Netbook-Sonderling

Im 12-Zoll-Netbook Eee PC 1201N von Asus werkelt die Doppelkern-CPU Atom 330, die bislang nur in Nettops zum Einsatz kam; und Nvidias Ion-Chipsatz verspricht HD-Video-Tauglichkeit.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 5 Min.

Asus stattet sein 12-Zoll-Netbook Eee PC 1201N mit ungewöhnlicher Hardware aus: Als Prozessor arbeitet die Doppelkern-CPU Atom 330, die bislang nur in Nettops zum Einsatz kam; und Nvidias Ion-Chipsatz verspricht HD-Video-Tauglichkeit.

Der 330 nimmt eine Ausnahmestellung unter den Atom-Prozessoren ein, denn Intel setzt ihn aus zwei Einzelkern-Atomen zusammen. Da beide HyperThreading beherrschen, meldet sich der Prozessor dem Betriebssystem gegenĂĽber als QuadCore. Die Rechenwerke takten mit 1,6 GHz, weshalb Anwendungen, die nur einen Thread verwenden, exakt genauso langsam abgearbeitet werden wie auf dem weitverbreiteten Atom N270 mit gleicher Frequenz. Multi-Thread-Applikationen laufen zwar etwas schneller, doch von der Rechenleistung eines Core-2-Prozessors ist der Doppelkern-Atom weit entfernt.

Anders als der N270 ist der Atom 330 kein Mobil-, sondern ein Desktop-Prozessor; Intel sieht ihn eigentlich für kompakte Mini-ITX-Boards und Nettops vor. Er verbrät unter Last bis zu 8 Watt (N270: 2,5 Watt) und kann mangels SpeedStep weder Takt noch Versorgungsspannung bei geringer Rechenlast reduzieren – somit arbeitet er auch dann deutlich ineffizienter als die Netbook-Atoms. Auch der Ion-Chipsatz hat einen höheren Stromverbrauch als Intels weitverbreiteter Chipsatz 945GSE, stellt im Gegenzug aber einen HDMI-Ausgang bereit und ist schnell genug für HD-Videos.

Der Lüfter läuft wegen der höheren Leistungsaufnahme permanent und befördert die warme Abluft zwar leise, aber mit hörbarem Sirren aus dem Gehäuse. Im Akkubetrieb schluckt der Eee PC 1201N mit knapp dreizehn Watt doppelt so viel wie Standard-Netbooks; der 58-Wh-Akku hält maximal viereinhalb Stunden durch.

Das 12-Zoll-Display zeigt die praxistaugliche Auflösung von 1366 × 768 Punkten. Seine Hintergrundbeleuchtung überstrahlt mit einer maximalen Helligkeit von 180 cd/m² manche Spiegelungen auf der glatten Paneloberfläche; bei dunklen Bildschirminhalten oder im Freien stören sie dennoch. Käufer des 1201N sollten unbedingt überprüfen, ob ihr Gerät bereits das Mitte Januar veröffentlichte BIOS 0321 nutzt und dieses gegebenenfalls einspielen, denn mit älteren Versionen sind nur bis zu 110 cd/m² möglich. Asus hat das Update jedoch wieder vom den Support-Seiten herunter genommen, da es nicht fehlerfrei lief. Eine aktualisierte Version soll in den nächsten Tagen bereit stehen.

Die Tasten sind mit Abmessungen von 18 Millimetern auf 17,5 Millimetern etwas kleiner als die normaler Desktop-Tastaturen (19-Millimeter-Raster). Nach kurzem Training kann man aber flüssig schreiben; dann hat man sich auch an den geringen Tastenhub gewöhnt.

Trotz 3 GByte Arbeitsspeicher (von denen sich die Chipsatz-Grafik unabänderlich 256 MByte abknapst) und einer flotten 250-GByte-Platte fühlt sich die Vorinstallation von Windows 7 Home Premium recht träge an. Zur Vorinstallation gehört außer einer Vollversion von Microsoft Works 9 auch eine abgespeckte OEM-Variante des Media-Players TotalMedia Theatre 3 von ArcSoft, der HD-Videos bis 1080p abspielt, SD-Videos mittels Ion-Grafikkern durchaus praktikabel nachschärft (SimHD) und beide auch per HDMI ausgibt. Surround-Sound-Formate wie das weitverbreitete Dolby Digital kann die Software nicht dekodieren; klickt man auf den angebotenen Link für kostenpflichtige Upgrades, findet ihr Online-Update keine. Die abzuspielenden Dateien müssen sich zudem auf der Festplatte befinden: Ein optisches Laufwerk fehlt dem Eee PC 1201N; selbst mit einem externen nimmt TotalMedia Theatre weder Blu-ray-Discs noch Video-DVDs an – als HD-Zuspieler für Fernseher taugt das Netbook also nur mit zusätzlicher Hard- und Software.

Deckel und Handballenablage sehen nach gebürstetem Aluminium aus, bestehen aber aus bedrucktem Hochglanzkunststoff; schon bei leichten Kratzern scheint dort das schwarze Grundmaterial durch. Unser Testgerät hatte einige scharfe Stellen an den Kanten des Deckels. Deckel und Unterbau sind trotz ihrer Dünne verwindungssteif.

Der Eee PC 1201N punktet mit guter Tastatur und hellem, wenngleich spiegelndem 12-Zoll-Display mit hoher Auflösung. Die HD-Fähigkeiten des Ion-Chipsatzes lassen sich mit der mitgelieferten Software nicht nutzen, weil diese die üblicherweise eingebetteten Dolby-Digital-Tonspuren nicht wiedergibt.

Der Desktop-Doppelkern Atom 330 liefert einzig in Multithread-Anwendungen etwa 50 Prozent mehr Rechenleistung als die Mobilvariante N270, reicht aber wie diese trotzdem nicht für rechenintensive Aufgaben aus. Zudem beherrscht er keine Stromsparfunktionen, weshalb der Akku nur viereinhalb Stunden durchhält – andere Netbooks dieser Preisklasse schaffen locker das Doppelte.

Asus Eee PC 1201N
Netbook mit Atom 330 und Ion-Chipsatz
Hersteller [Link auf http://www.asus.de]<div>Asus</div>
Lieferumfang Windows 7 Home Premium 32 Bit, Microsoft Works 9, ArcSoft TotalMedia Theatre 3 inkl. SimHD, 500 GByte Eee Storage
Spezifikation Intel Atom 330, Nvidia Ion, 3 GByte RAM, 12,1-Zoll-Display (30,7 cm, 1366 Ă— 768, spiegelnd), WLAN 802.11b/g/n), LAN (10/100 MBit/s), 250 GByte-HDD, Kartenleser (SD)
Schnittstellen HDMI, USB, Kopfhörer
Größe / Gewicht 29,6 cm × 20,7 cm × 2,7 … 3,5 cm / 1,45 kg
Listenpreis 450 €

(mue)