Kontoeröffnung auf dem Grafiktablett
Die Berliner Sparkasse will noch in diesem Jahr ihre 150 Privatkundencenter mit Unterschriftentabletts ausstatten, um die Unterschriften künftiger Konteninhaber digital zu erfassen.
Ab Dezember 2007 sollen alle Privatkunden der Berliner Sparkasse ihre Kontoeröffnungen auf speziell für diesen Zweck entwickelten Signaturtabletts des Herstellers Wacom signieren, die auf derselben Fläche gleichzeitig die Stiftbewegung aufzeichnen und das Geschriebene mit einer Auflösung von 640 × 480 Pixeln darstellen.
Die Bank verspricht sich von dem Umstieg zweierlei Vorteile. Einerseits kann sie die aufwendige Archivierung schriftlicher Belege durch die bequemere Speicherung elektronischer Datensätze ersetzen. Andererseits kommt sie bei der Gelegenheit zugleich in den Besitz elektronischer Unterschriftsdaten, die sich bei späteren elektronischen Tansaktionen, aber auch zur Überprüfung herkömmlicher Unterschriften auf eingereichten und gescannten Überweisungsträgern einsetzen lassen.
Nach dem gleichen Verfahren wie in einem Tablet PC erfassen die Tabletts unter Verwendung spezieller Griffel zeitabhängig deren X- und Y-Position sowie Anpressdruck und Stiftwinkel und halten damit auch das Druckprofil und die Schreibgeschwindigkeit beim Unterzeichnen fest. Die so aufgezeichnete biometrische Unterschrift hat eine Auflösung von bis zu 2.540 Linien pro Zoll und von 200 Messpunkten je Sekunde. Eine Anwendung des Entwicklers Softpro, der Banken auch Programme zur Serienanalyse gescannter Unterschriften anbietet, überprüft die verschiedenen Zeitprofile des Unterzeichnungsprozesses mit denen einer Referenzunterschrift und schließt anhand zahlreicher einstellbarer Merkmalstoleranzen auf die Identität des Schreibers. Im Regelfall wird das signierte Dokument anschließend mittels Document-Lifecycle-Software von Adobe mit dem Unterschriftsdatensatz verknüpft und versiegelt im Dokumenten-Managementsystem der Bank abgelegt.
Weil die Unterschriftentabletts beim Unterschreiben eine einheitliche Schreibunterlage bieten, kann man die Merkmalsfenster für eine akzeptierte Unterschrift enger bemessen als bei konventionell geschriebenen Dokumenten, die einmal mit Federhalter auf dem Schreibtisch, ein andermal aber mit Filzstift auf dem Rücken eines Arbeitskollegen unterschrieben sein könnten. Dadurch und durch die zusätzlich erfassten zeitabhängigen Messgrößen dürften die elektronischen Handschrift-Signaturen erheblich fälschungssicherer sein als ihre Gegenstücke aus Tinte auf Papier. Andererseits ist die Prüfschärfe – also die Vorgabe, wie genau sich der Rechner eine solche Unterschrift "anguckt" – fast beliebig einstellbar und für einen Bankkunden nicht kontrollierbar. Die Bank wird zur Kontrolle nicht unbedingt alle Register ziehen, denn sie will nicht nur die Annahme von Fälschungen, sondern auch die irrtümliche Rückweisung einer echten Unterschrift ausschließen, wenn deren Urheber vielleicht nur gerade einmal zittrige Hände hatte. Eine vollständige Übereinstimmung von Referenz- und Dokumentenunterschrift bis ins letzte Bit wird aber auf jeden Fall Alarm auslösen, denn so genau kann man auch den eigenen "Kaiser Wilhelm" nicht reproduzieren. (hps)