Fruchtlos digital

Amazon-Gründer Jeff Bezos kauft die Washington Post. Plötzlich hoffen alle, dass der Journalismus endlich im digitalen Zeitalter ankommt. Dabei ist er schon längst da. Es nutzt ihm in der jetzigen Krise nur nichts.

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Von
  • Robert Thielicke

Amazon-Gründer Jeff Bezos kauft die Washington Post. Plötzlich hoffen alle, dass der Journalismus endlich im digitalen Zeitalter ankommt. Dabei ist er schon längt da. Es nützt ihm in der jetzigen Krise nur nichts.

250 Millionen Dollar hat Bezos für das Traditionsblatt bezahlt, das einst die Watergate-Affäre ins Rollen brachte und US-Präsident Richard Nixon zum Rücktritt zwang. „Die Hightech-Industrie, aus der Bezos stammt, hat sicherlich Ideen für neue Wege, um Nachrichten an den Leser zu bringen“, hofft nun nicht nur die New York Times. Das hat sie unbestritten. Das aber ist nicht das Kernproblem. Die große Frage lautet nicht: Wie bringe ich die Menschen zum Lesen? Sondern: Wie bringe ich sie zum Bezahlen? Es gibt keine Front zwischen Print und Digital, wie immer wieder suggeriert wird. Es gibt eine Front zwischen umsonst und kostenpflichtig.

Und genau das Problem haben auch die Technologieunternehmen wie Google oder andere News-Aggregatoren nicht gelöst. Schauen wir uns zur Verdeutlichung mal nicht Google News an, sondern ausnahmsweise den viel gerühmten Dienst Flipboard. Dabei handelt es sich um eine App, mit der sich jeder seine eigene Zeitung aus Netzinhalten zusammenstellen kann. Betrachten wir uns die Quellen für eine Ausgabe zum Thema „Child Labor“: Artikel eins - das Wirtschaftsmagazin Forbes, Artikel zwei – der TV-Sender Foxnews, Artikel drei - die Nachrichtenagentur Associated Press, Artikel vier - die Tageszeitung LA Times. So geht es bis auf einige Ausnahmen weiter. Die Artikel sind zwar alle umsonst online verfügbar, aber nur, weil ein Verlag Geld hineingesteckt hat, damit Journalisten sie recherchieren und schreiben können. Wenn es gut läuft, haben Werbeanzeigen und eine Bezahlvariante – die Zeitung am Kiosk oder die Paywall auf der Homepage – das Geld zuvor verdient. Läuft es schlecht, steckt der Verlag Geld rein, das er nicht hat. Tut er das irgendwann nicht mehr, gibt es auch keine Artikel mehr. Und damit nichts, was sich digital an den Leser bringen ließe. Auch nicht von Jeff Bezos.

Die eigentliche Schicksalsfrage lautet daher: Wie viele Bezahlinhalte müssen scheitern, bis der Informationsgehalt im Netz so dünn ist, dass sich die Leser daran stören? (rot)