ein Modell mit 14-Zoll-Display folgen. Dann erst wird sich erst die Flexibilität der gesamten Serie zeigen. Vielleicht schafft Acer es sogar im Unterschied zur Konkurrenz, ein Subnotebook herauszubringen, das auf die gleiche Docking-Station passt wie die größeren Modelle. (jow)

Literatur
[1] Jörg Wirtgen, Business as usual, Notebooks für den geschäftlichen Einsatz, www.heise.de/mobil/artikel/78425


Acer TravelMate 6460
Business-Notebook mit Docking-Anschluss
HerstellerAcer
LieferumfangWindows XP Professional, Cyberlink PowerDVD, NTI CD&DVD Maker, Modemkabel, Netzteil
SpezifikationIntel Core 2 Duo T5500, Chipsatz Intel Mobile 945PM, 1 GByte PC2-4200, Display 15,4 Zoll (1280 × 800 Pixel), ATI Mobility Radeon X1300, HDD 120 GByte, LAN 10/100/1000 MBit/s, DVD-Brenner (DVD±R/RW/DL; DVD-RAM), WLAN (802.11b/g), CardBus-Steckplatz, Expresscard-Steckplatz, Speicherkartenleser (SD / MMC / xD / MSPro, V.92-Modem
SchnittstellenVGA, DVI-D, S-Video, USB, IEEE1394, Modem, Kopfhörer, Audio- und Mikro-Eingang, RS-232, Bluetooth, IrDA, PS/2
Bluetooth-Eigenschaften
Gewicht / Größe3,1 kg / 36,1 cm × 27,4 cm × 4,1 cm
Preis der Testkonfiguration1549 EUR (inkl. 2 Jahre Garantie, 1 Jahr international)