Eine Stromrechnung fĂĽr jede Lampe

Ein neues Produkt des Elektronikherstellers Belkin soll den Stromverbrauch aller Geräte in einem Haushalt aufschlüsseln - und die Verbraucher zu aktivem Energiesparen bringen.

vorlesen Druckansicht 12 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Rachel Metz

Ein neues Produkt des Elektronikherstellers Belkin soll den Stromverbrauch aller Geräte in einem Haushalt aufschlüsseln - und die Verbraucher zu aktivem Energiesparen bringen.

Wer eine Kreditkarte oder ein Mobiltelefon nutzt, bekommt jeden Monat eine detaillierte Auflistung aller Käufe oder Anrufe. Die Abrechnung des heimischen Stromverbrauchs erfolgt hingegen nur einmal im Jahr. Außer dem Jahresverbrauch enthält sie keine weiteren Informationen. Die Elektronikfirma Belkin will das ändern: Das „Belkin Echo Electricity“ soll künftig im Detail festhalten, wieviel Strom etwa der Fernseher oder die Waschmaschine gezogen hat.

Das kleine Gerät ermittelt die Verbrauchsinformation aus der elektromagnetischen Interferenz – dem so genannten „Rauschen“ eines Stromsignals –, die ein eingeschalteter Stromverbraucher aussendet. Belkin testet es derzeit in einem Feldversuch in einigen ausgewählten Haushalten. Im Laufe des kommenden Jahres sollen die ersten 10.000 Belkin Echo Electricity in Kasernen, Hotels und Wohnungen installiert werden. Im Idealfall bauen Energieversorger die Verbrauchsmesser irgendwann direkt in Stromzähler ein.

Andere Unternehmen versuchen bereits, die Effizienz des heimischen Geräteparks mit Tipps zum Stromsparen zu verbessern oder mit Geräten, die ans Internet angeschlossen sind. Der Ansatz von Belkin geht weiter, weil damit der Verbrauch auf jedes Gerät heruntergebrochen werden könnte.

Die zugrunde liegende Technologie hat Belkin von Zensi, einem 2010 gekauften Start-up, bekommen. Grundlage der Zensi-Technologie war die Doktorarbeit von Sidhant Gupta, damals an der University of Washington, dessen Doktorvater Shwetak Patel das Start-up mitgegrĂĽndet hat.

Die elektromagnetischen Interferenz-„Signaturen“ würden mit einem speziellen Sensor gemessen, sagt Gupta, der inzwischen als Forschungsberater für Belkin arbeitet. Der Echo Electricity wird mit dem Stromzähler verbunden, an dem er die Signaturen aus den Stromleitungen herauslesen kann. Über einen Drahtloschip werden die Messergebnisseauf einen Server hochgeladen, wo sie mit Hilfe von Maschinenlern-Algorithmen analysiert und verschiedenen Geräten zugeordnet werden. Wieviel Prozent des Stroms der Laptop, die Küchenlampe oder die Boxen verbrauchen, kann Gupta auf einer Demo-App auf einem iPad nachschauen.

Kevin Ashton, ehemals CEO von Zensi und jetzt leitender Manager bei Belkin, erwartet, dass die Technologie in zwei Jahren kommerziell einsetzbar ist. Er ist überzeugt davon, dass eine detaillierte Zuordnung des Stromverbrauchs zu verschienen Geräten die Verbraucher zu einem sparsameren Einsatz bewegen wird. „Je sichtbarer wir die Stromverschwendung machen können, desto mehr können wir uns die Abneigung gegen Verschwendung zunutze machen“, sagt Ashton.

Belkin will das Gerät allerdings nicht direkt an Endverbraucher verkaufen, sondern über Energieversorger und Kabelnetzbetreiber in die Haushalte bringen. Die Unternehmen sollen den Verbrauchern dann nach Geräten sortierte Stromrechnungen anbieten.

Das Belkin Echo Electricity könne bereits 90 Prozent der Stromrechnung in Einzelposten aufschlüsseln, so Ashton. Den Verbrauch eines Kühlschranks – auch bei geöffneter Tür – zu ermitteln, funktioniere gut. Nicht ganz so einfach laufe es bei komplexer Elektronik, wie sie in Home-Entertainment-Anlagen verbaut ist.

Hampden Kuhns, Gründer des Konkurrenz-Start-ups Load IQ, sieht die Schwierigkeit für ein Gerät wie das Echo Electricity im Verbrauch von kleinen, weniger alltäglichen Geräten. „Ich bezweifle nicht, dass sie beim Herausrechnen von Stromlasten einen guten Job machen“, sagt Kuhns. „Aber zu sagen, diese Last kommt vom Fernseher und diese von einer Lampe, ist schon eine ziemliche Herausforderung.“

Um die Messergebnisse genauer zuordnen zu können, setzt Belkin auch auf Crowdsourcing: Auf der Datenanalyse-Seite Kaggle hat die Firma einen Wettbewerb gestartet, um die Maschinenlern-Algorithmen zu verbessern. Dem Sieger, der aus den zur Verfügung gestellten Testdaten das beste Ergebnis herausholt, winken 14.000 Dollar.

Gupta und Ashton sind jedenfalls zuversichtlich, dass ihr Konzept aufgehen wird und über kurz oder lang Haushalte mit Hilfe ihres Geräts einen genauen Überblick über ihren Stromverbrauch bekommen. Am Ende soll das Gerät sogar die verschiedenen Hersteller und Modelle eines Geräts erkennen können, hofft Ashton. (nbo)