Sonnenstrom
Um einen Notebook-Akku mit Solarzellen in vertretbarer Zeit aufzuladen, müsste die Fläche der Solarpanels gut einen Quadratmeter groß sein. Offgridsystems geht mit seinem Panel einen eigenen Weg: Ein Pufferakku speichert die Sonnenenergie zwischen.
- Dr. JĂĽrgen Rink
Um einen Notebook-Akku mit Solarzellen in vertretbarer Zeit aufzuladen, müsste die Fläche der Solarpanels gut einen Quadratmeter groß sein. Offgridsystems geht mit nur einem Zehntel der Fläche einen anderen Weg, indem im Sunbag L ein Pufferakku die Sonnenenergie zwischenspeichert.
Zusammengeklappt nimmt das 375 Euro teure Sunbag L in etwa so viel Platz ein wie ein externes Gehäuse für 3,5-Zoll-Festplatten. Die aufklappbare Hülle enthält zwölf biegsame, unzerbrechliche Solarpanels, die zusammen auf eine aktive Fläche von 0,125 m² kommen. Der Lithiumionenakku als Puffer speichert 56 Wh und ist abnehmbar. Das Solarpaket mit Akku belastet das Reisegepäck mit 1,12 kg, das erstaunlich schwere Netzteil wiegt zusätzlich 0,56 kg.
Im eingenähten Säckchen neben dem Akku liegen die zum Laden von Notebooks nötigen Adapter, insgesamt sieben Stück. Eine Kompatibilitätsliste, welcher Adapter zu welchem Notebook passt, hält Offgridsystems auf seiner Website bereit. Für den Fall, dass keiner der Stecker ans eigene Notebook passt, legt der Hersteller noch eine Buchse für einen Kfz-Stecker dazu. Fürs Laden muss der Notebook-Hersteller dann aber einen Kfz-Adapter im Zubehörprogramm anbieten.
Sunbag L ist darauf ausgelegt, möglichst universell Strom zu beziehen: Den Pufferakku kann man außer über das Solarpanel auch über das mitgelieferte Netzteil laden oder im Auto mit dem beiliegenden Adapter an den Zigarettenanzünder anschließen. Per Netzteil oder am Zigarettenanzünder lädt der Pufferakku vergleichsweise schnell in etwas über drei Stunden. Das Netzteil wird dabei über 50 °C heiß.
Fürs Laden mit Licht braucht man dagegen viel Zeit, und die Sonne muss unbedingt scheinen. Dann vergehen bei 52° geografischer Breite etwa sieben Stunden, bis der Akku nahezu voll ist. Die Panels liefern bei Sonnenschein ungefähr acht Watt. Eine LED-Leiste aus sieben grünen Elementen zeigt auf Knopfdruck den Ladestand an. In der Sonne sollte man den Pufferakku unbedingt abdecken. Die dunkle Außenhülle des Akkus heizt sich sonst auf und beschleunigt das unvermeidliche Altern des Lithiumionen-Stromlieferanten. Obwohl Sunbag L für die pralle Sonne gedacht ist, löst sich der Kleber der Klettverschlüsse. Offgridsystems versprach, diese in Zukunft anzunähen statt anzukleben.
Unabhängig davon, ob die Energie vom Solarpanel, Netzteil oder Auto kommt, wird erst der Pufferakku gefüllt, danach lädt dieser das angeschlossene Mobilgerät. Die 56 Wh können einen Notebookakku mit etwa 45 Wh in der Notebook-üblichen Ladezeit von zwei bis vier Stunden (je nach Modell) füllen. Die Differenz geht für Verlustleistungen im Akku und der Lade-Elektronik drauf. Die Energie des Pufferakkus genügt somit nicht, um die in normalgroßen Laptops meist eingesetzten 60-Wh-Akkus vollständig zu laden.
Das Notebook darf während des Ladens mit Sunbag L nicht in Betrieb sein, weil für moderne Rechner die maximale Ausgangsleistung des Pufferakkus dann nicht reicht. Die je nach Notebook unterschiedliche Spannung am Netzteileingang stellt man per Knopfdruck am Pufferakku ein, zur Wahl stehen sieben Spannungen zwischen 6 V und 19 V.
Realistisch kann man bei gutem Wetter alle zwei Tage sein Notebook laden. Statt des Laptops eignet sich Sunbag L auch für DVD- oder mobile Video-Player. Da deren Akkus sehr viel kleiner sind, genügt der Pufferakku für mehrmaliges Laden mit einer Füllung.
Für mobile Kleingeräte wie Handys bietet Offgridsystems mit dem Sunbag S für 113 Euro ein sehr viel handlicheres und leichteres Solarladesystem an, mit kleinerer Akkufläche und schmalem Lithiumpolymerakku. Der kann Handys mit größeren Akkus wie das Sony Ericsson Z1010 mit 1260-mAh-Akku nur zu drei Vierteln laden, kleinere Handy-Akkus mit 900 mAh sollte das Sunbag S komplett füllen können. Zusammengeklappt ist Sunbag S etwa so groß wie eine Dreierdose für Schukostecker und wiegt 0,22 kg. Adapter für die gängigen Handys liegen bei. Mit den Gummizügen kann das handliche Set bei einer Wanderung auf dem Rucksack befestigt werden um den Pufferakku zu laden. Bei praller Sonne brauchen die Solarpanels etwa fünf Stunden, bis der Pufferakku gefüllt ist. (jr)
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