Twitter reagiert auf Nutzerbeschwerden über Drohungen
Auch die Twitter-App für Android sowie die Twitter-Webseite sollen eine Funktion bekommen, über die Nutzer einfach Belästigungen und Drohungen melden können.
Twitter will es seinen Mitgliedern einfacher machen, Belästigungen und Drohungen zu melden. Eine Funktion, die es in der Twitter-App für iPhones gibt, soll nun auch in der Android-Anwendung und auf der Twitter-Webseite eingeführt werden, teilte Twitter mit. Damit reagiert das Unternehmen auf Nutzerbeschwerden in den vergangenen Tagen. Zehntausende Menschen drängten Twitter, stärker gegen Belästigungen und Bedrohungen von Nutzern vorzugehen.
Eine britische Journalistin und Aktivistin hatte von andauernden Drohnachrichten über Twitter berichtet und dem Online-Dienst vorgeworfen, nicht auf ihre Beschwerden reagiert zu haben. Sie habe hunderte Beleidigungen über Twitter erhalten, sagte sie der BBC, darunter Androhungen sexueller Gewalt. Sie habe Anzeige bei der Polizei erstattet. Ein 21-Jähriger wurde im Zusammenhang mit dem Fall in Manchester festgenommen. Der Verdacht gegen ihn laute auf Beleidigung, hieß es. Eine Online-Petition für einen "Missbrauch-melden"-Knopf auf Twitter fand bis Dienstagmittag mehr als 70.000 Unterstützer.
Dass das Problem kein Einzelfall ist, zeigte auch die Cambridge-Professorin Mary Beard. Sie setzte sich gegen einen Online-Rüpel zur Wehr, der sie auf Twitter unter anderem eine "dreckige alte Schlampe" genannt hatte. Beard wies ihre eigenen Leser auf die Mitteilungen hin, die protestierten. Innerhalb von Minuten entschuldigte sich der Urheber, der seinen Fehler einsah.
Mitglieder kritisierten Twitter für eine zögerliche Reaktion: Von offiziellen Twitter-Profilen gab es keine Stellungnahme zu den Forderungen. Die Ankündigung von Twitter, überschrieben mit "Wir hören euch zu", steht auf einem lokalen Firmenblog. Der jüngste Eintrag auf dem Haupt-Blog dreht sich um das britische Königskind.
Twitter erklärte, die Nutzungsregeln verbieten direkte Gewaltdrohungen gegen andere Nutzer. Das Netzwerk könne aufgrund der Masse an Nachrichten nicht alle händisch filtern, habe aber automatische und manuelle Filtersysteme bei Berichten über Regelverstöße. Nutzer könnten dann vom Dienst ausgesperrt werden.
In der Ankündigung bleibt offen, ob die Funktion "Missbrauch melden" für die Programmierer von Twitter-Apps zugänglich sein wird, etwa über automatische Schnittstellen. Viele Nutzer greifen über App anderer Anbieter auf Twitter zu. (anw)