Mobiles Kino
Wollen Sie die Filmaufnahmen von Ihrem Urlaub oder den neuesten YouTube-Clip Ihren Arbeitskollegen zeigen? Packen Sie die Videos doch auf Ihr Multimedia-Handy.
Wollen Sie die Filmaufnahmen von Ihrem Urlaub oder den neuesten YouTube-Clip Ihren Arbeitskollegen zeigen? Packen Sie die Videos doch auf Ihr Multimedia-Handy. Um die Konvertierung in ein dem Mobiltelefon genehmes Format kĂĽmmern sich PC-Programme, die man vielfach gratis bekommt.
Fast alle Kamera-Handys nehmen Videoclips auf, verschicken sie als Multimedia-Nachrichten und spielen sie natürlich ab. Da liegt es nahe, auch Videos aus externen Quellen wie dem Internet, TV-Mitschnitte oder sogar Spielfilme auf das Handy zu laden, um sie unterwegs anzuschauen. Im Prinzip lässt sich jedes videofähige Handy sehr einfach als mobiles Minikino einsetzen, in der Praxis schränken jedoch schwachbrüstige Prozessoren den Filmgenuss ein, die man besonders bei älteren Modellen und Prepaid-Handys findet.
Ein maximal 300 KByte großes MMS-Filmchen mit einer Länge von zehn bis fünfzehn Sekunden passt noch in den mit einem bis zwei MByte kleinen Speicher einfacher Prepaid-Handys. Ein fünf Minuten langer YouTube-Clip in akzeptabler Qualität belegt dagegen selbst in der geringsten Auflösung SQCIF (128 × 96 Pixel, siehe Tabelle Videogrößen) mindestens zwei Megabyte. Das Videotelefon sollte daher genug freien Speicherplatz dafür bereitstellen. Will man mehrere Clips auf dem Handy zur Auswahl haben oder längere Sequenzen wie die Folge einer TV-Serie anschauen – für eine brauchbare Qualität in QVGA-Auflösung muss man 60 bis 80 MByte pro Stunde veranschlagen – ist ein Slot für Erweiterungskarten obligatorisch.
Aktuelle Handys und Smartphones stellen nicht nur Speicher und Karten-Slots bereit, sie besitzen auch leistungsfähige Prozessoren und Displays mit meist 240 × 320 Pixeln (QVGA-Auflösung), auf denen das Videoschauen schon Spaß macht.
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Vor allem, wenn das Mobilgerät längere Filme wiedergeben soll, kann das Display nicht groß genug sein. Aktuelle Multimedia-Handys und Smartphones besitzen meist zwei Zoll große QVGA-Anzeigen. Größere Funk-PDAs mit Touchscreen-Bedienung wie das Windows-Mobile-Gerät P6300 von HTC bieten zwar meist auch nur QVGA-Auflösung, aber mit Diagonalen von 2,8 oder 3,5 Zoll mehr Display-Fläche für die Filmwiedergabe. Als Videoplayer sind diese daher besser geeignet [1].
Um die Videos auf das Mobiltelefon zu übertragen, nutzt man ein USB-Kabel oder Bluetooth. Besitzt das Handy einen Slot für Speicherkarten, reicht für den Transfer von Videos ein bis zu 480 MBit/s schneller USB-2.0-Multicard-Reader für rund zehn Euro am PC, der bei der Übertragung großer Dateien im Vergleich zur langsameren USB-Schnittstelle der Mobilgeräte (üblicherweise höchstens 12 MBit/s) oder dem noch behäbigeren Bluetooth zudem deutlich Zeit spart. Die gängigen microSD oder Memory-Stick-micro-Speicherkarten sind mittlerweile preiswert; ein 2-GByte-microSD-Medium – genug für ganze Spielfilme – kostet 26 Euro, eine Memory-Stick-micro-Karte der gleichen Kapazität ist für 35 Euro zu haben.
Code-SchlĂĽssel
Während Videos auf dem PC oder im Internet in den unterschiedlichsten Formaten wie AVI, FLV, MPG oder WMV vorliegen, kennen alle Videotelefone von Haus aus das 3GP-Format, den Standard für Video-MMS. Weiterhin spielen die für die Komprimierung der Audio- und Videodaten zuständigen Codecs eine wichtige Rolle. Beim Handy-Videoformat 3GP kommt der betagte Videocodec H.263 zum Einsatz. Um den Ton kümmert sich der AMR-NB-Codec (Adaptive Multirate Codec – Narrow Band), den alle modernen Handys kennen, da dieser als Sprach-Codec beim Telefonieren verwendet wird.
Die Kauf-Software Pocket Video Maker führt Schritt für Schritt durch den Konvertierungsprozess und gibt einige Einstellungsprofile vor, die jedoch für Erstbenutzer wenig aussagekräftig sind.
Um die Wandlung von Videodateien mit den ĂĽblichen Formaten in das Handy-taugliche 3GP-Format kĂĽmmern sich Konverter-Programme fĂĽr den PC, die es in zahlreichen Varianten gibt: Konverter wie MovieJack 5 und Pocket Video Maker liegen preislich zwischen 20 und 40 Euro. Alternativ kann man auch zu einer der zahlreichen Freeware-Anwendungen greifen, die in puncto Funktionsumfang der Kaufsoftware nicht nachstehen, zum Teil jedoch etwas unĂĽbersichtlicher sind (siehe Tabelle Videokonverter).
Konverter wie 3GP Movies Free sind sehr einfach zu bedienen, bieten aber nicht viele Optionen. Bei anderen wie Super (Simplified Universal Player Encoder & Renderer) oder XMedia Recode lassen sich viele Parameter verändern. Die höhere Flexibilität der Programme geht jedoch meist zu Lasten der Übersichtlichkeit. Immerhin bieten sie voreingestellte Profile für bestimmte Handy-Modelle oder -Baureihen.
Klick und gut
Besonders einfach gelingt die Videokonvertierung ins 3GP-Format mit den Freeware-Programmen von Acala (siehe Tabelle). Außer der Quelldatei gibt man bei 3GP Movies Free nur eine Qualitätsstufe, die Bildgröße und das Ausgangsverzeichnis vor und startet die Konvertierung. Je nach Format, Vorgaben und Rechner dauert die Umwandlung 15 bis 40 Minuten pro Filmstunde. Aktuelle Multimedia-Handys kennen außer dem für Sprache gedachten Audiocodec AMR-NB weitere Codecs wie AAC (Advanced Audio Coding) oder MP3, die eine deutlich bessere Tonqualität liefern, aber auch mehr Speicherplatz benötigen. Wer sich nicht sicher ist, welche Codecs sein Handy beherrscht, konvertiert mit 3GP Movies Free ein kurzes Video mit AAC- oder MP3-Audio-Codec und probiert es einfach aus.
Auf Wunsch teilt das Programm das Video in mehrere Dateien mit einstellbarer Größe – passend zur Speicherkarte – auf. Der 3GP Ripper aus dem gleichen Haus taugt nur zum Konvertieren von DVDs ohne Kopierschutz.
Der Pocket Video Maker von deset für rund 30 Euro führt schrittweise durch den Konvertierungsprozess und bietet Voreinstellungen für verschiedene mobile Endgeräte. Das Programm erlaubt zwar einige Parameter wie die maximale Audio- und Video-Bitrate von Hand zu ändern, gibt sich sonst aber wenig flexibel: So produziert es nur 3GP-Videos mit QCIF-Auflösung (176 × 144). Vor dem ersten Start prüft es, ob gängige Videocodecs wie DivX oder Xvid installiert sind und ruft bei Bedarf die Download-Seiten der Hersteller auf, von denen man die Codecs herunterlädt und installiert. Bei der Konvertierung lässt sich eine Maximalgröße vorgeben, damit das Zielvideo noch in den vorhandenen Speicher passt, eine Aufteilung auf mehrere Dateien fehlt jedoch. Für Windows-Mobile-PDAs stellt der Pocket Video Maker gleich einen passenden Videoplayer bereit, den man via ActiveSync auf dem Mobilgerät einrichten kann.
Nokias PC Suite, die vielen Handys des finnischen Herstellers beiliegt oder von dessen Webseite heruntergeladen werden kann, bietet nicht nur direkten Zugriff auf den Handy-Speicher, sie enthält ebenfalls einen einfachen Videokonverter, der die gängigen Formate AVI, MP4, MPG oder WMV in 3GP umwandelt. Dazu ruft man den in der PC-Suite integrierten Multimedia-Player auf, wählt ein Quellvideo und betätigt den Button "Konvertieren und Speichern" der unteren Bedienleiste. Im Auswahlfenster für den Zielort lässt sich die Videogröße vorgeben.
Für neuere Handys und Smartphones reichen die einfach zu bedienenden Programme aus, deren Ergebnisse etwa auf dem Motorola K1, dem Nokia-Smartphone N70 oder dem Sony Ericsson K800i klaglos abgespielt wurden. Besitzt das Handy ein QVGA-Display, spielt es meist auch Videos in dieser Auflösung ab, für Geräte mit kleinerem Display sollte man mit der Videogröße QCIF vorlieb nehmen, die als Standardgröße für 3GP-Videos gilt. Einige Multimedia-Handys und aktuelle Smartphones wie die Symbian-S60-Geräte von Nokia spielen auch MPEG-4-Filme mit AAC-Ton ab. Auf Videos spezialisierte Modelle wie das Nokia N93 benutzen sogar den hochwertigen H-264/AVC (Advanced Video Coding [2]), welcher etwa beim Handy-Fernsehen DVB-H zum Einsatz kommt. Auf Smartphones und PDAs mit Windows-Mobile-System spielt der Windows Media Player auch das hauseigene Format WMV ab. Will man ein Video auf möglichst vielen Video-Handys zum Laufen bringen, sollte man jedoch beim Standard 3GP bleiben.
Sauger eingebaut
Mit der englischen Freeware Media Converter SA konvertiert man nicht nur recht einfach vorhandene Videos ins Handy-Format 3GP, unter Tools findet sich auch ein Downloader fĂĽr YouTube-Clips und andere Flash-Filmchen.
Manche Konverter bieten zusätzliche Hilfen, um Quellvideos aus dem Internet zu laden. So fehlt beispielsweise bei YouTube eine Option zum direkten Download der Flash-Filmchen. Das Freeware-Tool Media Converter SA konvertiert das Flash-Format FLV nicht nur in 3GP-Filme fürs Handy oder andere Formate, unter dem Menü Tools findet man zudem einen Video-Downloader. Dieser öffnet nach Eingabe eines YouTube-Video-Links eine Webseite, von der man das Video im FLV-Format herunterladen kann. Alternativ gibt es Plug-ins, die eine Video-Download-Funktion in den Webbrowser integrieren.
Danach wandelt der Konverter das Filmchen ins Handy-Format um, wobei sich die Videogröße, die maximale Video- und Audio-Bitrate sowie eine Maximalgröße des Zielvideos vorgeben lassen. Felder für Startzeit und Videolänge erlauben außerdem, einen bestimmten Ausschnitt des Quellvideos zu konvertieren – praktisch, wenn man nur die Lieblingsszene eines Films aufs Handy übertragen möchte.
Experimentierkästen
Neuere Handys sollten keine Probleme bei der Wiedergabe der konvertierten Filme haben. Ältere Video-Handys wie das Nokia 6230i oder das betagte Siemens S65 spielen dagegen nicht jedes beliebige 3GP-Video ab, da sie hohe Auflösungen und Bitraten nicht verarbeiten können. Hier hilft nur, mit den verschiedenen Videoeinstellungen herumzuexperimentieren. Programme wie die Freeware-Konverter Super oder XMedia Recode stellen eine große Auswahl an Optionen zum Ändern der Video- und Audioparameter bereit, was die Bedienung jedoch unübersichtlich macht. Ein guter Ausgangspunkt für eigene Versuche sind die vorgegebenen Geräteprofile. Hat man die richtigen Einstellungen für sein Handy gefunden, lassen sich diese in einem eigenen Profil abspeichern.
Wer sich an schwarzen Balken stört, kann diese mittels der Crop-Funktion von XMedia Recode vor dem Konvertierungsvorgang ausblenden. Die sehr gute Freeware bietet viele Einstellungsoptionen und eine leicht zu bedienende Jobliste für mehrere Videodateien.
Um Videos auf älteren Handys zum Spielen zu bringen, sollte man als Videogröße maximal QCIF wählen; das S65 spielte sogar nur Videos mit SQCIF-Auflösung ab. Die Video-Bitrate begrenzt man zu Anfang auf Werte unter 200 kBit/s und die Framerate auf maximal 15 Bilder pro Sekunde. Spielt das Handy das erzeugte Video ohne Probleme ab, kann man die Parameter vorsichtig erhöhen, um die optimalen Werte zu ermitteln. Fehlt der Ton, kann es daran liegen, dass der Konverter einen anderen als den Audiocodec AMR-NB benutzt hat, den fast alle Handys kennen.
Falls sich das Handy auch nach mehreren Versuchen weigert, die konvertierten Videos wiederzugeben, hilft ein genauerer Blick auf die Handy-eigenen Clips: Nehmen Sie mit der eingebauten Kamera ein kurzes Video auf und übertragen Sie es via Bluetooth, USB-Kabel oder über eine Wechselspeicherkarte auf den PC. Universelle Videoplayer wie der MPlayer, den es auch für Windows gibt, oder der VLC Mediaplayer (siehe 3,4) spielen die 3GP-Handy-Videos nicht nur anstandslos ab, sie geben auch Auskunft über die benutzten Audio- und Videocodecs, die Bitrate und andere Parameter. Diese Daten können Sie dann als Anhaltspunkte für weitere Konvertierungsversuche benutzen.
Einen Kompromiss zwischen einfacher Bedienung und verschiedenen manuellen Einstellungen bietet die Kauf-Software MovieJack Mobile 5 von S.A.D., die Geräteprofile für eine Vielzahl von Video-fähigen Mobilgeräten bereitstellt. Die Profile lassen sich auf Wunsch anpassen, wenn man auf die Zahnrad-Symbole neben den profilspezifischen Vorgaben klickt. Außer Videodateien bietet MovieJack Mobile 5 auch ungeschützte DVDs als Quelle zur Auswahl. Zieldateien begrenzt der Konverter bei Bedarf auf eine voreinstellbare Größe oder teilt sie passend zur Größe der vorhandenen Wechselmedien auf. Mit rund 40 Euro ist das Programm jedoch recht teuer.
Taschen-Video
Multimedia-Handys und Smartphones taugen – genug Speicher vorausgesetzt – gut als mobile Videoplayer. Dank preiswerter und oft sogar kostenfreier Konvertierungsprogramme hält sich der Aufwand, vorhandene Videodateien in ein dem Handy genehmes Format mit guter Qualität umzusetzen, in Grenzen. Nur bei älteren Kamera-Handys muss man Abstriche bei der Framerate und der Videodatenrate machen, was schon mal zu ruckeligen und unscharfen Filmchen führt. Mit etwas Geduld lassen sich aber selbst auf einem betagten Mobiltelefon wie dem Siemens S65 noch ansehnliche Ergebnisse erzielen.
Mittels günstiger Speichermedien mit Kapazitäten von bis zu zwei Gigabyte passen selbst längere Spielfilme aufs Handy. Doch für längere Videos taugen nur Taschenkinos wie Funk-PDAs und Smartphones mit großformatigen Displays, kleine Displays ermüden schnell die Augen.(rop)
Literatur
| [1] Sven Hansen, Daniel LĂĽders, Gut gepresst, Video-Konvertierungssoftware macht Filme fit fĂĽr PDA und Smartphone, c't 15/05, S. 140 |
| [2] Karsten SĂĽhring, Dr. Heiko Schwarz, Dr. Thomas Wiegand, Effizienter kodieren, Details zum kommenden Videostandard H.264/AVC, c't 6/03, S. 266 |
| [3] Mplayer, flexibler Videoplayer für alle gängigen Formate |
| [4] VLC Media Player, Videoplayer mit Streaming-Funktion |
| [5] Nokia PC Suite, PC-Software fĂĽr Nokia-Handys mit Multimedia-Player und -Konverter |
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