Web 2.0 Expo: Keine Angst vor Google
Die neuen Initiativen des Suchmaschinen-Primus waren eines der Hauptgesprächsthemen auf der Konferenz in Berlin.
Die Web 2.0 Expo in Berlin kommt in Gang: Die Veranstalter erklärten den etwas holprigen ersten Konferenztag kurzerhand zum zum Tag 0. Mit dem Beginn des normalen Konferenz-Betriebs sind auch einige Kinderkrankheiten beseitigt: Das konferenzeigene soziale Netzwerk füllt sich mit Hunderten von Profilen und die Kaffeeversorung funktioniert reibungslos. Auch die eher informelle Web2Open mit einem freien Vortragsprogramm hat ihre Pforten geöffnet.
Unter den Hauptgesprächsthemen sind die neuen Initiativen von Google: Der Suchmaschinen-Konzern will mit einer Reihe von APIs web-basierte Applikationen für alle sozialen Netzwerke verfügbar machen. Auf der Konferenz übernahm Googles Produktmanager Patrick Chanezon die Vorstellung der OpenSocial-Initiative. Die Technik besteht im wesentlichen aus JavaScript-Anwendungen, die im Browser des Nutzers ausgeführt werden, und korrespondierenden Schnittstellen auf Serverseite.
Chanezon stellte klar, es gehe nicht um Google, sondern um offene Standards. Der Suchmaschinen-Konzern fungiere nicht als Gateway für den Datenverkehr zwischen sozialen Netzen wie Xing oder MySpace. Jede interessierte Firma könne aufgrund von OpenSocial Anwendungen entwickeln. Die Nutzerdaten blieben dabei immer auf der Plattform, auf der die Applikation ausgeführt werde: Wer beispielsweise eine Anwendung auf Xing ausführe, könne nicht gleichzeitig auf seine MySpace-Kontakte zugreifen.
Um die praktischen Möglichkeiten der APIs zu demonstrieren, holte der Google-Manager zwei Kooperationspartner auf die Bühne. So demonstrierte Viadeo, wie Nutzer in Zukunft auf Basis der OpenSocial-Technik eigene Applikationen hinzufügen können – Google-Konkurrent Facebook macht mit einer ähnlichen API bereits seit einem halben Jahr Furore. So ist es bei Viadeo künftig möglich, Hilfegesuche an seine Freunde auf der Plattform zu schicken und gezielt Antworten zu sammeln, auch wenn Viadeo selbst diese Funktion nicht in seine Plattform integriert hat. Viadeo will dabei ein Auge auf die auf der Plattform angebotenen Applikationen halten und schaltet die Programme erst nach einer vorherigen Prüfung frei. Einen anderen Ansatz verfolgt Amiando. Der Planungs-Service will seine auf OpenSocial basierenden Funktionen komplett auf anderen Plattformen verfügbar machen. So sollen in Zukunft sowohl Nutzer von Orkut als auch MySpace ihre Veranstaltungen auf den jeweiligen Plattformen planen können.
Mit-Organisatorin Jennifer Pahlka von CMP Media zeigt sich mit Berlin als Veranstaltungsort zufrieden. "Hätten wir die Konferenz in London gemacht, wäre es eine britische Konferenz geworden. In Berlin ist die Web 2.0 Expo eine europäische Konferenz." Zwei Drittel der Besucher komme nicht aus Deutschland. Weitere Pluspunkte für die deutsche Hauptstadt seien die günstigen Preise und die euphorische Web-Gemeinde in der Hauptstadt. Dass dieser Enthusiasmus nicht immer im Sinne der Veranstalter ist, zeigen zum Beispiel die Blogger der Berlinblase, die Workshops und Interviews online stellen, aber auch nicht mit Kritik an der Veranstaltung sparen. Dass die Konferenz im kommenden Jahr nach Berlin zurückkehren wird, ist unwahrscheinlich. Bei einer spontanen Umfrage im Auditorium stimmten die meisten Teilnehmer für Amsterdam oder Barcelona als Veranstaltungsort. (Torsten Kleinz) / (anw)