Schweizer Kartellbehörde leitet Untersuchung gegen Swisscom ein

Die Schweizer Kartellwächter gehen Hinweisen nach, dass der ehemalige Monopolist seine Vormachtstellung im Breitband-Geschäftskundenmarkt missbraucht hat, indem er Konkurrenten durch hohe Vorleistungspreise bei einer Ausschreibung behindert haben soll.

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Von
  • Tom Sperlich

Die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) hat eine Untersuchung gegen das größte Schweizer Telekommunikationsunternehmen Swisscom eingeleitet. Die Schweizer Kartellwächter gehen Hinweisen nach, dass der ehemalige Monopolist seine Vormachtstellung im Breitband-Geschäftskundenmarkt missbraucht hat, teilte die Behörde am Freitag mit. Demnach soll Swisscom Mitbewerber bei einer Ausschreibung behindert haben.

An der Ausschreibung der ebenfalls ehemals staatlichen Schweizerischen Post für die Breitband-Vernetzung sämtlicher Poststandorte hatten sich neben der Swisscom auch zwei Mitbewerber beteiligt. Um die ausgeschriebenen Leistungen zu erfüllen, hätten die zwei Mitbewerber in Form von Vorleistungsprodukten auf die Infrastruktur der Swisscom zurückgreifen müssen. Die Wettbewerbskommission sieht Hinweise darauf, dass Swisscom die Vorleistungspreise zu hoch angesetzt hat, sodass die Mitbewerber kein konkurrenzfähiges Angebot abgeben konnten. Schließlich hat die Swisscom den Zuschlag bekommen.

Auslöser der aktuellen Untersuchung ist eine Anzeige des Mitbewerbers Sunrise aus dem Jahr 2009. Dass die Weko nun erst vier Jahre später handelt, begründet die Behörde mit dem grossen Datenbedürfnis in diesem Fall. Auch habe keine zeitliche Dringlichkeit bestanden, weshalb in der Zwischenzeit zwei andere Untersuchungen im Telekom-Bereich vorgezogen worden seien.

Sunrise begrüßt die Entscheidung der Wettbewerbskommission, nach langen Vorabklärungen eine Untersuchung wegen Verdachts auf Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht einzuleiten. "Dieser Entscheid ist ein Signal für fairen Wettbewerb im Schweizer Telekommunikationsmarkt", teilte das Unternehmen mit. Die Swisscom zeigte sich dagegen "erstaunt" und weist "den Vorwurf zurück, dass Swisscom den Wettbewerb unrechtmässig behindert."

Die Swisscom ist damit einmal mehr ins Visier der Wettbewerbshüter geraten. Neben dem aktuellen Post-Fall läuft auch noch eine Untersuchung hinsichtlich der Live-Übertragungen von Sportveranstaltungen im Pay-TV. Hierbei streitet sich die Swisscom mit drei Kabelnetzbetreibern. Diese Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen, auch wenn die Weko am Donnerstag von "vorsorglichen Maßnahmen" abgesehen hat. (vbr)