Mobil informiert

DSL-Flatrates machen den Zugang zur E-Mail unproblematisch: Der PC ist wenn an auch online und das Mail-Programm prĂĽft den Postkorb, so oft man will. Doch auch unterwegs ist man mit Handy und Smartphone immer informiert.

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DSL-Flatrates machen den Zugang zur E-Mail unproblematisch: Der PC ist wenn an auch online und das Mail-Programm prĂĽft den Postkorb, so oft man will. Nach Verlassen des Hauses sind die meisten aber nur noch per Telefon und SMS erreichbar. Dabei geben viele Handys ganz passable Mail-Clients ab.

Auch wenn Mobiltelefone mittlerweile durchaus in der Lage sind, E-Mails abzufragen, so scheut der Anwender die dräuenden Kosten. Jeder kennt jemanden, der schon mal von einem Freund gehört hat, es gäbe da einen, der tausende Euro auf der Mobilfunkrechnung hatte. Dabei ist die Angst heute unbegründet, solange man sich erstens im Inland aufhält und zweitens einen geeigneten Tarif gebucht hat (siehe Dschungelkampf). Die Bandbreite der möglichen Lösungen reicht vom manuellen Nachrichtenabruf über ein einfaches Handy bis zur automatischen Zustellung auf den Blackberry.

Nicht jedes Handy ist gleichermaßen geeignet, insbesondere wenn man eingehende Mails auch beantworten will. Aber schon ein mäßig begabtes Motorola RAZR kommt mit einem eingebauten Mail-Client für die Standardprotokolle IMAP4 und POP3 daher. Einige Mail-Programme, etwa das in Smartphones mit Symbian Series 60 gelieferte, können sogar eine ständige Verbindung zum Server halten und werden über eingehende Nachrichten unmittelbar informiert. RIM hat dieses Verhalten mit den Blackberrys als sogenannte Pushmail bekannt gemacht. Microsoft kontert mittlerweile mit dem auf Exchange aufbauenden Direct Push.

Das Ziel ist einfach beschrieben: Möglichst zeitnaher Empfang eingehender E-Mails bei niedrigen Kosten und geringem Stromverbrauch. Doch diese drei Eckpunkte lassen sich nicht so einfach vereinbaren, wie man meinen sollte.

Abruf nach Fahrplan

Am Heim-PC holen die meisten Anwender ihre Post mit dem POP3-Protokoll ab. Regelmäßig etwa alle zehn Minuten baut der Mail-Client eine Verbindung zum Server auf und lädt neue Nachrichten herunter. Nähme man die gleiche Einstellung bei einem Mobiltelefon vor, dann öffnete das Gerät sechsmal pro Stunde eine GPRS-Verbindung, um im Postfach nachzuschauen. Da alle Mobilfunk-Provider solche Verbindungen auf 10-KByte-Blöcke aufrunden, kommen so in 30 Tagen Dauerbetrieb 4320 Verbindungen mit einem Gesamtvolumen von 43 MByte zustande, ohne dabei auch nur eine einzige Mail zu übertragen.

T-Mobile bietet mit der sogenannten "E-Mail Flatrate" derzeit einen Tarif an, der diese Betriebsweise wirtschaftlich macht. Für knapp vier Euro im Monat kann der Anwender so viele Mails senden und empfangen, wie er will. Der Datentransfer wird dabei über einen Access Point abgewickelt, über den man nur auf einen bestimmten Mail-Server bei T-Mobile zugreifen kann. Dieser Server sammelt Mails von bis zu fünf bestehenden Postfächern ein und liefert sie an das Handy aus. Die Installation ist recht einfach gelöst: Auf der T-Mobile-Webseite wählt man den Typ des eigenen Handys aus und bekommt dann eine Konfigurationsnachricht zugeschickt, die alle Einstellungen automatisch vornimmt.

Nachteilig ist bei dieser Lösung, dass eingehende Nachrichten nicht unmittelbar eintreffen. Es ergeben sich mehrere Verzögerungen durch das Einsammeln der E-Mails aus den bestehenden Postfächern und die zeitgesteuerte Abfrage des T-Mobile-Postfachs.

Gehobener Standard

Etliche Mail-Provider bieten mittlerweile Postfächer an, die man auch über das IMAP4-Protokoll nutzen kann. Dieses Protokoll erlaubt es, die eigene Post auf dem Server des Providers zu belassen und dort in Ordnern zu verwalten. Der eigene PC ruft die Nachrichten ab, hält sie lokal aber nur in einem Cache. Maßgeblich bleiben die Nachrichten auf dem Server. Auf diese Weise können mehrere PCs das gleiche Postfach bearbeiten und sind sich dabei stets darüber einig, welche Nachrichten noch ungelesen sind. IMAP bietet darüber hinaus die Möglichkeit, Nachrichten nicht vollständig herunterzuladen, sondern zunächst nur die Adressdaten und den Betreff, bei Bedarf dann den eigentlichen Text, und schließlich dann auch auf Wunsch die Anhänge. Diese Fähigkeiten sind bei der Nutzung mit Mobiltelefonen sehr nützlich, da man stets nur so viel herunterlädt, wie gerade notwendig ist. Das spart nicht nur Übertragungsvolumen, sondern auch Speicherplatz auf dem Handy.

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Blackberry bietet verschiedene Gerätetypen an: Breite wie das Curve (links) haben viele Tasten, auf denen man recht flott Mails schreiben kann. Vergrößern

FĂĽr IMAP gibt es zudem eine nĂĽtzliche Erweiterung namens IDLE, die in RFC 2177 [2] beschrieben ist. Beherrschen sowohl Client als auch Server diese Erweiterung, dann kann der Mail-Client, der keine weiteren Nachrichten abzurufen hat, das Kommando IDLE an den Server schicken. Der antwortet mit "+". Die Verbindung zwischen den beiden bleibt offen und der Server kann den Client ungefragt mit Hilfe des EXISTS-Kommandos ĂĽber eingehende Mails benachrichtigen. Typischerweise holt der Client die neuen Nachrichten dann ab und geht wieder in den IDLE-Zustand.

Leider ist die Verbindung zwischen Server und Client äußerst fragil. Das Mobiltelefon kann etwa so eingestellt sein, dass es die Datenverbindung nach einer bestimmten Frist automatisch abbricht, der Mobilfunkanbieter kann sie terminieren, oder der IMAP-Server beendet sie, weil der Client sich länger nicht mehr gemeldet hat. Es liegt im Wesentlichen am Client, wie aggressiv er versucht, diese Verbindung aufrechtzuerhalten. In der Theorie schont IMAP IDLE zwar die Ressourcen, weil der Server nicht ständig gepollt wird, aber in der Praxis kommt man nicht umhin, zumindest in größeren Abständen nachzuschauen, ob wirklich noch eine Verbindung zum Server besteht.

Das Programm ChatterEmail für Palm OS ist für IMAP IDLE optimiert. Auch für andere Smartphones gibt es Mail-Clients, die damit umgehen können. Bei Symbian Series 60 und Series 80 etwa kann der eingebaute Mail-Client nicht nur Nachrichten abrufen – und dabei jedes Mal die Verbindung terminieren –, sondern auch einfach "online" gehen. Dieser Zustand wird durch einen Blitz hinter dem Postfach angezeigt. Auch die Sony Ericsson Handys der K- und der W-Serie beherrschen IMAP IDLE. Da nicht jeder Mail-Server IMAP IDLE implementiert hat, kann man das Verhalten am besten mit einem kostenlosen Postfach testen, wie es etwa Cortado [3] anbietet. Mit einer Größe von 20 MByte taugt es allerdings nicht für den Dauereinsatz.

Spezialisten

1&1 bietet mit PocketWeb ein mobiles E-Mail-Gerät im Verbund mit einer Flatrate für zehn Euro an, das sich ebenfalls des IMAP-Protokolls bedient. Bei dieser Lösung kommt jedoch nicht IMAP IDLE zum Einsatz. Vielmehr nutzt PocketWeb einen proprietären Mechanismus, mit dessen Hilfe ein Server dem Endgerät eingehende Nachrichten signalisiert. Der Einsatz des PocketWeb ist deshalb auf die Serverlandschaft von United Internet mit den Marken 1&1, GMX und Web.de beschränkt. Außerhalb von Deutschland ist das Gerät eher für Instant Messaging mit ICQ und MSN positioniert. 1&1 bietet diese Dienste mittlerweile auch in Kombination mit der E-Mail-Flatrate an.

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Das Blackberry Pearl gleicht mehr einem normalen Handy und eignet sich trotz softwareseitiger Eingabehilfe nur bedingt zum Tippen längerer Texte. Vergrößern

Die Tariferweiterung PocketWeb Profimail ist ein wenig irreführend: 1&1 bietet für fünf Euro im Monat an, vier weitere Postfächer bei anderen Anbietern auf dem Gerät zu verwalten. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass 1&1 keinen direkten Zugriff auf deren Server hat und deshalb bei diesen Postfächern kein Push-Mail anbieten kann. Der Anwender muss sie aktiv vom PocketWeb aus abfragen, wobei aber auch hierbei die Flatrate gilt. Erfreulicherweise ist die Profimail-Option in einem ab dem 1. Juni geltenden 1&1-Angebot bereits enthalten.

O2 hat mit dem Communication Center ebenfalls eine Speziallösung im Angebot. Hier ist man nicht an ein bestimmtes Gerät gebunden, dafür wechselt O2 das Protokoll: Für fünf Euro im Monat werden eingehende Mails als MMS übertragen. Das beschränkt den Umfang der Nachrichten auf 3000 Zeichen und erlaubt keine Anhänge. Dafür werden Mails unmittelbar nach Eingang zugestellt und können per MMS beantwortet werden. Das Communication Center geht über die einfache E-Mail-Kommunikation hinaus. So kann es Termine und Adressen verwalten und diese über das Netz per SyncML mit dem Handy abgleichen.

Mail-Schieber

Die ultimative Speziallösung für mobile Mail aber ist der Blackberry des kanadischen Herstellers Research in Motion. Lange als Manager-Statussymbol verschrien, steht er mittlerweile auch dem Privatmann zur Verfügung. Während O2 die Geräte nur mit Business-Tarifen anbietet, dienen die anderen Provider diese Lösung auch für den Privatgebrauch an. T-Mobile etwa berechnet die Blackberry-Option mit fünf Euro im Monat, allerdings zuzüglich des Übertragungsvolumens.

Der Blackberry ist nicht nur als Gerät, sondern auch als Add-on-Software für Smartphones erhältlich und unterscheidet sich grundlegend von den bisher vorgestellten Standardlösungen. Es reicht nämlich nicht aus, einen Datentarif zu buchen oder einfach ohne vorherige Vereinbarung den Access Point des Mobilfunkanbieters zu nutzen. Die SIM-Karte (Subscriber Identity Module) muss vielmehr für Blackberry.net, einen speziellen Access Point für Blackberrys, freigeschaltet werden. Man kann deshalb auch nicht einfach die SIM-Karte eines anderen Providers einlegen, um etwa im Urlaub günstiger zu telefonieren oder die Mails abzuholen.

Man unterscheidet zwei Betriebsarten für Blackberrys: Im Unternehmenseinsatz werden die Geräte zentral über einen Blackberry Enterprise Server (BES) verwaltet und mit Mails sowie Terminen und Adressen wahlweise aus Domino, Exchange oder Groupwise gefüttert. Im privaten Gebrauch dagegen registriert man seinen Blackberry selbst beim sogenannten Blackberry Internet Service (BIS).

Der BIS fragt alle 15 Minuten die Postfächer ab, die man angemeldet hat – von unmittelbarer Zustellung also keine Spur. Statt das eigene Postfach vom BIS abrufen zu lassen, kann man sich auf dem BIS auch ein Postfach speziell für den Blackberry einrichten und die eigene Mail dorthin weiterleiten. Einen besseren Service erhält man mit Postfächern von GoogleMail und Yahoo, weil diese beiden Anbieter eine direkte Verbindung zu der Blackberry-Infrastruktur haben. Hier werden die eingehenden Mails in Sekundenschnelle ausgeliefert. Zugleich behält man die Möglichkeit, Mails im Postfach zu löschen oder ausgehende Nachrichten abzulegen. Bei einer Weiterleitung auf den BIS ist das nicht möglich.

Sparsamkeit

RIM kommt aus dem Pager-Geschäft und beherrscht es wie kein anderer Anbieter, sparsam mit dem Akku des Geräts und der Bandbreite umzugehen. Alle Inhalte werden serverseitig für das Endgerät aufbereitet. So werden HTML-Mails in Text gewandelt und Bilder so skaliert, dass sie auf dem Display lesbar sind. Ein Attachment Service wandelt Anhänge in das SVG-Format um, sodass auch voluminöse PowerPoint-Dateien auf ein übertragbares Format geschrumpft werden. Die von uns befragten Provider berichten übereinstimmend, dass mehr als 99 Prozent ihrer Kunden mit einem monatlichen Übertragungsvolumen von weniger als 5 MByte auskommen.

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Das Nokia E61i als E-Mail-Client: Hier wird die Mail von einem Blackberry-Server geliefert. Vergrößern

Außer der erwähnten Freischaltung für den Blackberry-APN gibt es noch eine weitere Besonderheit zu beachten: Die Endgeräte werden von RIM jeweils für den Provider hergestellt und sind auch an diesen gebunden. So kann man etwa ein Vodafone-Gerät nicht am BIS von O2 anmelden. Die Geräte werden über eine eindeutige Identifikationsnummer (PIN) adressiert und sind den Providern entsprechend bekannt. Bei T-Mobile gibt es eine weitere Besonderheit: Es gibt zwei verschiedene Gerätetypen für BES und BIS. Ein Enterprise-Gerät lässt sich nicht am BIS betreiben, weil T-Mobile dafür einen abweichende APN nutzt.

In der Praxis sind keinerlei Schwierigkeiten zu erwarten, falls man das Gerät beim Provider erwirbt. Schwierig sind nur Secondhand-Käufe bei eBay oder ein späterer Providerwechsel.

Für eine kleine Firma mit eigenem Groupware-Server von IBM, Microsoft oder Novell sind durchaus auch die Anschaffung und der Betrieb eines eigenen Blackberry Enterprise Servers (BES) ins Auge zu fassen. Erst mit einem BES erhält man eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung des Mail-Verkehrs zwischen Server und Client. Darüber hinaus synchronisiert der BES nicht nur die Mails, sondern auch Termine und Adressen der Nutzer. Was immer auf dem Desktop passiert, ist binnen weniger Sekunden auch auf dem Blackberry. Die Provider bieten für diese Installationen einen kostenlosen Testbetrieb an und rechnen mit dem suchtbildenden Faktor der Lösung: Wer einmal einen Blackberry für vier Wochen in der Hand hatte, gibt den so schnell nicht wieder her.

Direkter DrĂĽcker

Der anhaltende Erfolg von RIM hat auch Microsoft auf den Plan gerufen. So gibt es seit dem Fixpack 2 des Exchange Server 2003 eine für den Anwender durchaus vergleichbare Lösung auf der Basis von Active Sync [4]. Wichtigste Voraussetzung: Der eigene Exchange Server muss aus dem Internet auf dem Port 443 erreichbar sein.

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Hier bekommt das Nokia E61i die Mail von einem Exchange-Server gebracht. Vergrößern

Wer keinen eigenen Exchange Server hat, kann sich Exchange-Postfächer zum Beispiel bei 1&1 mieten. Der typische Preis für dieses Angebot liegt bei zehn Euro pro Postfach und Monat. Es lohnt sich, einen eventuell vorhandenen Hosting-Vertrag zu studieren. Manchmal sind darin bereits einige Exchange-Postfächer enthalten. Eine andere Möglichkeit, diesen Dienst zu testen, sind kostenlose Exchange-Postfächer wie sie zum Beispiel Mail2Web.com mit "Mail2Web Live" anbietet [5]. Dort erhält man ein Gigabyte Speicherplatz mit Unterstützung von Direct Push. Der einzige erkennbare Haken ist, dass man seine Absenderadresse nicht frei wählen kann. Dafür ist das Paket "Enhanced Email" für zwei US-Dollar im Monat erforderlich.

Das Protokoll zwischen ActiveSync-Client und Exchange-Server ist, wenig überraschend, ähnlich wie bei IMAP gestaltet. Der Client meldet sich beim Server und hält die Verbindung mit einem variablen Heartbeat offen. Je langsamer der Heartbeat, desto weniger Daten werden ausgetauscht, je schneller, desto stabiler wird die Verbindung. Wie bei IMAP ist der Server nicht in der Lage, von sich aus eine Verbindung zum Client zu öffnen, da ein Mobiltelefon hinter dem NAT-Router des Mobilfunkanbieters eine nicht-öffentliche IP-Adresse hat.

Sobald eine Veränderung im Exchange-Postfach beobachtet wird, teilt der Server dies dem Client mit, der daraufhin einen Synchronisierungsvorgang startet. Der Client ist vom Benutzer konfigurierbar. So kann er bei jedem Event, zeitgesteuert oder manuell synchronisieren.

Wenn man Direct Push mit Windows Mobile 5 verwenden will, muss das Endgerät über das sogenannte "Messaging and Security Feature Pack" verfügen. Microsoft hat das Protokoll auch an andere Hersteller lizenziert. So bietet Nokia zum Beispiel für die E-Serie kostenlos eine Software mit dem Namen "Mail for Exchange" an, die es Symbian-Geräten ermöglicht, per Direct Push Informationen mit Exchange-Servern auszutauschen.

Dataviz bietet mit dem Paket RoadSync eine Software an, die Direct Push auf eine breite Palette von Handys bringt, die von Hause aus nicht mit Exchange funktionieren, etwa Windows Mobile 2003, Symbian Series 60, Series 80 und UIQ, Java MIDP 2.0 sowie Palm OS.

Direct Push benötigt erfahrungsgemäß ein erheblich größeres Transfervolumen als die Blackberry-Lösung. Das liegt unter anderem daran, dass Exchange die Inhalte nicht für das Mobilgerät aufbereitet. So werden Mails und Anhänge unverändert übertragen. Die von uns befragten Mobilfunkanbieter berichten übereinstimmend, dass man mit einem Volumen von wenigstens 30 MByte pro Monat rechnen muss.

Praktische Erfahrungen

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, sagt der Volksmund. Und Vorsicht sollte man in jedem Fall walten lassen, wenn man sein Handy rund um die Uhr nach E-Mails fischen lassen will. Es hängt sehr vom individuellen Verhalten ab, wie viel Transfervolumen am Monatsende zu Buche stehen. Die sicherste Möglichkeit, dies zu messen, bieten die Prepaid-Anbieter: Simyo etwa berechnet für 1 MByte Transfervolumen mit 10-KByte-Blockrundungen nur 24 Cent.

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Wenn man sein eigenes Profil erst einmal kennt, dann fällt es leichter, sich für ein bestimmtes Datenpaket zu entscheiden. O2 bietet seit der CeBIT 2007 zum Beispiel ein 200-MB-Paket für zehn Euro an, das sich zu allen Privattarifen dazubuchen lässt. Nach unserer Erfahrung decken 200 MByte auch eine sehr intensive Mail-Nutzung ab. Auf ein Mobiltelefon wird man sich kaum große PowerPoint-Dateien herunterladen wollen und mit einfachen Text-Mails lässt sich schon die erste 100-MByte-Grenze kaum knacken.

Nicht jedes Handy ist gleichermaßen für die mobile E-Mail-Nutzung geeignet. Ein normales Mobiltelefon mit kleinem Bildschirm und 12er-Tastatur wird nur denjenigen zufriedenstellen, der ab und an seine E-Mail prüfen möchte. Wer dagegen ein paar Dutzend Mails am Tag empfängt und von unterwegs bearbeiten will, der benötigt zwingend eine vollständige QWERTZ-Tastatur und einen größeren Bildschirm mit hoher Auflösung.

Mit dem Blackberry Pearl hat RIM einen Zwitter im Angebot, der einerseits so klein wie ein einfaches Handy ist, aber zugleich eine volle Pushmail-Lösung beinhaltet. Der Kompromiss zeigt sich bei der Tastatur, die jeweils zwei Buchstaben auf einer Taste unterbringt, um dann ähnlich wie bei T9 zu entscheiden, welches Wort wohl gerade gemeint ist. Was bei normalen Texten recht gut funktioniert, führt schnell zur Frustration, wenn man Mail-Adressen oder URLs eintippen will. Folglich ist das Pearl vor allem für den Mail-Empfang gerüstet. Wer viel schreiben muss, greift eher zu den Modellen mit vollständiger Tastatur.

Keine Hand frei

Ein weiterer entscheidender Faktor ist, ob man das Gerät einhändig bedienen kann, oder ob man dazu stets beide Hände benötigt. Nur bei einhändiger Bedienung kann man etwa in einer Warteschlange seine Mails lesen, ohne seine Tasche abzusetzen. Auch im Bus hat man gerne eine Hand frei, um sich festzuhalten.

Windows Mobile unterscheidet Geräte der Kategorien PocketPC und Smartphone. Erstere haben einen berührungsempfindlichen Bildschirm und können mit einem Stift bedient werden. Das ist nur mit zwei Händen möglich. Einige Hersteller wie Palm bemühen sich, auch solche Geräte durch entsprechende Software-Anpassungen mit einer Hand nutzbar zu machen. So lässt sich etwa der Treo weitgehend ohne Stift bedienen. Geräte ohne Touchscreen, wie etwa das sehr gelungene Samsung SGH-i600, sind für die einhändige Nutzung optimiert. Erst wenn man eine Mail beantwortet, nimmt man die zweite Hand dazu, um mit beiden Daumen zu tippen.

Auch wenn der Funktionsumfang gleich zu sein scheint, ist die Implementierung von Mail-Diensten häufig von sehr unterschiedlicher Qualität. Nutzt man zum Beispiel Direct Push auf einem Treo 750, dann ist am Abend der Akku soweit entladen, dass man ihn für den nächsten Tag wieder aufladen muss. Das liegt daran, dass ActiveSync dieses Gerät für jeden Synchronisierungsvorgang vollständig aufweckt. So springen Bildschirm und Hintergrundbeleuchtung unnötigerweise an. Hat der E-Mail-Junkie sein Gerät auf dem Nachttisch liegen, dann kann das durchaus zu Irritationen führen, weil ständig jemand das Licht anknipst. Blackberry Connect zeigt auf demselben Gerät dagegen ein ganz anderes Verhalten: Der Treo scheint zu schlummern, empfängt aber trotzdem im Hintergrund neue Mails.

Man sollte sich außerdem anschauen, wie ein Gerät eingehende E-Mails signalisiert. Blackberrys haben von Haus aus eine LED, die zu blinken beginnt, wenn ungelesene Mails eintreffen. Dieses Feature fehlt beispielsweise beim Samsung SGH-i600. Wer sein Handy gerne in der Tasche lässt, der möchte sich vielleicht durch einen Vibrationsalarm informieren lassen. Das beherrschen eigentlich alle Smartphones mit einer Ausnahme: Nokias Communicators der 9000er-Reihe haben keinen Vibrator.

Beim Einsatz mit einem Blackberry Enterprise Server sind Geräte von Drittanbietern mit Blackberry Connect nur Teilnehmer zweiter Klasse. Die Software-Lösung unterstützt nicht den vollen Funktionsumfang der Blackberry-Geräte. Im Privateinsatz mit Blackberry Internet Service dagegen fällt die Software-Lösung nicht so stark ab, da hier ohnehin nur E-Mails und keine Adressen oder Kalender über das Netz synchronisiert werden. Dennoch sollte man bei der Blackberry-Lösung unbedingt auch ein Gerät des Herstellers ins Auge fassen. Die Geräte der aktuellen Generation mit Blackberry Pearl, Curve und 8800 sind vollwertige Mobiltelefone mit guter Ausstattung.

Die Push-Lösungen von Microsoft und RIM sind nicht allein im Markt. Es gibt vergleichbare Angebote von Good, Seven oder auch Nokia mit Intellisync. Gegenüber der weitverbreiteten Blackberry-Lösung sind sie jedoch sehr viel seltener anzutreffen. Gemeinsam ist diesen verschiedenen Architekturen, dass sie sehr problemlos funktionieren. Wie bei einer SMS treffen E-Mails unmittelbar und automatisch ein. Der Benutzer ist weniger Maschinist als bei den Standard-Protokollen POP3 und IMAP. Er muss nicht darauf warten, dass eine Mail vom Server geladen und geöffnet wird – sie ist einfach da.

Fazit

Mobile E-Mail ist nicht mehr teuer. Ab vier Euro pro Monat kann man so viele Mails versenden und empfangen, wie man will. Selbst die Blackberry-Option gibt es ab fünf Euro, plus kleinem Datenpaket. Wer schon über ein öffentlich zugängliches Exchange-Postfach verfügt, benötigt nur noch ein etwas größeres Datenpaket, das es für rund zehn Euro pro Monat gibt. Wer prüfen will, bevor er sich lange bindet, der kann sein Transfervolumen sehr einfach mit Prepaid-Karten testen. Ein Gelegenheitsnutzer fährt mit dieser Lösung ohnehin am billigsten.

Man sollte jedoch unbedingt beachten, dass alle diese Lösungen nur solange kostengünstig bleiben, wie man sich im Inland aufhält. Sobald man sich in ein fremdes Netz begibt, sollte man unbedingt jeglichen automatischen Mail-Abruf abschalten. Sonst drohen erhebliche Roaming-Gebühren. (ad)

Literatur
[1] Urs Mansmann, Post-Fischen, E-Mail fĂĽr unterwegs gezielt filtern und weiterleiten, c't 9/07, S. 188
[2] RFC zu IMAP IDLE: www.faqs.org
[3] Kostenloses IMAP-IDLE-Postfach mit 20 MByte: www.cortado.de
[4] Informationen zu Direct Push: msexchangeteam.com
[5] Kostenloses Direct-Push-Postfach mit 1 GB: services.mail2web.com


Stolpersteine
Der mobile Zugang zur E-Mail ähnelt dem typischen Szenario eines DSL-Routers daheim: Das Handy baut eine Verbindung zum Netz auf und erhält vom GGSN (Gateway GPRS Support Node) eine IP-Adresse. Wird der PDP-Kontext (Packet Data Protocol) unterbrochen, etwa weil man die Verbindung absichtlich beendet oder in ein Funkloch gerät, dann verfällt die Adresse. Sobald sich das Handy neu verbindet, bekommt es vom GGSN wieder eine Adresse zugeteilt. Jeder PDP-Kontext wird auf die nächst größere Abrechnungseinheit aufgerundet. Auch wenn man nur 2000 Byte ausgetauscht hat, berechnet der Provider die nächste Blockgröße, in der Regel 10 KByte.

Wie beim DSL-Router befindet man sich in einem privaten Netzwerksegment, das mit NAT (Network Address Translation) vom Internet abgeschottet ist. Man kann damit zwar einen öffentlichen Mailserver im Internet erreichen, ist jedoch von diesem nicht eindeutig adressierbar. Die Verbindung geht stets vom Endgerät aus.

Bei der Blackberry Enterprise-Lösung befindet sich auch der eigene Mailserver in einem privaten Unternehmensnetz hinter einer Firewall. Die Verbindung zwischen diesem Server und dem Endgerät wird über die Blackberry-Infrastruktur hergestellt. Sowohl das Endgerät als auch der Blackberry Enterprise Server melden sich dort an und können so miteinander kommunizieren, auch wenn sie sich gegenseitig nicht per IP-Adresse adressieren können. Innerhalb des Blackberry-Netzes werden Nachrichten anhand der Gerätenummer des Endgeräts geroutet.

Microsoft nimmt bei Direct Push für sich in Anspruch, dass man auf diese Infrastruktur verzichten kann. Das ist nur insoweit richtig, dass der Kunde sie selbst stellt. Anders als bei der Blackberry-Lösung muss er nämlich einen Exchange Server im Internet exponieren, damit er vom Endgerät aus unter einer öffentlichen IP-Adresse aus gesehen werden kann.

IMAP IDLE funktioniert unter der gleichen Prämisse: Das Endgerät baut die Verbindung auf und ist dafür verantwortlich, sie zu halten. Dabei haben die Clients nicht nur mit Funklöchern zu kämpfen, sondern auch mit den Timeouts der Datenverbindung, sei es geräte- oder providerseitig, sowie den Timeouts der dazwischen liegenden Firewalls.