SIGINT: Womit den Journalismus bezahlen?

Wie können in Zukunft Redaktionen ihre Inhalte finanzieren? Dieses Thema war der Auftakt der Konferenz SIGINT des Chaos Computer Clubs, die am Freitag in Köln begonnen hat. An der Werbefinanzierung geht erstmal kein Weg vorbei, erklärten Chefredakteure.

vorlesen Druckansicht 228 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Torsten Kleinz

Zum Auftakt der SIGINT-Kobnferenz des Chaos Computer Clubs (CCC) in Köln zogen Vertreter von deutschen Online-Medien eine erste Bilanz ihres Aufrufs an die Leser, auf Adblocker zu verzichten. Im Mai hatten mehrere Redaktionen einen Appell an die Nutzer von Werbeblockern gerichtet, die Browser-PlugIns für ihre Angebote zu deaktivieren. "Bei technischen Webseiten liegt der Anteil der Verwender eine Adblockers normalerweise bei mehr als 50 Prozent“, sagte Jens Ihlenfeld von Golem.de. Durch die gemeinsame Aktion mit anderen Verlagen und Nachbesserungen im eigenen Angebot habe man den Anteil nun auf zirka 40 Prozent senken können.

Den Vorwurf, durch Werbefinanzierung die redaktionelle Unabhängigkeit zu verlieren, hält Katharina Borchert von Spiegel Online für nicht gerechtfertigt. Es komme häufig vor, dass Inserenten ihre Kampagnen bei anderen Medien schalten, weil die Redaktion vorher kritisch über die Unternehmen berichtet habe. „Das ist das normale Geschäftsrisiko und das möchten wir auch gar nicht anders haben.“ Durch die gemeinsame Aktion sei innerhalb der Verlagsbranche eine Diskussion in Gang gekommen, welche Werbeformen angemessen sind. So gebe es jetzt zum Beispiel Bereitschaft, über den Verzicht auf Third-Party-Cookies zu reden. Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online ergänzte: „Anfragen der Art 'Können wir nicht ein Auto über die Homepage fahren lassen?' sind jetzt erst einmal erledigt“.

Auf die Zahlungsbereitschaft des Publikums zu bauen, erscheint den Verlagsvertretern nicht sehr aussichtsreich. Golem.de will demnächst ein Experiment starten, bei dem zahlende Kunden ein werbefreies Angebot erhalten. Bei einer Umfrage unter 28.000 Nutzern hätten sich immerhin 17 Prozent bereit erklärt, Geld für die bislang kostenfreien Inhalte zu zahlen. Bei einer Umfrage unter Adblocker-Nutzern auf Spiegel Online im vergangenen Jahr hatte sich hingegen nur ein deutlich geringerer Anteil der Befragten bereit erklärt, für eine werbefreie Version des Angebots zu zahlen.

Dem Geschäftsmodell der „Acceptable Ads“ des Werbeblockers Adblock Plus erteilen die Verlagsvertreter jedoch eine Absage. So seien die Bedingungen der Betreiber des Browser-Plugins viel zu restriktiv. "Die geringe Bandbreite von Acceptable Ads mag bei Suchmaschinen funktionieren – ein Publikumsmedium kann man damit aber nicht finanzieren", sagte Borchert gegenüber heise online. Auch Wegner sieht keinen Grund, Adblock Plus am Verlagsgeschäft zu beteiligen: „Wir sind der Meinung, dass wir jetzt schon unser eigenes Acceptable Ads-Programm praktizieren“, sagte der Zeit Online-Chef.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, Adblock Plus habe verschiedenen Verlagen – darunter Spiegel und Zeit – eine Lösung angeboten, bei der AdBlock bei seinen Nutzern "Spenden" sammelt, die dann nach bestimmten Vorgaben an die beteiligten Websites ausgeschüttet werden. Laut einem Bericht des Branchendienstes Horizont gehört Google inzwischen zu den Geldgebern von Adblock Plus. Ein Google-Sprecher wollte den Bericht auf Anfrage von heise online nicht direkt bestätigen, verweist aber auf die FAQ der Adblock-Plus-Betreiber, wonach die Betreuung der Whitelist des Werbeblockers von „größeren Parteien“ bezahlt wird. (axk)