Gebrauchte Unterschrift von Also-Chef Möller-Hergt gesucht

Ein amerikanischer Wissenschaftler behauptet, an der Unterschrift könne man erkennen, ob es sich um einen guten oder schlechten Firmenchef handele. Seitdem er dies gelesen hat, sammelt heise-resale-Kolumnist Damian Sicking Autogramme von Top-Managern der IT-Branche.

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Von
  • Damian Sicking

Also-CEO Dr. Gustavo Möller-Hergt

(Bild: Also)

Lieber Also-Chef Prof. Dr. Gustavo Möller-Hergt,

der US-Professor Nick Seybert und zwei seiner Kollegen haben eine interessante These aufgestellt. Sie lautet: Je größer die Unterschrift eines Chefs, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich dahinter eine narzisstische Persönlichkeit verbirgt, die zwar ein hohes Gehalt bezieht, aber gleichzeitig niedrige Renditen erwirtschaftet.

Narzissten sind, so der amerikanische Wissenschaftler in einem Interview mit der Zeitschrift Harvard Business Manager (Juli 2013), "Menschen mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein und dominanter Persönlichkeit". Es sind "Leute, die grandiose Vorstellungen von den eigenen Fähigkeiten haben". Darüber hinaus tendieren sie dazu, "Diskussionen zu dominieren, Kritik zu ignorieren und andere kleinzumachen". Weil Narzissten sich für die großartigsten Menschen unter der Sonne halten, treffen sie gerne Entscheidungen nach eigenem Gusto, die sich aber im Nachhinein oft als falsch und schlecht für das Unternehmen herausstellen. Dafür machen sie dann mit Vorliebe andere verantwortlich. Dann bringt Seybold es auf den Punkt: "Ein Narzisst ist eine schlechte Führungskraft."

Okay, zwei Dinge habe ich so weit verstanden. 1. Narzissten sind schlecht für das Unternehmen, und 2. Narzissten erkennt man unter anderem an der Größe ihrer Unterschrift. Eine gewagte These, wie ich finde, aber Seybold führt einige Belege zur Untermauerung seiner Behauptung an. Er und sein Team haben die Unterschriften von mehr als 600 CEOs aus zehn Jahren analysiert und zu der Unternehmensperformance in Relation gesetzt. Dabei hat er festgestellt…

"…dass Unternehmen, deren Geschäftsbericht eine große CEO-Unterschrift trägt, zwar überdurchschnittlich in neue Anlagen, Forschung und Entwicklung sowie Firmenbeteiligungen investieren, in den folgenden drei bis sechs Jahren im Vergleich zu ihren Wettbewerbern aber eher unterdurchschnittliche Umsätze und Umsatzsteigerungen ausweisen."

Nachdem ich dieses hochinteressante Interview gelesen hatte, wollte ich natürlich sofort die Probe aufs Exempel machen und habe etliche Geschäftsberichte durchsucht. Hier gibt es ja immer den Brief des Vorstands an die Aktionäre, und in der Regel sind diese Brief vom Firmenchef oder sogar von allen Vorstandsmitgliedern unterschrieben.

Unter anderem habe ich mir die Siganturen von Klaus Weinmann und Rudolf Hotter (Cancom) angesehen, von Dr. Thomas Olemotz (Bechtle), von Ulrich Dietz (GFT), von Karl-Heinz Streibich (Software AG), von Frank Gotthard (Compugroup) und von Markus Rockstädt-Mies (Getgoods). Was soll ich sagen? Als Laie fand ich: alles in allem keine besonderen Auffälligkeiten, nur unleserlich waren die meisten.

Besonders gespannt war ich auf Ihre Unterschrift, lieber Herr Dr. Möller-Hergt. Denn so wie ich Sie kennen gelernt habe, hatte ich eine bestimmte Vermutung über die Größe Ihrer Signatur, und diese Arbeitshypothese wollte ich natürlich gerne verifizieren. Doch so viel ich im Internet auch suchte, ich konnte kein Möller-Hergt-Autogramm finden. Nicht einmal das klitzekleinste. Im Geschäftsbericht 2012 nicht und auch nicht im letzten Zwischenbericht. Schade! Jetzt bin ich natürlich erst recht scharf auf ein Autogramm von Ihnen. Aber auf eine alte Unterschrift, eine gebrauchte, eine authentische, also eine Unterschrift auf einem Dokument, einem Brief, oder meinetwegen einer Postkarte, die Sie geleistet haben, bevor Sie von den Forschungsergebnissen des Professors aus Amerika erfahren haben.

So sieht´s aus. Nun möchte ich Sie fragen, ob es wohl machbar wäre, lieber Herr Dr. Möller-Hergt, dass Sie mir so ein Dokument mit Ihrer Original-Unterschrift zukommen lassen könnten. Oder, falls nicht, ob Sie vielleicht jemanden kennen, der über so einen Schatz verfügt, und der mir diesen eventuell zur Verfügung stellen könnte – leihweise natürlich, wenn ich verspreche, damit pfleglich umzugehen und meine Kaffeetasse nicht darauf abzustellen.

Ăśber eine baldige Antwort wĂĽrde ich mich freuen. Bis dahin verbleibe ich

mit besten GrĂĽĂźen

Damian Sicking

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