Der Start-up-FlĂĽsterer

IT-Investor Paul Graham, Gründer des berühmten US-Inkubators Y Combinator, meint, dass Risikokapitalgeber stärker auf ihre Schützlinge eingehen sollten.

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Von
  • Rachel Metz

IT-Investor Paul Graham, Gründer des berühmten US-Inkubators Y Combinator, meint, dass Risikokapitalgeber stärker auf ihre Schützlinge eingehen sollten.

Dieser Mann ist in Silicon-Valley-Kreisen eine Legende. Paul Graham, Gründer des einflussreichen Start-up-Beschleunigers Y Combinator, trifft auf offene Ohren, wenn er spricht. So war das auch bei einer Veranstaltung in San Francisco Ende Juni, als er anderen Risikokapitalgebern deutlich machte, dass sie Firmengründern gegenüber aufmerksamer sein müssten. "Wer die besten Investitionschancen haben will, muss darauf hören, was Entrepreneuren nicht gefällt."

Graham zufolge gibt es zwei Dinge, die Gründer im Technikbereich aktuell besonders aufregen. Erstens seien das Investoren, die zu lange bräuchten, um sich zu entscheiden, Geld in die Hand zu nehmen. Zweitens forderten viele Venture-Capital-Unternehmen zu große Firmenanteile für das sogenannte Series-A-Investment – jener ersten wichtigen Funding-Runde, die sich üblicherweise an die Frühphasenfinanzierung durch einen Angel-Investor anschließt. Um Entrepreneure davon zu überzeugen, mehr Einfluss abzugeben, werde immer mehr Geld geboten. Graham dagegen fordert: "Macht etwas, das die Gründer auch tatsächlich wollen."

Der Ratschlag spiegelt die großen Veränderungen wieder, die das Start-up-Ökosystem in den letzten Jahren erlebt hat. Dank Cloud Computing und mächtiger Software ist es mittlerweile machbar, eine Technikfirma zu starten, ohne dass viel Geld eingesetzt werden muss. Risikokapitalgeber sind so für viele Gründer weniger wichtig, als früher. Sie brauchen sie nicht mehr nur, um ihre Idee überhaupt umsetzen zu können. Aus diesem Grund ist es für Investoren kaum mehr durchsetzbar, für ihr Geld gleich am Anfang große Firmenanteile zu erhalten. "Heute kämpfen sie um einen 20-Prozent-Anteil, wo sie vor acht Jahren noch 40 Prozent bekommen hätten", sagt Graham.

Der Experte meint, dass die ersten Risikokapitalgeber, die dem Herdentrieb entsagen und ihre Strategie ändern, "enorm davon profitieren" werden. Es müsse möglich sein, eine Series-A-Runde durchzuführen, ohne dass riesige Geschäftsanteile abgegeben werden müssten.

"Was mit dem Risikokapitalgeschäft wird, wenn es so weit kommt, kann ich bislang nicht sagen", meint Graham. "Aber für diese eine Firma, die damit beginnt, wird es gut sein." Der Grund: Mit der Methode locke man die besten Start-ups an, die sich dafür interessierten, mehr Kontrolle über ihr Geschäft zu behalten. "Und in den besten Start-ups ist nun mal das Geld."

In Sachen Geschwindigkeit scheint sich bislang nur wenig zu tun. Mark Suster, Partner bei Upfront Ventures, hält Grahams Tipp, Druck aufzubauen, für fehlerhaft. "Das Problem ist, dass eine schnelle Entscheidungsfindung dazu führt, dass weder der Investor das Start-up kennt noch das Start-up den Investor." (bsc)