Spielerische Therapie

Jugendlichen mit psychischen Problemen fällt es oft schwer, sich Therapeuten zu öffnen. Ein neues Videospiel, das Forscher aus Großbritannien und Irland entwickelt haben, könnte helfen.

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  • TR Online

Jugendlichen mit psychischen Problemen fällt es oft schwer, sich Therapeuten zu öffnen. Ein neues Videospiel, das Forscher aus Großbritannien und Irland entwickelt haben, könnte helfen.

Verhaltenstherapeutische Behandlungen basieren auf einer gut funktionierenden Kommunikationsbeziehung zwischen Patient und Therapeut. Doch genau die lässt sich insbesondere bei Jugendlichen und Kindern nicht immer leicht herstellen. Junge Menschen mit psychischen Problemen reagieren auf Therapeuten anfangs oft gereizt oder gar nicht. Entsprechend wichtig ist es, solche Blockaden aufzulösen.

David Coyle von der University of Bristol hat mit seinem Kollegen Gavin Doherty vom Trinity College in Dublin deshalb nun ein Computerspiel entworfen, das die Kommunikation zwischen Therapeuten und Patienten im Alter von 10 und 15 Jahren vereinfachen soll.

Das Game mit dem Titel "gNats Island" dreht sich um eine tropische Insel, auf der die Spieler auf eine Gruppe von Wildtierforschern stoßen. Diese Charaktere stellen jeweils verschiedene Konzepte aus der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) vor. "Beispielsweise werden die sogenannten negativen automatischen Gedanken, ein Grundkonzept im Rahmen der KVT, als kleine Geschöpfe präsentiert, die gNats. Diese stechen die Spielfiguren, was ganz praktische negative Gedanken auslöst", erläutern Coyle und Doherty.

Verschiedene Gespräche mit den virtuellen Wildtierforschern zeigen den Spielern, wie sie problematische Gedanken identifizieren und bekämpfen können. Dabei werden unterschiedliche Metaphern wie das Einfangen, Einsperren oder "Wegwischen" der gNats genutzt.

Ein zentraler Aspekt des Spiels ist die Tatsache, dass Therapeut und Jugendlicher zusammen am Computer sitzen. Statt sich jedoch von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten, agiert der Therapeut als Partner des Jugendlichen, während dieser die Insel erforscht.

Das ist ein Ansatz, der ganz anders ist als bei traditionellen Beziehungen zwischen Therapeut und Patient. Laut Coyle und Doherty kommt die Idee aber gut an. Mehr als 750 Therapeuten in Irland, Großbritannien und den USA hätten sich bereits am gNats-Spiel ausbilden lassen. "Therapeuten, die gNats Island mit Jugendlichen einsetzen, empfanden es als sehr positiv, wie das Spiel die Dynamik zwischen Patient und Therapeut positiv beeinflusste."

Beispielsweise können die spielbasierten Gespräche ohne den normalerweise üblichen Augenkontakt stattfinden, der für junge Menschen mit psychischen Problemen oftmals schwierig sein kann. Grundsätzlich verbessere sich so die Verbindung zwischen Patient und Therapeut und das stärke die Therapiebeziehung. Coyle und Doherty arbeiten derzeit an weiteren Softwareprojekten, die die Interaktion zwischen Patient und Therapeut verbessern sollen. ()