Überteuertes Grusel-Fleisch

Diesen Montag wollen Forscher den ersten Laborfleisch-Burger essen. 250.000 Euro wird er gekostet haben. Dabei geht es auch fast umsonst.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Robert Thielicke

Diesen Montag wollen Forscher den ersten Laborfleisch-Burger essen. 250.000 Euro wird er gekostet haben. Dabei geht es auch fast umsonst.

Diesen Montag will Mark Post von der Universität Maastricht seine erste Portion Laborfleisch auf einer Pressekonferenz in London vorstellen. Und natürlich essen. Das gute Stück entstand komplett im Reagenzglas, als Rohstoff dienten Stammzellen einer Kuh, die das Forscherteam in Muskelfasern verwandelte.

Nach den großen Versprechungen rund um das Potential von Stammzellen und den vielzitierten Hoffnungen für Diabetes-Patienten oder Parkinson-Betroffenen, ist dieses Ergebnis an Ernüchterung kaum zu überbieten: Jetzt essen wir die Heilsbringer. Und wir bereiten daraus nicht einmal ein edles Steak zu, zart wie vom Koberind – sondern das Resteprodukt der Fleischindustrie, die Bulette.

Wem damit gedient ist? Gerne verweisen die Forscher auf die stetig steigenden Fleischkonsum in der Welt. Mit normal gewachsenen Tieren lässt er sich bald nur noch schwer decken. Denn Kühe oder Hühner bewegen sich, pflanzen sich fort, bekommen Krankheiten. Kurz: Sie leben. Und sind damit viel zu ineffizient für die groß angelegte Fleischerzeugung.

Das Labor soll die Lösung sein, 250.000 Dollar die Eintrittskarte kosten. Was dabei vergessen wird: Das Produkt, das dort hergestellt wird, existiert schon längst. Nur will es kaum einer essen. Ein niedriger zweistelliger Prozentanteil des tierischen Eiweißes wird derzeit weggeschmissen, weil es keiner will. Man muss hier nicht ins Detail gehen, um welche Partien des Tieres es sich handelt. Appetitlich wäre die Aufzählung zugegeben nicht, dennoch bestehen die Teile aus hochwertigem Protein. Und statt 250.000 Euro kostet es praktisch nichts. Statt Fleisch auf neue Art herzustellen, sollten wir vielleicht erst einmal die letzten Reste der alten Varianten vertilgen. Insofern: ran an die Buletten. (rot)