Eine Dropbox fĂĽr Apps
Mit der Schnittstelle Datastore nimmt sich der Filesharing-Dienst das mobile Internet vor: Inkompatible Daten-Ökoysteme sollen der Vergangenheit angehören.
- Rachel Metz
Mit der Schnittstelle Datastore nimmt sich der Filesharing-Dienst das mobile Internet vor: Inkompatible Daten-Ökoysteme sollen der Vergangenheit angehören.
Für manche Online-Dienstleistungen ist der Name des Marktführers zum Synonym geworden: Websuche? Google; Auktion? Ebay – und Filesharing? Zunehmend Dropbox. Der Dienst aus Kalifornien ist nicht mehr wegzudenken, wenn es darum geht, Freunden oder Kollegen mal eben unkompliziert Dateien rüberzuschieben. Nun will Dropbox seine Expertise auch ins mobile Internet einbringen.
Dort hat der Siegeszug der Smartphones und Tablet-Rechner hat eine ganz eigene App-Welt hervorgebracht, die die PC-Ära noch nicht kannte. Was die Nutzer freut, ist für Entwickler allerdings harte Arbeit. Denn eine Spiele-App etwa, die auf einem Android-Gerät läuft, sollte im Idealfall auch von iPads oder Linux-Tablets aus zugänglich sein. Da sind „tausend Details“ zu beachten, hat Dropbox-Gründer Drew Houston beobachtet.
Im Steve-Jobs-Gedächtnisoutfit – schwarzes langärmeliges T-Shirt, Jeans und Turnschuhe – hat Houston kürzlich in San Francisco verschiedene Werkzeuge vorgestellt, die das einfacher machen sollen. „Wir würden nicht darüber reden, wenn die App-Entwicklung leicht wäre und alles einfach funktionieren würde“, sagte Houston einem Publikum aus Entwicklern, Medienleuten und IT-Prominenz wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg.
Leichter soll es nun werden mit der neuen Dropbox-Schnittstelle Datastore. Sie soll die Synchronisierung von Apps zwischen Android- und iOS-Geräten ebenso reibungslos machen, wie dies bereits beim Filesharing über verschiedene Betriebssysteme hinweg gelingt. Statt Dateien wie Bildern oder Texten soll die Plattform strukturierte Daten, die innerhalb einer App verändert werden, abgleichen.
Welches Logo auf dem Smartphone prange, sei egal: „Es funktioniert einfach“, so Houston. Dies sei der erste Schritt zu einer ganz neuen Entwicklung von Apps, die eine bruchlose Nutzung über die Grenzen der Smartphone-Welten ermögliche.
Zwar sitzt Dropbox in seinem Metier noch nicht so fest im Sattel wie die Giganten Google, Facebook, Amazon und Ebay. Aber seine Marktpräsenz könnte helfen, dass Houstons Plan aufgeht. Seit dem Start 2008 ist der Dienst rasant gewachsen. Im November 2012 waren 100 Millionen Nutzer erreicht, seitdem sind noch einmal 75 Millionen hinzugekommen. Täglich werden Milliarden Dateien in den Dropboxen von Nutzern geteilt.
Die Präsentation der neuen Dropbox-Plattform verlief aber nicht reibungslos. Ein Live-Demo funktionierte nicht, so dass die Technologie per Video erklärt wurde. Das zeigte eine Zeichen-App, die auf einem Wacom-Tablet und auf einem iPad lief. Jeder Strich auf dem Wacom-Gerät erschien fast ohne Verzug auch auf dem iPad-Bildschirm. Arbeitet man auf beiden Geräten offline weiter, führt das Dropbox-System die Änderungen später automatisch zusammen. Sollte das so funktionieren, wie Houston es verspricht, könnte die Dropbox-Synchronisierung in der Welt der vielen Mobilgeräte nicht nur für Entwickler, sondern auch für Nutzer eine große Sache werden.
(nbo)