Der Hände-Drucker
Prothesen sind teure Hightech-Instrumente? Ein SĂĽdafrikaner zeigt, dass es auch anders geht.
- Judith Reker
Der Hände-Drucker Prothesen sind teure Hightech-Instrumente? Ein Südafrikaner zeigt, dass es auch anders geht.
Richard van As erinnert sich nicht genau, wie der Unfall eigentlich passiert ist. Sein erster Gedanke danach hat sich ihm allerdings ins Gedächtnis gebrannt. Der Schreiner hatte am 7. Mai 2011 in seiner Werkstatt an der Kreissäge gestanden, so wie fast jeden Tag, als ihm ein unbeschreiblich starker Schmerz durch den Körper fuhr. „Ich habe meine Hand angeschaut und gedacht: Ach, ist ja gar nicht so schlimm.“ Als Nächstes hob er den Zeigefinger, den Mittelfinger und den kleinen Finger seiner rechten Hand vom Boden auf. Den Ringfinger fand er schließlich im Staubfilter. Derartige Unfälle sind auch so schon ein Unglück, aber für den Rechtshänder van As, der sein Geld mit seinen Händen verdient, war es eine Katastrophe.
Im Krankenhaus hielt es der Schreiner – Igelschnitt, lebhafte stahlblaue Augen – nur wenige Tage aus. Es drängte den Südafrikaner so schnell wie möglich zurück in seine Werkstatt, neben der er mit seiner Frau und zwei Töchtern in einem heruntergekommenen Vorort von Johannesburg wohnt. Dort, auf seinem von zwei Rottweilern scharf bewachten Grundstück mit unzähligen winzigen Wellblechhütten vor dem Tor, hatte Richard van As eine Idee. Wieso nicht die Technik des 3D-Drucks nutzen, um sich ein wirklich sinnvolles Produkt zu bauen? Sicher sind zahlreiche Druckerzeugnisse wie ein „bipolares Vogelhäuschen“ oder diverse Handyhalter unterhaltsam oder sogar schön. Aber sie werfen doch die Frage auf: Braucht man das? Was Richard van As damals aber vor allem brauchte, war ein Ersatz für seine verlorenen Finger.
Gleich nach dem Unfall begann er mit der Entwicklung seiner „Robohand“. Der Grund waren vor allem die Kosten: Amerikanische Prothesen-Firmen nannten ihm Preise zwischen 10000 und 60000 Dollar – zu viel für jemanden, der wie fast alle Südafrikaner keine Krankenversicherung hat und dessen Rücklage schon gleich am ersten Krankenhaustag um mehrere Tausend Euro geschmälert worden war. Für die Robohand hingegen kommen lediglich 400 Euro an Materialkosten zusammen, vorausgesetzt, man ist in der Lage, einen 3D-Drucker zu bedienen und die ausgedruckten Plastikteile nach der mitgelieferten Anleitung selbst zusammenzuschrauben. (vsz)