Yahoo: Wenn die Stimmung besser als die Lage ist...

Wie wichtig ist ein gutes Betriebsklima für den Erfolg des Unternehmens? Enorm wichtig, meint offenbar Yahoo-Chefin Marissa Mayer, und viele andere Firmenlenker denken ähnlich. Allerdings: Ohne gute Geschäftsergebnisse geht auch der guten Stimmung bald die Lust aus.

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Von
  • Damian Sicking

Liebe Yahoo-Chefin Marissa Mayer,

Yahoo-Chefin Marissa Mayer

(Bild: dpa, Epa/Archiv)

"die Stimmung ist gut, aber die Zahlen lassen zu wünschen übrig.“ Mit diesen Worten "gratulierte“ Ihnen das Handelsblatt in der vergangenen Woche zum Einjährigen als Chefin bei Yahoo. In der Tat ist Ihnen der große Turnaround in geschäftlicher Hinsicht noch nicht gelungen, die Umsatzprognose für das laufende Jahr mussten Sie wieder einkassieren, die Erlöse für das vergangene Quartal lagen sogar unter Vorjahr. Und wie Sie das stagnierende Unternehmen wieder auf Wachstumskurs bringen wollen, ist nur in Ansätzen erkennbar. Aber wenigstens ist die Stimmung in der Belegschaft gut, besser als die Lage jedenfalls.

Gut, es war nicht soooo schwierig, die Laune der Yahoo-Mitarbeiter wieder aufzuhellen. Denn viel schlechter als vor Ihrem Amtsantritt konnte die Stimmung ja gar nicht mehr werden. Wenn es nicht mehr weiter nach unten geht, helfen vielfach schon Kleinigkeiten, um die Mitarbeiter wieder für sich und das Unternehmen zu gewinnen. Im Falle von Yahoo waren es unter anderem kostenloses Mittagessen, kostenlose Smartphones sowie kostenlose Fitness-Armbänder.

Es stellt sich die Frage, wie wichtig eine gute Stimmung in der Belegschaft für den Erfolg des Unternehmens ist. Gibt es hier einen kausalursächlichen Zusammenhang? Also bewirkt oder beeinflusst eine gute Stimmung den Erfolg des Unternehmens, oder ist der Erfolg der Grund für gute Stimmung? Oder gibt es hier überhaupt keinen kausalursächlichen Zusammenhang?

Viele Firmenlenker sind ja der Meinung, dass eine gute Stimmung in der Belegschaft gut und wichtig ist oder wenigstens nicht schaden kann. Gott sei Dank, wie ich finde, denn wer möchte nicht lieber in einem Unternehmen arbeiten, in dem die Menschen fröhlich und gut gelaunt sind als in einem Betrieb, in dem alle die Schultern hängen lassen und zum Lachen in den Keller gehen (sofern es überhaupt einen Keller gibt). Eben. Und weil dies so ist, lassen sich manche Firmen etwas ganz Besonderes einfallen (oder auch etwas ganz besonders Komisches).

So habe ich jetzt erfahren, dass es Unternehmen gibt, die eigens einen "Gute-Laune-“ oder "Feelgood-Manager“ einstellen. Sein Job: Verbesserung der Arbeitsatmosphäre und der Verbundenheit mit dem Unternehmen. Und weil Frauen das anscheinend besonders gut können, wird diese Aufgabe vielfach von Managerinnen übernommen. Das Angebot der Feelgood-Manager reicht vom gemeinsamen Kochen über Sport, eine wöchentliche Rückenschule, Grillabende, Teambuildung-Veranstaltungen oder eine Schnitzeljagd für neue Mitarbeiter bis hin zur Hilfe bei Alltagssorgen wie Wohnungssuche oder dem Bewältigen von bürokratischen Hürden. Mein Kommentar dazu: Tolle Sache, saublöder Titel. Grundsätzlich aber denke ich, dass jeder Vorgesetzte per Arbeitsbeschreibung ein "Feelgood-Manager“ sein sollte; er vor allem ist dafür verantwortlich, dass sich seine Mitarbeiter in der Firma wohlfühlen und morgens gerne in die Firma kommen.

Ganz krass finde ich das, was sich die amerikanische Immobilienfirma Rapid Reality hat einfallen lassen, um die Mitarbeiter stärker an das Unternehmen zu binden und den Firmennamen bekannter zu machen: Das Unternehmen hat eine Aktion gestartet, die unter die Haut geht – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Alle Mitarbeiter, die sich das Firmenlogo als Tattoo stechen lassen, erhalten 15 Prozent mehr Gehalt. Wo und wie groß die Tätowierung ist (ob groß wie ein Segelschiff auf der Brust oder klein wie ein Schmetterling auf der Pobacke), spielt dabei keine Rolle. Kaum zu glauben: Viele Mitarbeiter springen auf die abgefahrene Idee an. Bereits mehr als 40 Angestellte haben sich bereits mit dem Rapid-Realty-Tattoo markieren lassen. Man kann ihnen nur wünschen, dass sie noch möglichst lange in der Firma arbeiten und nicht zur Konkurrenz wechseln (müssen).

Liebe Frau Mayer, mein Fazit: Eine gute Stimmung in der Belegschaft ist gut und ich finde es prima, dass Sie und viele andere Top-Manager sich eine Menge einfallen lassen, um diese zu pflegen oder zu verbessern. Noch besser als ein gutes Klima ist eine gute Stimmung, gepaart mit einer guten Lage – also wenn man so will, eine gute Stimmungslage. Ich drück Ihnen die Daumen, dass Sie das auch noch hinkriegen.

Beste GrĂĽĂźe!

Damian Sicking

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