Business-Phone

Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit Nokia den ersten Communicator als Kombination von Mobiltelefon und PDA ankündigte. Und es hat zehn Jahre gedauert, ein wirklich überzeugendes Exemplar zu bauen.

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Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit Nokia den ersten Communicator als Kombination von Mobiltelefon und PDA ankündigte. Und es hat zehn Jahre gedauert, ein wirklich überzeugendes Exemplar zu bauen.

Die früheren Communicator-Modelle waren fehleranfällig und ließen einiges vermissen: Der 9210 verzichtete 2001 noch auf GPRS und Bluetooth, der 9500 hatte 2004 noch kein UMTS. Mit dem E90 aber realisiert Nokia nun alles, was heute geht: UMTS und HSDPA mit 3,6 MBit/s, Quadband-GSM mit EDGE-Datendienst, Bluetooth mit EDR, WLAN, GPS und eine 3-Megapixel-Kamera mit Autofokus. Der finnische Mobilfunk-Primus hat endlich auch einen Vibrationsalarm eingebaut, der allen Vorgängern fehlte.

Der erste Eindruck vom E90, frei nach Crocodile Dundee: Das ist ein Telefon. Mit 216 Gramm ist das Gerät im Vergleich zu anderen Smartphones sehr schwer und liegt größenmäßig zwischen dem Vorgängermodell 9500 und dem kleineren 9300i. Hat man sich mit Größe und Gewicht erst einmal angefreundet, so überzeugt der Qualitätseindruck: satt rastende Gelenke zwischen den beiden Hälften, ein Innendisplay mit knapp zehn Zentimetern Diagonale und 800 × 352 Pixel Auflösung und ein QVGA-Display auf der Außenseite. Beide Bildschirme lassen sich auch im Sonnenlicht gut ablesen. Die Qwertz-Tastatur mit leicht konvexen Tasten überzeugt auf Anhieb. Einige Tasten sind jedoch ungewöhnlich platziert, etwa das Ü unter dem Ö oder das Fragezeichen in der untersten Reihe. Auch längere Texte lassen sich dank guter taktiler Rückmeldung bequem mit zwei Daumen tippen, für zehn Finger ist die Tastatur zu klein. Die vom E61i bekannte Wippe für die Auswahl aus den Menüs taugt wesentlich mehr als die Joysticks anderer Smartphones.

Mit dem neuen Communicator hat sich Nokia von der Symbian-Oberfläche Series 80 verabschiedet und das E90 stattdessen mit der gängigeren S60-Oberfläche 3.1 Feature Pack 1 (Symbian OS 9.2) ausgerüstet, das erschließt dem Communicator und damit dem Nutzer eine größere Software-Auswahl. Nokia bietet zum E90 die neueste Version 4.0 von BlackBerry Connect sowie eine Pushmail-Verbindung zu Exchange-Servern an. Beide synchronisieren außer Mails auch Kalender, Aufgaben und Kontakte.

Alle Programme laufen sowohl auf dem inneren Display als auch auf dem äußeren. Die Umschaltung geschieht in etwa einer Sekunde durch Auf- oder Zuklappen des Gehäuses. Beim Wechsel von innen nach außen kann man wahlweise automatisch auf den Startbildschirm umschalten; auf diese Weise lässt sich sofort eine Telefonnummer eintippen. Klappt man das Gehäuse während eine Telefonats auf, dann aktiviert das E90 sofort den Lautsprecher, sodass man frei sprechen kann. Beim Zuklappen schaltet das Gerät wieder auf leise. Innen wie außen gibt es die grüne und die rote Telefon-Taste sowie die beiden S60-Softkeys.

Websurfen mit dem eingebauten Browser macht richtig Spaß. Das 800 Pixel breite Display liefert – wie vom PC gewohnt – stets einen ordentlichen Seitenaufbau. Die Schriften erscheinen gestochen scharf, aber wie üblich bei Smartphones sehr klein auf dem 220-dpi-Bildschirm. Das E90 hat mit rund 150 MByte Speicher ausreichend Reserven, mehrere Anwendungen parallel zu betreiben. Auch umfangreiche Dokumente lassen sich problemlos betrachten oder bearbeiten. Mit dem 1500-mAh-Akku hält das Gerät auch den ganzen Arbeitstag durch, wenn man es intensiv nutzt.

Mit Navi

Das eingebaute GPS funktioniert, weiß aber nicht zu überzeugen. Es braucht mitunter sehr lange bis zum ersten Fix und verliert in enger Bebauung sehr schnell die Verbindung. Aktuelle Empfänger mit SiRFstar-III-Chip können das besser. Nokia Maps entspricht der Lösung auf dem N95. Anders als dieses lässt sich der E90 Commander aber leicht in einer Universalhalterung einklemmen oder aufgeklappt abstellen. Mit dem kostenlos herunter zu ladenden Sports Tracker liefert Nokia dazu eine einfache Möglichkeit, KML-Tracks zu erstellen, die man mit Google Earth visualisieren kann.

Die Kamera schießt für ein Fotohandy recht akzeptable Bilder. Allerdings ist selten das drauf, was man eigentlich ablichten wollte, da der Autofokus mindestens zwei Sekunden braucht – bei schlechtem Licht auch gerne zehn –, bis er meint, das Bild scharf gestellt zu haben und auslöst. Erschwerend kommt hinzu, dass der linke Mittelfinger das Objektiv beim Fotografieren oft halb abdeckt. Die Fokus-Rastung zwischen Scharfstellen und Auslösen ist kaum spürbar. Nachdem man gelernt hat, dass man die längliche Auslösertaste nur auf der rechten Seite herunterdrücken kann, geht das Knipsen etwas besser von der Hand.

Bei den Anschlüssen weicht Nokia vom Pop-Port ab: Daten werden per Mini-USB übertragen, und Headsets lassen sich über eine 2,5-mm-Klinkenbuchse anschließen. Leider lädt das Gerät nicht über USB. Außer den üblichen Bluetooth-Profilen zum Freisprechen und Datentransfer verbindet sich das E90 via A2DP auch mit Stereo-Headsets. Eine Funktion fehlt dem neuen Communicator jedoch: Das E90 sendet und empfängt keine Faxe. Hier endet bei Nokia das Analogzeitalter. (rop)


E90 Communicator
Business-Smartphone
HerstellerNokia
Lieferumfang (*1)Ladegerät, Stereo-Headset, Datenkabel, microSD-Karte (512 MByte), Handbuch, Software
Technische DatenHandy-Galerie
*1 Der Lieferumfang kann je nach Anbieter vom angegebenen abweichen.