Mobiler Alleinunterhalter
Sonys VGN-NW11-Serie bietet gut ausgestattete Multimedia-Notebooks zu akzeptablen Preisen: Viel Speicherplatz und ein einigermaĂźen spieletauglicher Grafikchip sind immer an Bord, ein Blu-ray-Laufwerk auf Wunsch.
Sonys VGN-NW11-Serie bietet gut ausgestattete Multimedia-Notebooks zu akzeptablen Preisen: Viel Speicherplatz und ein einigermaßen spieletauglicher Grafikchip sind immer an Bord – im hier getesteten, 880 Euro teuren Topmodell steckt sogar ein Blu-ray-Laufwerk.
Die Oberseiten von Deckel und Rumpf sind mit fein geprägten Wellenlinien überzogen, die sich auch auf den breiten Stegen zwischen den Tasten fortsetzen – zusammen mit der mattsilbernen Lackierung hat Sonys 15,6-Zoll-Notebook Vaio VGN-NW11 ein ansprechendes Design abseits des verbreiteten Hochglanzplastik-Einerleis. Der Kunststoff des Gehäuses fühlt sich etwas minderwertig an, obwohl es an der Stabilität und der Verarbeitung nichts auszusetzen gibt. Das transparente Touchpad sitzt vertieft in der Handballenablage, seine Grenzen sind dank einer genoppten Oberfläche gut spürbar.
Das NW11 ist eines der ersten Notebooks mit dem Grafikchip AMD Mobility Radeon HD 4570. Seine 3D-Leistung liegt auf dem Niveau älterer Mittelklasse-Chips wie dem Mobility Radeon HD 3650 oder dem GeForce 9600M GS. In vielen 3D-Spielen muss man deshalb die Grafikdetails herunterregeln, um flüssige Bildwiederholraten zu erhalten; für Grafikkracher mit Direct3D-10.1-Effekten ist der Chip generell zu langsam. Alle anderen Anwendungen wie Videoschnitt, Bildbearbeitung oder HD-Videowiedergabe beherrscht er problemlos.
Der 2,1 GHz schnelle Doppelkern Core 2 Duo T6500 basiert wie viele andere Core-2-Prozessoren auf dem mit 45 nm Strukturbreite gefertigten Penryn-Kern. Der L2-Cache wurde hier auf 2 MByte zusammengestrichen und der Frontsidebus auf FSB800 limitiert (die schnellsten Penryns haben 6 MByte Cache und FSB1066), dennoch liefert er ausreichend Rechenleistung.
Ruft man diese ab, so rauscht der Lüfter mit störenden 2,2 Sone; bei geringer Systemlast bleibt das Notebook hingegen fast unhörbar leise. Beim Abspielen von Video-DVDs und Blu-rays wird das Laufwerk mit bis zu 1,8 Sone sehr laut und übertönt leise Filmpassagen. Die Lautsprecher liefern eine alltagstaugliche Lautstärke, klingen aber bassarm.
Die Schnittstellenausstattung lässt kaum Wünsche offen: Monitore finden per VGA oder HDMI Anschluss, externe Festplatten per USB 2.0 oder FireWire. Das schnellere eSATA fehlt, kann aber per ExpressCard/34 nachgerüstet werden. Draft-N-WLAN und Bluetooth sind eingebaut. Der Kartenleser belegt gleich zwei Laufwerksbuchstaben im Explorer, weil er getrennte Slots für Memory Sticks und SD-Karten hat; seine geringen Transferraten bremsen schnelle Flash-Kärtchen aus.
Der Bildschirm unseres Testgeräts war ungleichmäßig ausgeleuchtet: Während die Hintergrundbeleuchtung in der Mitte über 200 cd/m2 schafft, waren in den oberen Ecken kaum mehr als 150 cd/m2 drin – Spiegelungen auf der matten Paneloberfläche fallen hier deshalb noch störender auf. Das Display zeigt kräftige Farben, bleibt aber unterhalb des sRGB-Farbraums. Beim Blick von der Seite lässt die Helligkeit sichtbar nach, die Farben erscheinen verfälscht.
Schnellstart-Linux
Eine Sondertaste oberhalb der Tastatur startet ein auf Splashtop basierendes Mini-Linux. Da Sony dessen Funktion auf einen Web-Browser mit Internetzugang über LAN und WLAN reduziert hat und es nicht wie andere Notebook-Hersteller mit zusätzlichen Multimedia-Funktionen zur Medienwiedergabe vollstopft, ist es tatsächlich eine Schnellstart-Alternative zu Windows, um kurzfristig Informationen abzurufen: In den rund fünf Sekunden, die es zum Starten braucht, ist Vista nicht aus dem Ruhezustand aufgewacht, geschweige denn vollständig gebootet. Der Web-Browser – ein angepasster Firefox – unterstützt Flash und spielt selbst eingebettete HD-Videos ruckelfrei ab. Da man keinen Zugriff auf die Festplatte hat, müssen Downloads allerdings auf einem per USB angebundenen Datenträger gespeichert werden (FireWire und Kartenleser funktionieren nicht). Offensichtlich unterstützt Splashtop die Stromsparfunktionen von Prozessor und Grafikchip nicht, denn nach kurzer Zeit pustet der Lüfter recht warme Abluft mit hörbarem Rauschen aus dem Notebook.
Von den 4 GByte Arbeitsspeicher lassen sich nur rund 3 GByte tatsächlich nutzen, weil Sony eine 32-Bit-Version von Vista Home Premium auf die Platte packt. Wer das Upgrade-Angebot annimmt und in Kürze auf Windows 7 umsteigt, sollte sich deshalb überlegen, statt eines Updates gleich die 64-Bit-Version frisch zu installieren.
Sony reichert die Vorinstallation um Microsoft Works, Intervideo WinDVD BD sowie ein paar kleinere Hilfsprogramme an. Das Adobe-Paket mit Vollversionen von PhotoShop Elements und Premiere Elements, das manch anderen Vaio-Notebooks beiliegt, fehlt allerdings.
Der physische Lieferumfang ist arg mager: Im Karton findet man nur Notebook, Netzteil und die Garantiebestimmungen. Ein ausführliches Handbuch gibt es ausschließlich in digitaler Form auf der Festplatte; für das Brennen der Recovery-Medien benötigt man drei DVD-Rohlinge und eine Stunde Zeit.
Laufzeit
Wenn man den Bildschirm auf 100 cd/m2 abdunkelt, hält der 49-Wh-Akku rund dreieinhalb Stunden durch. Beim Abspielen von Video-DVDs will das NW11 schon nach zwei Stunden wieder ans Stromnetz, bei Blu-ray-Scheiben noch etwas früher. Als Zubehör bietet Sony einen Hochkapazitätsakku (VGN-BPL13) mit 82 Wh an, der die Laufzeit auf bis zu fünfeinhalb Stunden erhöht. Er bockt das Notebook am hinteren Ende um gut einen Zentimeter auf und kostet mit 250 Euro unverhältnismäßig viel.
Die getestete Konfiguration NW11Z/S kostet 880 Euro, sie unterscheidet sich nur hinsichtlich des Blu-ray-Laufwerks von der 100 Euro billigeren Ausstattungsvariante NW11S/S. Letztere soll es in Kürze alternativ als NW11S/T mit braunem statt silbernem Gehäuse geben. Weitere Ausstattungen bietet Sony nicht an, auch fehlen – anders als bei einigen teureren Vaio-Notebooks – individuelle Konfigurationsmöglichkeiten im hauseigenen Web-Shop.
Fazit
Mit Preisen ab 780 Euro ist das NW11 sicherlich kein Schnäppchen, denn andere 15-Zoll-Notebooks bekommt man bereits für die Hälfte. Mit diesen Billigheimern will Sony aber gar nicht mithalten, sondern lieber eine ordentliche Rechenleistung, eine große Schnittstellenauswahl, gute Tastatur, viel Speicherplatz und optional Blu-ray-Videovergnügen zu einem akzeptablen Preis bieten – was bis auf das mittelmäßige Display auch gelingt. (mue)
| Sony Vaio VGN-NW11Z/S | |
| Multimedia-Notebook | |
| Lieferumfang | Windows Vista Home Premium SP1 32 Bit, Intervideo WinDVD BD 8, Roxio Easy Media Creator, Microsoft Works 9, Netzteil |
| Spezifikation | Intel Core 2 Duo T6500, 4 GByte PC2-6400-RAM, 500 GB SATA-II-HDD, BD-ROM & DVD-Brenner, 15,5-Zoll-Display (1366 x 768, spiegelnd), Intel PM45, AMD Mobility Radeon HD 4570, GBit-LAN, WLAN 802.11a/b/g/Draft-N 300, Bluetooth, Modem, Kartenleser (SD/SDHC/MS), Kamera |
| Schnittstellen | VGA, HDMI, USB, FireWire, ExpressCard/34, Kopfhörer, Line-In |
| Gewicht / Größe | 2,6 kg / 36,8 cm x 24,5 cm x 3,5 … 4,3 cm |
| Straßenpreis | 880 € |
(ll)