Schluss mit den Akku-LĂĽgen!

Wieso schafft es kein Hersteller, reale Akku-Laufzeiten fĂĽr seine Laptops oder Smartphones anzugeben?

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Von
  • Jens Lubbadeh

Wieso schafft es kein Hersteller, reale Akku-Laufzeiten fĂĽr seine Laptops oder Smartphones anzugeben?

Liebe Laptop-Hersteller, liebe Smartphone-Bauer,

wieso könnt ihr eigentlich nicht einfach mal die Wahrheit sagen, wenn es um die wahren Akku-Laufzeiten eurer Geräte geht? Warum muss man euch immer wieder erst der Lüge überführen, so wie jetzt wieder mal beim vermeintlichen "All Day Battery Life"-Macbook Air (13 Zoll), das mit einer Akkuladung zwölf Stunden lang laufen soll, aber natürlich nur bestenfalls elf schafft. Und mal abgesehen davon, dass ein Tag immer noch 24 Stunden hat und nicht zwölf: Für wie blöd haltet ihr uns Konsumenten eigentlich?

Trotz eurer Bemühungen, die absolute Laufzeit des Akkus im Betriebssystem zu verschleiern: Ihr wisst doch, dass es Horden von Testern da draußen gibt, die eure Geräte minutiös testen werden, die euch der Lüge überführen werden.

Mir kommt es schon so vor, als fändet ihr dieses Spielchen schon ganz normal. Erwartet, dass der Kunde weiß, dass er von jedem Akkuwert, den ihr angebt, automatisch mindestens eine, meist aber zwei Stunden abzuziehen hat. Und die Konsumenten haben sich an die ritualisierte Akkulüge offenbar auch schon gewöhnt. Was soll man auch tun? Es gibt ja wirklich keinen einzigen Hersteller, der echte Akkulaufzeiten angibt. Eigentlich könnten und sollten wir uns euch alle mal in einer gigantischen Sammelklage vorknöpfen!

Ja, unter Laborbedingungen mögt ihr eure Laufzeiten ja gerne erreichen. Aber es ist so sinnlos, diese irrealen Maximalwerte als Verkaufsargument zu verwenden. Wir Konsumenten nutzen Laptops und Smartphones nun mal in vivo und nicht in vitro. Es kann nicht so schwer sein, reale Werte zu ermitteln, wirklich nicht. Ihr müsstet es nur wollen. Wie wäre es, wenn ihr vor Markteinführung eure Laptops einfach mal eine Woche lang an einen Testpool von einhundert Nutzern vergebt, möglichst durcheinander gewürfelt, eine Protokollsoftware aufspielt und dann einen realen Mittelwert ermittelt.

Und stellt euch nur mal den psychologischen Effekt vor, wenn Leute völlig aus dem Häuschen sind, wenn sich rumspricht, dass das neue Macbook Air, das neue Galaxy Note 2, das Sony Xperia Z sogar eine Stunde länger schafft als ihr angegeben habt. Schon mal was von viralem Marketing gehört? Stattdessen produziert ihr immer wieder negative virale Blogschlagzeilen enttäuschter Nutzer und verspielt leichtfertig die wertvollste Vorraussetzung für eine dauerhafte Kundenbindung: Vertrauen.

Eigentlich solltet gerade ihr es besser machen als die Automobilindustrie, die ihre Kunden schon lange mit immer dreisteren falschen Verbrauchswerten verarscht. Denn Autokäufer werden immer älter und nutzen den Negativ-Multiplikator-Effekt des Netzes nicht so sehr wie eure technikaffinen, jungen Kunden.

Wenn ihr so weitermacht, wird eure Restlaufzeit womöglich auch immer kürzer.

Herzlichst,

Jens Lubbadeh (jlu)