Mein Wunsch-Tablet
Sharp hat das Tablet meiner Träume vorgestellt: Extrem hochauflösend, sehr reaktionsschnell und groß. Es hat nur zwei Haken. Und davon ist nur einer der Preis.
- Martin Kölling
Sharp hat das Tablet meiner Träume vorgestellt: Extrem hochauflösend, sehr reaktionsschnell und groß. Es hat nur zwei Haken. Und davon ist nur einer der Preis.
Als der japanische Elektronikkonzern Sharp diese Woche sein neuestes Tablet vorstellte, hätte ich mich fast umgehend zum Bodybuilding angemeldet. Der Touchscreen PN-K322B erfüllt viele meiner Träume: Er soll extrem schnell auf einen Stift reagieren, versprach Sharp. Darüber hinaus hat er mit 3840 mal 2160 Pixeln eine superhohe Auflösung (in der Fachsprache 4K genannt, gleich vier mal High Definition TV). Und außerdem ist es das erste Tablet, das ich als ausreichend groß empfinde. Mit einer Bildschirmdiagonalen von 32 Zoll habe ich endlich genug Platz, meine Ideen mit raumgreifenden Pinselstrichen digital zu verewigen.
Nur zwei kleinere Haken habe ich gefunden: Der eine ist der Preis, der andere das Gewicht. Sharp will rund 4000 Euro für das gute Stück haben. Dies erklärt wohl auch den geringen Produktionsplan von 250 Stück pro Monat. Außerdem ist das Gerät mit neun Kilogramm Gewicht für den freihändigen Gebrauch doch etwas schwer. Aber dafür liefert Sharp ja optional Haltersysteme. Sehr aufmerksam.
Der Preis und die Größe zeigen natürlich, dass ich nicht zur Zielgruppe dieses Displays gehöre. Sharp nimmt Geschäftskunden ins Visier. Aber für mich steht die Entwicklung – in Verbindung mit anderen Nachrichten aus der Display-Arena gesehen – für einen wichtigen Trend: Wir nähern uns rasend schnell neuen Stufen der Bildschirm-Entwicklung. Immer größer, immer hochauflösender, immer flacher, immer genauer, immer mehr überall – und vor allem flexibel.
Ok, das mit der Flexibilität ist nicht Sharps Stärke. Mein großer Liebling hat einen Flüssigkristallbildschirm und ist daher steif wie ein englischer Gentleman. Aber Samsung und LG wollen mit einigen Monaten Verspätung nun endlich gebogene Flachfernseher auf den Markt bringen. Es handelt sich um die ersten großen TVs aus organischen Leuchtdioden (OLEDs). OLED-TVs gelten als das nächste große Ding. Denn sie lassen sich sehr dünn und vor allem flexibel fertigen. Wer weiß, vielleicht bringt Samsung dieses Jahr ja endlich ein flexibles oder faltbares Display für Handys auf den Markt, über das in den einschlägigen Foren schon seit Jahren spekuliert wird.
Bei TVs dürfte die Veränderung nicht ganz so schnell sein. Da die OLEDs bisher aufgedampft und noch nicht gedruckt werden, sind die Kosten wegen des niedrigen Produktionstempos und des hohen Ausschusses noch sehr hoch. Die ersten OLED-55-Zöller von LG und Samsung werden wohl jenseits der 10.000 Euro kosten. Aber beim derzeitigen Erneuerungszyklus der Handys und Tablets könnte sich in den Bereichen tragbarer – und im Anschluss daran getragener – Computer einiges tun.
Die ersten "smarten" Armbanduhren wie die von Sony sind die Vorboten eines Trends, der mit zunehmender Auflösung und Flexibilität der Bildschirme in den kommenden Jahren noch sehr stark an Fahrt aufnehmen wird. Ich bin schon gespannt auf die audiovisuellen Dinge, die uns die Konzerne im kommenden Jahr unter den Weihnachtsbaum legen werden. (bsc)