Rund um die Uhr
Mit iSSH lassen sich mit dem iPhone Server fernwarten – und zwar nicht nur wie erwartet per Kommandozeile, sondern auch grafisch mittels VNC- und X11-Fernsteuerung.
Mit iSSH lassen sich mit dem iPhone Server fernwarten – und zwar nicht nur wie erwartet per Kommandozeile, sondern auch grafisch mittels VNC- und X11-Fernsteuerung.
Der SSH-Client iSSH gründet auf dem OpenSource-Programm PuTTY; Zugriff auf die lokale Console des iPhones gewährt es allerdings entsprechend Apples Richtlinien nicht. Nach der Grundkonfiguration, in der man unter anderem den Zielport sowie eine von vier Schriften oder auch den Passwort-Schutz für das Programm einstellen kann, trägt man Gegenstellen in übersichtliche Eingabemasken ein. Rote und grüne Punkte zeigen die aktuell erreichbaren beziehungsweise nicht erreichbaren Gegenstellen an, die Reihenfolge lässt sich ändern. Über eine separate Menüseite kann man auf eine von mehreren offenen SSH-Verbindungen wechseln.
Zur Authentifizierung kann sich iSSH Zugangspasswörter merken oder selbstgenerierte RSA- oder DSA-Schlüssel verwenden; man kriegt sie aber nur per Mail aus dem iPhone heraus. iSSH kann über die Zwischenablage private Schlüssel exportieren und importieren – praktisch, wenn ein Server nur einen öffentlichen Schlüssel akzeptiert, dessen privates Gegenstück auf einem anderen Rechner erzeugt worden ist. Überhaupt macht die Software vorbildlich von der systemweiten Zwischenablage Gebrauch: So kann man Textschnipsel aus anderen Programmen, etwa dem Notizblock, auch in einer SSH-Sitzung verwenden.
Das Programm nutzt sowohl das Hoch- als auch das Querformat des iPhones und die virtuelle Tastatur lässt sich ausblenden. Im Querformat kann man sie durchscheinend schalten und so etwa beim Editieren von Texten Bedienelemente des Editors einblenden, der Transparenzgrad ist einstellbar. Die Meta-Tasten Ctrl, Alt, Esc, Tab und F lassen sich schnell über ein Menü einblenden. So kann man zum Beispiel top starten, um die Server-Last einzusehen, und wie an einem üblichen Terminal per Ctrl-C beenden. Per Fingertipp lässt sich ein Menü für häufig verwendete Kommandos aufrufen. Vorbelegt ist es zudem mit Kommandos für die Cursor-Steuerung, sodass man etwa die History-Funktion einer Shell nutzen kann. Weitere Makros und auch beliebige Tastencodes (etwa F25) lassen sich in beliebiger Zahl im zugehörigen Editor eintragen. Der Editor ist zwar ebenfalls übersichtlich gestaltet, aber die virtuelle Tastatur überdeckt manchmal die unteren Eingabefelder.
Im VNC-Modus stehen zwar ebenfalls eine zuschaltbare virtuelle Tastatur und ein separates Menü mit Pfeil- und Sondertasten zur Verfügung, aber Letzteres lässt sich nicht editieren. Schade, denn die Windows-Taste (in der Mac-Welt die Apfel-Taste) findet sich nicht darunter. Dennoch lassen sich Gegenstellen nach einer Einarbeitungsphase auch grafisch passabel fernsteuern, nicht zuletzt Dank Finger-Zoom und einer ordentlichen Maustasten-Emulation.
Wenn das iPhone nicht im WLAN eingebucht war, baute die Software im Test keine Internet-Verbindung über Mobilfunk auf. Immerhin, nachdem wir diese per Mail oder Safari aufgebaut hatten, nutzte sie iSSH wie erwartet. Wegen des limitierten Multitasking des iPhone OS verliert iSSH geöffnete Verbindungen, sobald es in den Hintergrund wechselt (bei Aktivierung der automatischen Sperre, wenn man Telefonate annimmt oder eingegangene SMSe öffnet). Daher kann iSSH auch prinzipiell keine SSH-Tunnel für andere Anwendungen anbieten – aber immerhin für den eigenen eingebauten VNC-Client, sodass man verschlüsselte VNC-Verbindungen über SSH-Tunnel aufbauen kann.
Gelegentlich schaltet iSSH ungefragt auf die kleinste Schriftgröße zurück. Startet man es im Querformat, bleibt der Menüpunkt zum Ausblenden der Tastatur inaktiv (Abhilfe: vorübergehend auf Hochformat wechseln). Trotz solcher Fehlerchen und obwohl manches noch fehlt, darunter die Agent-Funktion, taugt iSSH durchaus als Fernwartungs-Notnagel.
| iSSH | |
| SSH-Client fĂĽr iPhone | |
| Anbieter | Zinger-Soft |
| Voraussetzungen | iPhone OS 3.0 |
| Preis | 7,99 € |
(dz)