4W

Was wirklich wahr war, des letzten Sommerrätsels kurze Antworten

Das wars. Unser kleines Sommerrätsel geht zu Ende, während das Sommerloch voller Themen ist, gewissermaßen ein Loch NSA.

vorlesen Druckansicht 5 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Hal Faber

Das wars. Unser kleines Sommerrätsel geht zu Ende, während das Sommerloch voller Themen ist, eher ein Loch NSA. Statt Sammy, dem medientückischen Kaiman vom Baggersee, planscht Hans-Peter Friedrich im Politbecken und sieht nur Bagatallen. Und gibt es Proteste gegen die Massenüberwachung, so wird die Presse ausgebuht mit der Forderung, die meisten unserer Zunft gehörten hinter Gitter.

Bei so viel differenzierter Meinung fragt man sich, warum Edward Snowden sich an die von der Presse produzierte Öffentlichkeit gewandt hat, als er seine Erkenntnisse über die NSA und andere Schnüffeldienste verbreitete. Schnüffeln und Verschlüsseln gegen das Schnüffeln war auch das Thema des Sommerrätsels letzten Teiles. Von 10 Fragen wurden fünf erraten und zwei in Umrissen angegangen.

Frage 1 fragte nach einem wichtigen BND-Mann, der in Verbündeten ein potenzielles Risiko sah. Gesucht wurde Erich Hüttenhain, der schon unter den Nazi der wichtigste Kryptoanalytiker war und alles andere als ein Mitläufer: Als Erich Hammerschmidt wurde er von der Organisation Gehlen übernommen und arbeitete später beim BND. Sein Satz: "Ein Verbündeter, der keine sicheren Chiffrierungen verwendet, ist ein großes Sicherheitsrisiko."

Frage 2 suchte den Agenten, der in Deutschland den bislang größten Schaden anrichtete. Schnell war Heinz Felfe gefunden, der über 100 CIA-Agenten verriet und mit 15.000 Dokumenten den BND düpierte. Nach seiner Enttarnung dachte man das erste mal daran, den Dienst aufzulösen.

Frage 3 suchte die beiden Ingenieure, die die Telefonverschlüsselung der Amerikaner knackten, Kurt Vetterlein und (eher unbekannt) Alfred Muche. Die Sage, nach der ein Foto des Gerätes den Ingenieuren geholfen hat, hat einen lustigen Kern: Die Reichspost hatte von den Bell Labs einen A3-Verschlüsseler gekauft.

Frage 4 suchte den Präsidenten einer amerikanischen Universität, der die Verschlüsselung von Nachrichten forderte. Die Rede ist von Joseph Lakanal, der als Mitglied des Nationalkonvents in der französischen Revolution den Semaphoren-Telegraphen von Chappe auf seine Tauglichkeit hin untersuchte. Lakanal ist übrigens der Vater des Urheberrechtes in seiner heutigen Form.

Frage 5 suchte Arthur Scherbius, den Erfinder der berühmten Enigma. Scherbius was ausgesprochener Musikliebhaber und Kenner des Werkes von Edward Elgar. Scherbius versuchte sich an der Entschlüsselung von Elgars "Variations on an Original Theme for Orchestra", die bald unter dem Namen Enigma Variations bekannt wurden. Das nicht hörbare Hauptthema, das Elgar in seinen Noten versteckt hat, ist bis heute nicht gefunden bzw. entschlüsselt worden.

Frage 6: zeigt eine Notiz von Alan Turing, wie Scherbius' Enigma entschlüsselt werden kann, indem der Suchraum eingeengt wird. Frage 7 zitierte ein französisches Gesetz aus dem Jahre 1868, das ein wichtiger Ausgangspunkt der Überlegungen von Samuel D. Warren und Louis D. Brandeis war, als sie ihre
Rights of Privacy formulierten.

Frage 8 beschäftigte sich mit dem Roman Catch-22 von Joseph Heller, der in ihm seine Erfahrungen als Bomberpilot verarbeitet. Pilot Yossarian will nach "Section 8" des Armee-Codes den Dienst quittieren, nachdem er den Tod des jungen Soldaten Snowden erleben musste. Schaffen tut es nur der absolute Bruchpilot.Frage 9 zeigte ein Bild von Duncan Campbell, der deutschen Zuhörern auf der Sommerakademie in Kiel Details über das Echelon-System erzählte, an dessen Aufdeckung er maßgeblich beteiligt war.

Julian Assange und sein Wikileaks-Partner, der damals noch Daniel Schmidt hieĂź, auf der HAR 2009.

Frage 10 war doppeldeutig formuliert: Der lässig am Rednerpult stehende Julian Assange auf der HAR 2009 war schnell gefunden, sein Partner am Tisch, der nicht zu sehen ist, hieß damals Daniel Schmidt. Zu sehen sind beide in einer Szene, in der sie den Wikileaks-Aufruf "Most Wanted Leaks 2009" starten. Auf diesen Aufruf hin soll Bradley Manning begonnen haben, die USA belastendes Material in Bagdad zu sammeln. Das behaupten jedenfalls die Ankläger im Militärprozess gegen Manning. Aber das ist eine andere Geschichte – und schon gar keine sommerlich heitere. (axk)