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USB-Sticks sind seit langem Massenware, doch aus 1001 Modellen den richtigen Stick auszuwählen ist schwieriger als auf den ersten Blick anzunehmen.
- Boi Feddern
USB-Sticks sind seit langem Massenware, doch aus 1001 Modellen den richtigen Stick auszuwählen ist schwieriger als auf den ersten Blick anzunehmen. Die Geschwindigkeitsunterschiede sind enorm und die Gefahr, beim Blindkauf eine lahme Ente zu erwischen, ist groß.
Zwischen einem langsamen und einem sehr flotten Stick kann sich das Tempo um Faktor 15 unterscheiden: Lahme Sticks schreiben Daten nur mit schlappen 2 MByte/s, rasend schnelle hingegen mit bis zu 30 MByte/s. So dauert im zuletzt genannten Fall das BefĂĽllen eines 4-GByte-Sticks keine drei Minuten, im ersten Fall dagegen locker ein halbe Stunde.
Ein Patentrezept, um einen schnellen äußerlich von einem langsamen Stick zu unterscheiden, gibt es leider nicht. Eigentlich würde es nur helfen, den Stick vor Ort an einem Notebook oder einem anderen Rechner durchzumessen. Gegen das Aufreißen verschiedener Blisterverpackungen hätte aber wohl jeder Verkäufer Einwände.
Immerhin weisen einige Indizien darauf hin, ob es sich eher um ein schnelles oder ein langsames Speicherstäbchen handelt. Generell gilt bei den Herstellern von USB-Sticks: Wer etwas zu bieten hat, gibt damit auch gerne an. Auf vielen Produktverpackungen finden sich Angaben über die Geschwindigkeit – oft in Megabyte pro Sekunde; andere Hersteller geben Geschwindigkeitsklassen an und prahlen etwa mit 210-fachem Tempo, kurz 210x.
Wie bei CD-ROM-Laufwerken bedeutet 1x 150 KByte/s beim Lesen und Schreiben. Ein 210x-Stick überträgt Daten also im Idealfall mit etwas mehr als 30 MByte/s. Bei der Interpretation des Geschwindigkeitsfaktors ist allerdings Vorsicht angebracht: Da es sich hierbei um Maximalwerte handelt, ist die Angabe nur als Anhaltspunkt zu verstehen. In der Praxis werden üblicherweise nur etwas geringere Transferraten erreicht.
Bei besonders schnellen Sticks finden sich die Geschwindigkeitsangaben oft an prominenter Stelle auf der Vorderseite der Verpackung, bei mittelschnellen und langsamen Sticks manchmal nur gut versteckt im Kleingedruckten. Wo die Angabe ganz fehlt, ist eine gehörige Portion Misstrauen angebracht.
Einige Hersteller werben inzwischen damit, dass ihre Sticks "Enhanced for Windows ReadyBoost" sind. Diese Sticks erreichen bestimmte von Microsoft vorgegebene Mindest-Transferraten bei zufällig verteilten Lesezugriffen (Random Read), damit sie als Datei-Cache für Windows Vista taugen. Dabei handelt es sich aber nicht zwangsläufig um Modelle mit besonders hohen sequenziellen Transferraten.
Absolut kein sicherer Indikator für einen schnellen Stick ist ein hoher Preis. Manche Modelle sind schlicht überteuert, anderen legen die Stick-Hersteller oft noch einfache Windows-Programme fürs Backup und zur Datenverschlüsselung bei oder motzen die Speicherstäbchen mit digitaler Kapazitätsanzeige und Ähnlichem auf. Der Aufpreis für eine Software-Beilage ist nur selten gerechtfertigt. Gewöhnlich bieten im Internet erhältliche Freeware-Tools ähnliche Funktionen und sind wesentlich flexibler – laufen also beispielsweise auch unter anderen Betriebssystemen.
Erstaunlicherweise kann aber das Äußere eines Speicherstöckchens als Anhaltspunkt für die Geschwindigkeit dienen. Bei einem dicken und langen Stick besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Hersteller die Platine im Innern voll mit NAND-Flash-Bausteinen bestückt hat und der Controller sie zweikanalig ansteuert. Das bringt ein höheres Tempo. Umgekehrt können besonders schlanke und schmale Sticks ein Indiz für niedrige Transferraten sein.
"Sticks" in Keksform beherbergen gewöhnlich keine Flash-Speicherbausteine. Obwohl von Herstellern wie Trekstor oder A-Data als USB-Sticks angepriesen, handelt es sich hierbei in Wirklichkeit um externe Mini-Festplatten, denn unter der Plastikhülle rotieren 1-Zoll-Microdrives von Hitachi. Prinzipbedingt erreichen diese Mini-Festplatten maximale Transferraten von nur etwa 10 MByte/s.
Dank des günstigen Preises pro GByte bei Festplatten sind diese Mini-Laufwerke deutlich günstiger als Flash-Speichermedien mit gleicher Kapazität. Da Hitachi inzwischen die Produktion der Winz-Laufwerke eingestellt hat, dürfte es allerdings nur noch eine Frage der Zeit sein, bis diese "Stick"-Spezies aus den Regalen der Händler verschwindet.
Wie bei Festplatten gilt auch für USB-Sticks: Der Griff zum Modell mit der größten erhältlichen Speicherkapazität – derzeit 16 GByte – lohnt nur in seltenen Fällen. Mit etwa 275 Euro sind diese Sticks verhältnismäßig teuer. Das beste Verhältnis von Preis zu Kapazität bieten derzeit Sticks mit 4 GByte. Sie kosten aktuell zwischen 35 und 50 Euro.
Wer bereit ist, um die 100 Euro auszugeben, bekommt dafür einen 8-GByte-Stick – für diesen Preis gibt es aber auch schon externe 2,5"-Festplatten, die 20-mal so viel speichern. Sie passen ebenfalls bequem in die Hemdtasche und übertragen Daten mit 30 bis 38 MByte/s stets flotter als USB-Sticks.
Anwender, die nur gelegentlich die eine oder andere Textdatei auf dem Stick abspeichern, braucht die hier geführte Geschwindigkeitsdiskussion nicht zu jucken. Dafür taugt ein beliebiger Stick vom Grabbeltisch, das Werbegeschenk von der letzten Computermesse oder auch ein MP3-Player, sofern der sich unter Windows als Massenspeichergerät meldet. Im Laden sind Billig-Sticks mit 1 GByte schon für fünf, sechs Euro zu haben – demnächst vermutlich auch beutelweise. (boi) (ll)