Ausprobiert: Samsungs Netbook mit Chrome OS
Das erste Chromebook ist flach, leicht und leise – macht aber nur Spaß, solange man online ist. Die versprochenen Offline-Versionen seiner wichtigsten Dienste hat Google noch nicht fertiggestellt.
Google und Samsung haben sich viel vorgenommen: Das Chromebook Serie 5 geht voraussichtlich nächste Woche in den Verkauf und soll Nutzer für Cloud Computing begeistern. Das versuchen die beiden Unternehmen ausgerechnet im hart umkämpften Netbook-Markt, der von den günstigen und vielseitigen Windows-Geräten dominiert wird.
Schon unser Test des Prototypen CR-48 im Januar zeigte: Google braucht vermutlich einen sehr langen Atem. Das radikale Cloud-Konzept verlangt den Umstieg von Desktop-Programmen wie MS Office auf Web-Apps – und den Wechsel vom riesigen Datenarchiv auf der eigenen Festplatte zu Online-Speicherdiensten.
In der aktuellen Version bringt Chrome OS zwar einen rudimentären Dateimanager mit, der auf SD-Karten und USB-Sticks zugreift. Doch ein Ersatz für den Windows-Explorer ist er nicht. Er dient in erster Linie dazu, Fotos und Dokumente zu passenden Webdiensten wie Picasa zu übertragen. Man kann Dateien nicht kopieren oder verschieben – auch nicht auf die 16 GByte große interne SSD des Chromebook. NTFS-formatierte Festplatten erkennt Chrome OS nicht.
Chrome OS kommt nur langsam voran
Im Test machte der Umgang mit externen Speichermedien wenig Spaß: Vorschaubilder und Slideshows luden langsam, der Videoplayer streikte bei mehreren MP4-Dateien, die auf diversen Android-Tablets tadellos liefen.
Neben diesen Kinderkrankheiten stört, dass man ohne Internetverbindung immer noch nicht auf Googles Webmail-Dienst, den Kalender und das Office-Programm Text & Tabellen zugreifen kann. Das hätte nach Googles ursprünglichem Zeitplan schon von Frühjahr an klappen sollen.
Chrome-OS-Produktmanager Caesar Sengupta erklärte die Verzögerung mit der zeitraubenden Definition von HTML-5-Standards. Die Web-Apps würden dadurch auch in anderen Browsern wie Firefox offline laufen. Welches Datenvolumen an Mails, Terminen und Dokumenten lokal zwischengespeichert werden soll, sagte Sengupta nicht. Bis Google seine Versprechen einlöst, bleibt es also dabei: Offline kann man mit den Chromebooks wenig anfangen.
Das erste Chromebook ist flach, leicht und leise
Besser sieht es bei der Hardware aus. Samsungs "verchromtes" Netbook ist mit seinem Gewicht von knapp 1,5 Kilogramm, dem flachen Gehäuse, dem kaum hörbaren Lüfter ein angenehmer Begleiter. Es bootet in unter zehn Sekunden und ist in wenigen Minuten komplett eingerichtet.
Danach machen das etwa 280 cd/m2 helle und matte 12,1-Zoll-Display und das riesige Multi-Touchpad Freude. Das Chromebook schmückt sich wie Samsungs Windows-Netbooks mit dem TCO-Label, das zu den anspruchsvollsten Öko-Logos im IT-Bereich zählt.
Wie schon beim CR-48 fehlt ein LAN-Anschluss, sodass man beim 400 Euro teuren Einsteigermodell auf WLAN angewiesen ist. Mit dem 450 Euro teuren UMTS-Modell surft man alternativ auch über Mobilfunknetze. Die Einwahl klappt Google-typisch extrem einfach: SIM-Karte reinschieben, PIN eintippen, fertig. Der Akku dürfte auch beim Video-Streaming mit Zattoo über sechs Stunden durchhalten.
Mit dem abgespeckten Tastaturlayout kommt man auf Anhieb zurecht, allerdings klemmte bei unserem Testgerät gelegentlich die i-Taste leicht – vielleicht eine Ausnahme, die nur unser Exemplar betrifft, vielleicht aber auch ein Hinweis, dass Samsung an der Tastaturqualität gespart hat.
Einen ausführlichen Test von Samsungs Chromebook lesen Sie in Ausgabe 15 der c't, die am 4. Juli erscheint. (cwo)