Diät-Plan
Seit dem Erscheinen von Windows 7 bekommen viele Netbooks dessen Starter-Version statt XP Home mit auf den Weg. Wir haben zwei davon getestet und zeigen, an welchen Stellen Microsoft den Rotstift angesetzt hat.
Seit dem Erscheinen von Windows 7 bekommen viele Netbooks dessen Starter-Version statt XP Home mit auf den Weg. Wir haben zwei davon getestet und zeigen, an welchen Stellen Microsoft den Rotstift angesetzt hat.
Eigentlich wollte Microsoft Windows XP schon Anfang 2007 mit dem Erscheinen von Vista einmotten. Da letzteres aber zu Hardware-hungrig für Netbooks war, bekamen diese dann doch den Betriebssystem-Oldie spendiert – wenngleich mit harten Auflagen: Die Geräte durften nur bis zu 10,2 Zoll Bildschirmdiagonale, maximal 1 GByte Arbeitsspeicher und höchstens 80 GByte (später 160 GByte) Festplattenplatz haben.
Im Gegenzug verkaufte Microsoft die XP-Lizenz zu einem Spottpreis an die PC-Hersteller; in Fachkreisen munkelt man von nur 15 US-Dollar. Die geringen Lizenzkosten trugen einen entscheidenden Teil zu den insgesamt niedrigen Netbook-Preisen bei. Um die Preise halten zu können, brauchen die Notebook-Hersteller auch eine Sparversion des ressourcenschonenderen und somit Netbook-tauglichen Windows 7; Microsoft hat dafür Windows 7 Starter auserkoren.
Einschränkungen
Dieses ist anders als die größeren Geschwister Home Premium, Professional und Ultimate nicht einzeln im Fachhandel erhältlich, sondern steht ausschließlich OEM-Herstellern zur Verfügung – wiederum gegen Auflagen hinsichtlich der Hardware. Im Vergleich zum Netbook-XP hat Microsoft einzig die Festplatten-Beschränkungen fallen gelassen, was die Hardware-Hersteller prompt ausnutzen: Windows-7-Netbooks wie die hier getesteten Asus Eee PC 1005HA-M und Sony Vaio VGN-W12S1E/T bieten 250 GByte Speicherplatz.
Anders als beim Netbook-XP ist der Funktionsumfang der von Windows 7 Starter gegenüber dem „normalen“ Home Premium deutlich kleiner. So fehlen die Unterstützung für Touch- und Tablet-PC-Funktionen, das Notebook-spezifische Mobilitätscenter und das Media Center. Der Media Player ist weiterhin an Bord, spielt aber keine Video-DVDs ab – das spart Lizenzkosten, die Microsoft abtreten müsste. Die schnelle Benutzerumschaltung zum Wechseln zwischen mehreren Nutzerkonten wurde entfernt. Externe Monitore kann man nur exklusiv oder im Klonbetrieb nutzen, nicht aber als erweiterten Desktop zusätzlich zum internen Display. Das Hintergrundbild des Desktops und die System-Sounds lassen sich nicht ändern; die teiltransparente Aero-Oberfläche und das damit verbundene Flip-3D zum schick animierten Wechsel zwischen mehreren Anwendungen bekommt man nicht zu Gesicht. Apropos mehrere Anwendungen: Ursprünglich wollte Microsoft Windows 7 Starter auf maximal drei gleichzeitig laufende Anwendungen limitierten, ließ diese Einschränkung aber nach Protesten während der Beta-Tests wieder fallen.
Trotz dieser langen Liste von Sparmaßnahmen fühlt man sich in der Praxis erstaunlicherweise kaum eingeschränkt. Da Netbooks weder optische Laufwerke noch TV-Tuner besitzen, merkt man das Fehlen der DVD-Wiedergabe und des Media Centers nicht. Für Mehrbenutzer-Systeme reicht die Performance sowieso nicht aus, und wenn man einen großen externen Monitor anschließt, fällt es nicht schwer, auf die paar Zweit-Pixel des 10-Zoll-Bildschirms zu verzichten. Einzig die Tatsache, dass man Desktop und Bedienoberfläche nicht ändern kann, mag manchem bitter aufstoßen, doch um sie führt weder mit Bordmitteln noch mit kostenlosen Hilfsprogrammen ein Weg herum. Kostenpflichtige Programme, die das Windows-Design mit eigenen Themes ersetzen, mögen künftig vielleicht helfen, doch wer bereit ist, Geld für Optik auszugeben, sollte alternativ das 75 Euro teure Anytime Upgrade auf Home Premium in Betracht ziehen – es bringt nicht nur das Aero-Design mit sich, sondern entfernt auch die oben genannten Einschränkungen.
Asus Eee PC 1005HA-M
Asus stattet seinen 350 Euro teuren 10-Zöller Eee PC 1005HA-M mit einem der inzwischen leider auch bei Netbooks seltenen matten Bildschirmen aus. An der maximalen Helligkeit hapert es wie bei vielen anderen Eee PCs allerdings: Die Hintergrundbeleuchtung strahlt nur mit 145 cd/m2, im Akkubetrieb gar nur mit 130 cd/m2 – das reicht im Freien nur zum Betrieb im Schatten.
Die Tastatur hat einen gut spürbaren Druckpunkt und lässt sich dank 17,5 × 16,5 Millimeter großen Tasten auch von Vielschreibern nach kurzer Eingewöhnungszeit flüssig bedienen. Am Layout gibt es bis auf die extrem schmalen Cursor-Tasten für oben und unten, die zusammen nur 16,5 Millimeter hoch sind, nichts auszusetzen. Diese Limitierung ist allerdings besonders nervig, weil die beiden Tasten in Kombination mit Fn-Taste auch für Bild-Auf/-Ab vorgesehen sind – und diese braucht man beim Arbeiten angesichts des nur 600 Zeilen hohen Bildschirms doch häufiger. Auf dem Multitouch-fähigen Touchpad kann man Mehrfingergesten, etwa zum Scrollen, nur bedingt ausführen, weil dessen kleine Sensorfläche lediglich rund 6 cm × 4 cm misst – das Ausführen der von Asus vorgesehenen Drei-Finger-Gesten gelang uns darauf trotz schmaler Testfinger jedenfalls nicht.
Zur Vorinstallation gehört unter anderem das Eee Dock, welches sich am oberen Bildschirmrand einnistet und den Schnellzugriff auf weitere Asus-Progrämmchen erlaubt. Weil das Eee Dock seine Menüs teiltransparent über geöffnete Programme oder den Desktop blendet und diese Rechenaufgabe dem schwachbrüstigen Atom-Prozessor zumutet, fühlt sich Windows recht träge an. Beim Ausführen der von Asus beigelegten Sammlung von Mini-Spielen schlug die ebenfalls vorinstallierte Security Suite von TrendMicro an und fragte, ob man das potenziell gefährliche Programm wirklich ausführen möchte.
Asus bewirbt den Eee PC 1005HA-M mit 750 GByte Speicher, doch die Festplatte fasst nur 250 GByte – der Rest ist Online-Speicherplatz beim hauseigenen WebStorage-Dienstleister. Das Gehäuse ist für ein internes UMTS-Modem vorbereitet, doch alle bei Redaktionsschluss erhältlichen Varianten mit 3G-Funk (die dann 1005H Go heißen) liefen noch unter Windows XP. XP-Konfigurationen ohne UMTS gibt es schon für unter 300 Euro; alle haben die übliche 160-GByte-Platte und einen kleineren Akku, mit dem nur rund sieben statt bis zu zehn Stunden Laufzeit drin sind.
Sony Vaio VGN-W12S1E/T
Das Display von Sonys Vaio VGN-W12S1E/T zeigt die alltagstaugliche Auflösung von 1366 × 768 – das ist die Standardauflösung von 15,6-Zoll-Notebooks. Weil der Bildschirm hier aber nur 10 Zoll in der Diagonale misst, sind die einzelnen Bildpunkte sehr klein (156 dpi). Wem die Darstellung zu fein ist, der kann Windows 7 anweisen, Anwendungsfenster größer darzustellen; anders als bei älteren Windows-Generationen geschieht die Skalierung in brauchbarer Qualität. Das Panel strahlt mit über 200 cd/m2 hell genug für den Betrieb im Freien, dort stören Spiegelungen auf seiner glatten Oberfläche allerdings besonders stark.
Anders als bei den XP-Konfigurationen (W11S1E) liefert Sony alle Windows-7-Modelle des Netbooks (W12S1E) mit einem Hochkapazitätsakku aus. Dieser hält bis zu achteinhalb Stunden durch, bockt das Netbook am hinteren Ende aber zwei Zentimeter auf. Dies sieht nicht nur unschön aus, sondern sorgt auch dafür, dass man grundsätzlich blasse Farben zu Gesicht bekommt, weil sich der Deckel nicht weit genug für einen optimalen Blickwinkel auf das Display öffnen lässt.
Die Tastatur nutzt die Breite des Gehäuses nicht aus; flüssiges Schreiben ist auf den 16,5 × 15,5 Millimeter kleinen Tasten nur mit hoher Konzentration möglich. Die rechte Shift-Taste und die des Cursor-Blocks messen gar nur 11 Millimeter in der Breite.
Sony-typisch hat das W12S1E zwei Speicherkarten-Schächte: Der linke für das hauseigene Memory-Stick-Format nimmt nur die kleine Duo-Variante, nicht aber die kaum breiteren normalen Sticks auf; der rechte für SD-Karten liest solche nicht mit voller Geschwindigkeit ein. Der Lüfter läuft permanent, das leise Rauschen bei geringer Systemlast stört aber nur in ruhigen Umgebungen.
Trotz des relativen hohen Gerätepreises von 480 Euro halten sich die Beigaben in Grenzen: Außer Netbook, Akku und Netzteil findet man nur ein Quick-Start-Faltblatt im Karton; ein ausführliches Handbuch gibt es ausschließlich im PDF-Format auf der Festplatte. Zur Vorinstallation gehört mit Vaio Gate eine konfigurierbare Shortcut-Sammlung am oberen Bildschirmrand, die auch die im Internet Explorer angelegten RSS-Feeds anzeigt.
Fazit
Der Eee PC 1005HA-M ist ein ordentliches 10-Zoll-Netbook mit mattem Display und bis zu zehn Stunden Laufzeit; bei der Vorinstallation hat Asus allerdings gepatzt. Sony lässt sich den Komfort der ungewöhnlich hohen Bildschirmauflösung von 1366 x 768 Punkten mit 480 Euro teuer bezahlen; für Vielschreiber sind die Tasten zu schmal.
Die vielen Einschränkungen von Windows 7 Starter spielen bei Netbooks eine geringere Rolle, als man anhand der langen Liste vermuten könnte. Künftig darf man gespannt sein, ob die Hersteller von Netbooks mit Touchscreen [1] mit eigenen Zusatzprogrammen auf das Fehlen der im Betriebssystem verankerten Touch-Unterstützung reagieren – oder ob solche Geräte, die sowieso zu den „hochpreisigeren“ ihrer Klasse gehören, nicht vielleicht einfach mit Home Premium ausgeliefert werden.
Literatur
- Florian Müssig, Touchbooks, Netbooks mit Touchscreen ab 450 Euro, c’t 22/09, S. 110
| 10-Zoll-Netbooks mit Windows 7 Starter | ||
| Name | Asus Eee PC 1005HA-M | Sony Vaio VGN-W12S1E/T |
| Lieferumfang | Microsoft Works 9, Asus WebStorage 500 GB, Netzteil | InterVideo WinDVD 8, Microsoft Works 9, Netzteil |
| Spezifikation | Intel Atom N270, Intel i945GSE, Intel GMA 950, 1 GByte RAM, 10,1-Zoll-Display (1024 x 600, matt), LAN (10/100 MBit/s), WLAN (802.11a/b/g/Draft-n 300), 250 GByte HDD, Kartenleser, Kamera | Intel Atom N280, Intel i945GSE, Intel GMA 950, 1 GByte RAM, 10-Zoll-Display (1366 x 768, glänzend), LAN (10/100 MBit/s), WLAN (802.11a/b/g/Draft-n 300), 250 GByte HDD, Kartenleser, Kamera |
| Schnittstellen | VGA, USB, LAN | VGA, USB, LAN |
| Straßenpreis | 350 € | 480 € |
(mue)