RoboCup-WM: Sensorgesteuerte Menschen und Dribblings in 2-D
FĂĽr das Ziel, bis 2050 eine Robotor-Mannschaft zum Sieg bei der FuĂźball-Weltmeisterschaft zu fĂĽhren, treten in Eindhoven auch schonmal "ferngesteuerte" Menschen an. Und die ausgereizte 2-D-Simulationsliga weckt immer noch Interesse.
Wer mit Robotern gegen Menschen Fußball spielen und Weltmeister werden will, muss irgendwann raus aus der Halle und auf den Rasen. Geredet wird darüber beim RoboCup schon seit Jahren, doch bislang scheuen die Forscher noch vor dem Schritt zurück. Es müssten schließlich neue Mobilitätssysteme entwickelt werden und gegenüber Wetterschwankungen müssten die Roboter deutlich robuster ausgelegt sein.
(Bild:Â Hans-Arthur Marsiske)
"Menschen können das alles", sagt Hamid Reza Mobalegh vom Team Berlin United – FUmanoids. "Sie laufen problemlos auf Rasen und lassen sich von ein paar Regentropfen nicht stören." Er hat daher die Einrichtung einer neuen Liga vorgeschlagen, bei der Menschen als Sensorträger dienen. Sie haben die Sensoren und Computer, die sonst auf Roboterplattformen montiert sind, am Körper und bekommen von dort die Anweisungen, wie sie sich bewegen sollen.
Bei einer ersten Demonstration der Idee während der gerade laufenden 17. RoboCup-Weltmeisterschaft in Eindhoven beschränkten sich diese Anweisungen noch auf sehr grundlegende Kommandos wie „go forward“ oder „turn left“, die akustisch übermittelt wurden. Das sah in erster Linie lustig aus und der Ball wurde eher zufällig mal berührt. Mobalegh war mit dem Test gleichwohl zufrieden und sieht in der Symbiose von Mensch und Maschine weiterhin großes Potenzial, um dem RoboCup-Ziel, bis zum Jahr 2050 die Fußball-WM zu gewinnen, näher zu kommen.
(Bild:Â Hans-Arthur Marsiske)
Entwicklungspotenzial gibt es aber auch an anderen Stellen, nicht nur in der Halle, sondern sogar im virtuellen Raum. Die 2-D-Simulation, mit der der RoboCup 1997 begonnen hat (zusammen mit der Small und Middle Size League der realen Roboter), gilt vielen Beobachtern schon als weitgehend ausgereizt, zumal es seit 2004 auch einen dreidimensionalen Simulationswettbewerb gibt, in dem mittlerweile elf gegen elf Spieler antreten. Doch es gibt Teams, die auch in der Zweidimensionalität von Jahr zu Jahr noch Möglichkeiten für Verbesserungen entdecken. Und es gibt Wiedereinsteiger: Oliver Obst, der einst den 3-D-Simulator maßgeblich mit entwickelt hat, hat sich nach mehrjähriger Pause wieder in der 2-D-Simulation beteiligt und im vergangenen Jahr auf Anhieb Platz 4 erreicht. Im Interview mit c't erklärt er den Reiz des Kickens in zwei Dimensionen.
(Bild:Â Hans-Arthur Marsiske)
Für einige Teams ist der Wettbewerb allerdings heute schon zu Ende. In der mit 24 Teams voll besetzten Kid Size (30 bis 60 Zentimeter) der Humanoid League werden die ersten Spiele nach dem K.O.-Prinzip durchgeführt. Manchmal entscheidet dabei reines Glück: So musste das Team RoBIU aus Israel, nachdem es gegen die australischen NUbots auch nach Verlängerung und Strafstößen immer noch 1:1 stand, der Entscheidung durch Münzwurf beugen. Sie hätten mit einem Tag mehr Zeit für das Setup gerechnet, sagte Teamleiter Eli Kolberg von der Bar-Ilan University. Es sei sehr schwierig gewesen, das Laufverhalten der Roboter an hier verwendeten Untergrund anzupassen. Auf so eine Weise auszuscheiden sei sehr frustrierend. Sein Team neu zu motivieren, dürfte keine leichte Aufgabe sein. Aber vielleicht beziehen die Teammitglieder aus der unerwarteten Gelegenheit, sich die Spiele anderer Teams und anderer Ligen anzusehen, ja ganz neue Inspirationen, um beim nächsten Turnier groß aufzutrumpfen. Zu wünschen wäre es ihnen. (mho)