Monitor-Zuwachs

Wer mehrere Monitore an einen Rechner anschlieĂźen will, muss nicht unbedingt zu teuren Multihead-Grafikkarten greifen. Mittlerweile gibt es USB-Adapter, die sogar DVI unterstĂĽtzen.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Michael Riepe
Inhaltsverzeichnis

Konventionellen Docking-Stationen hat Toshibas Dynadock eins voraus: Es begnügt sich mit dem überall vorhandenen USB-Anschluss. Trotzdem bietet es ein reichhaltiges Angebot an Schnittstellen: DVI-I (analog/digital), analoge Audio-Ein- und -Ausgänge, einen optischen S/PDIF-Anschluss, Fast Ethernet, eine serielle Schnittstelle sowie sechs weitere USB-Ports.

Drei kaskadierte USB-2.0-Hubs von NEC verrichten im Dynadock die Vermittlungsarbeit. Der erste bedient die serielle Schnittstelle sowie die beiden USB-Ports an der Vorderseite. Am zweiten sind die Audio-, Video- und Ethernet-Geräte angeschlossen. Nummer Drei – der letzte in der Kette – ist für die hinteren vier USB-Ports zuständig. Sie transportieren daher Daten etwas gemächlicher als ihre vorderen Kollegen: Eine schnelle USB-Festplatte etwa liefert an einer der hinteren Buchsen zwei bis drei Prozent weniger Durchsatz als vorn.

Warum Toshiba den dritten Hub nicht ebenfalls am ersten angeschlossen hat, bleibt das Geheimnis des Herstellers. Auch stellt sich die Frage, warum die langsame serielle Schnittstelle am ersten Hub Platz nehmen darf, während sich Multimediadaten und Ethernet-Pakete durch insgesamt zwei Hubs quälen müssen.

Immerhin hat Toshiba die nur 12 Mbps schnellen "Fullspeed"-Geräte (RS-232 und Audio) mit unterschiedlichen Hubs verbunden. In USB-2.0-Hubs übersetzen nämlich sogenannte "Transaction Translators" die Daten für langsamere Geräte. Die verwendeten NEC-Hubs besitzen nur einen TT, daher kann es zu Performance-Einbrüchen kommen, wenn mehrere USB-1.1-Geräte angeschlossen sind.

Chiphersteller Displaylink liefert für seine USB-"Grafikkarte" DL-160 leider ausschließlich Windows-Treiber – und zwar nur für XP und Vista. Der Audio-Controller von C-Media, die serielle Schnittstelle von Prolific und das 10/100 Mbps schnelle Ethernet-Interface von Asix hingegen sind Standardware, die auch ein aktueller Linux-Kernel bedienen kann.

Das externe Netzteil gehört zu den besseren seiner Art: Es erwärmt sich nur geringfügig, was auf einen hohen Wirkungsgrad schließen lässt. Mit 25 Watt liefert es genug Energie für das gesamte Dynadock sowie mehrere USB-Geräte ohne eigene Stromversorgung. In den Hubs verhindert eine eingebaute Strombegrenzung, dass Geräte zu gierig an der Stromleitung saugen und dadurch das Gerät beschädigen.

Im Handbuch geht Toshiba ausführlich auf die Einschränkungen im Betrieb mit einem externen Monitor ein. Unter Vista etwa ist es zurzeit nicht möglich, den Desktop auf den zweiten Monitor zu erweitern. Im "Spiegelmodus" unter Windows XP andererseits funktioniert zum Beispiel Google Earth nicht korrekt: Bilder sind nur auf dem Hauptbildschirm zu sehen. Beides könnte Toshiba respektive Displaylink eventuell durch ein Treiber-Update beheben.

Videos lassen sich wiedergeben, ruckeln jedoch abhängig von Auflösung und Farbtiefe mehr oder weniger stark. Bei den von Toshiba empfohlenen 800 × 600 Pixeln ist der Unterschied zur normalen Grafikkarte bereits deutlich zu sehen, bei einer Auflösung von 1280 × 1024 und 16 Bit/Pixel sinkt die Frame-Rate in den einstelligen Bereich – unabhängig vom verwendeten Programm. Dabei liegt die CPU-Last – gemessen auf einem 1,8 GHz schnellen AMD Athlon64 – zwischen 70 und 90 %. Modernere Prozessoren schlagen sich unter Umständen besser. Es erscheint jedoch ausgeschlossen, dass Displaylinks Chip bei maximaler Auflösung (1600 × 1200 über DVI-D) und 32 Bit Farbtiefe auch nur annähernd die für eine flüssige Wiedergabe nötigen 25 Frames/s erreicht.

Laut Displaylink lassen sich über USB bis zu sechs zusätzliche Monitore mit einem Rechner verbinden. Allerdings darf man gemäß Handbuch nur ein Dynadock anschließen. Möglicherweise stammt die Einschränkung von Toshibas Dynadock Utility, mit dem der Nutzer das komplette Gerät per Mausklick abdocken kann. Im Test funktionierte selbst das nicht immer reibungslos. An einem Rechner etwa versuchte das Programm vergeblich, einen Bluetooth-Transceiver abzuschalten, der gar nicht mit dem Dynadock verbunden war, ließ jedoch das Ethernet-Interface des Docks unangetastet.

Für Spiele oder anspruchsvolle 3D-Anwendungen ist das Dynadock weder gedacht noch geeignet. Typische Büroanwendungen hingegen bewältigt das Gerät ohne große Schwierigkeiten. Allein die Versorgung mit Gerätetreibern dürfte besser sein.

Das getestete Dynadock-Modell ist bei Toshiba fĂĽr 169 Euro zu haben, fĂĽr die Variante mit VGA-Anschluss verlangt der Hersteller 149 Euro. (mr) (ll)