Systemhaus Rednet AG: "HP war uns frĂĽher einfach zu kompliziert"
HP hat erkannt, dass es die Partner braucht, um wieder ganz nach oben zu kommen. Vor allem solche Partner wie das aufstrebende Systemhaus Rednet AG in Mainz. heise-resale-Kolumnist Damian Sicking hat die Firmenchefin Barbara Weitzel getroffen.
Liebe Barbara Weitzel, Vorstand des Systemhauses Rednet in Mainz,
Systemhaus-Chefin Barbara Weitzel
wir haben uns vor kurzem bei einem Pressegespräch von HP kennengelernt. Der frisch gebackene HP-Geschäftsführer Jochen Erlach hatte Sie mitgebracht. Es ging bei diesem Termin um die Beziehung von HP zum Channel, und im Vordergrund stand Erlachs Versprechen, die guten Beziehungen und die gute Zusammenarbeit aus der Vergangenheit, die zwischenzeitlich ins Wanken geraten war, wiederherzustellen. "Der Channel ist in der HP-DNA verankert, und wir wollen in der Zusammenarbeit mit den Partnern wieder dahin, wo wir früher waren“, hatte Erlach betont. Was der HP-Manager sagte, hörte sich alles sehr gut an, und aus Sicht des Channels ist zu hoffen, dass die Umsetzung in die Praxis und den Alltag genauso gut funktioniert wie in der Theorie.
Beeindruckender als die Rede von Herrn Erlach fand ich allerdings Ihre Vorstellung, liebe Frau Weitzel. Sie sind 52 Jahre alt, Mutter zweier sicherlich wohlgeratener Töchter und passionierte Langstreckenläuferin. Außerdem gründeten Sie im Jahr 2004 das Unternehmen Rednet AG in Mainz, dem Sie als Vorstand heute noch immer vorstehen. Vor Ihrem Sprung in die Selbstständigkeit als Unternehmerin waren Sie unter anderem bei IBM sowie dem heute nur noch in unseren Erinnerungen existierenden Systemhaus m+s Elektonik AG tätig. Dort hatten Sie sich als Key Account Manager auf den gesamten Bereich Öffentliche Verwaltung spezialisiert.
Liebe Frau Weitzel, ich kenne Sie zwar nur aus unserer etwa zweistündigen Begegnung in der HP-Niederlassung in Dornach bei München, aber so wie ich Sie erlebt habe und vor dem Hintergrund meiner anschließenden Recherchen bin ich sicher, dass es nicht an Ihnen lag, dass das einstmals so stolze Systemhaus m+s den Bach runter gegangen ist. Das von Ihnen gegründete Unternehmen Rednet beschäftigt momentan knapp 50 Mitarbeiter und soll, so Ihr Plan, in drei Jahren doppelt so viele Angestellte haben. Rednet hat sich – getreu dem Motto "Kernkompetenzen pflegen und ausbauen“ oder "Schuster bleib bei deinen Leisten“ – voll auf das Kundensegment Öffentliche Auftraggeber inklusive Schulen und Universitäten fokussiert. Sie sind hier offenkundig sehr erfolgreich unterwegs, so erfolgreich, dass die Hersteller Ihnen hinterherlaufen. Einer dieser Hersteller: HP.
Mit HP hatten Sie lange nichts am Hut, erzählten Sie, der Hersteller war Ihnen zu kompliziert, nur schwer zu durchschauen, und die Channel-Strategie zu unklar. Doch dann, eines Tages, hatte sich ein HP-Mitarbeiter bei Ihnen gemeldet und Ihnen sozusagen den Hof gemacht. Mit anderen Worten: Er hat sich richtig reingehängt, um Sie als HP-Partner zu gewinnen. Irgendwann haben Sie beschlossen, dass es einen Versuch wert sei und haben die gereichte Hand angenommen. Inzwischen, sagten Sie, klappt die Zusammenarbeit gut und Rednet und HP haben die ersten Projekte im Behördengeschäft gewonnen und sind dabei, sie umzusetzen. Sie fühlen sich mittlerweile von HP oder besser Ihrem HP-Betreuer sehr gut unterstützt und haben gemeinsam einen 3-Jahresplan erstellt.
Vom neuen HP-Geschäftsführer Jochen Erlach erwarten Sie viel und hoffen stark, dass alles, was er sich vorgenommen und versprochen hat, dann auch wirklich so umgesetzt wird. Doch trotz dieser bisherigen guten Erfahrungen mit HP werden Sie auch weiterhin keine One-Vendor-Strategie fahren, sagten Sie. Das wäre auch aus Kundensicht nicht gut.
Liebe Frau Weitzel, ich habe mich sehr gefreut, Sie kennen gelernt zu haben. Ihr Unternehmen ist mit seiner glasklaren Positionierung und den darauf spezialisierten Kompetenzen ein schönes Beispiel für die vielen Sterne, die am deutschen Systemhaushimmel strahlen. Es gibt eben nicht nur Computacenter, Bechtle oder Cancom. Mit dem Behördengeschäft haben Sie auf ein Pferd gesetzt, das sich in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gut entwickelt hat – 30 Prozent des gesamten IT-Umsatzes in Deutschland entfällt auf die Öffentliche Hand – und, ebenfalls enorm wichtig: Die Markteintrittsbarrieren für Systemhäuser, die auch etwas von diesem Kuchen abhaben möchten, sind aufgrund der speziellen Knowhow-Anforderungen hoch.
Also alles richtig gemacht, wie man so schön sagt. Liebe Frau Weitzel, ich finde es klasse, was Sie tun. Deutschland braucht solche Frauen wie Sie, und ich hoffe, dass viele sich an Ihnen ein Vorbild nehmen.
Alles Gute fĂĽr Sie und beste GrĂĽĂźe!
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