Falsch angefasst
Hausbesitzer mit Solaranlage können sich nahezu komplett selbst mit Energie versorgen, wenn sie den Strom vom Dach in Batterien speichern. Doch die große Zeit der Akkus kommt erst, wenn sie auch das Netz stabilisieren können.
- Sascha Rentzing
Hausbesitzer mit Solaranlage können sich nahezu komplett selbst mit Energie versorgen, wenn sie den Strom vom Dach in Batterien speichern. Doch die große Zeit der Akkus kommt erst, wenn sie auch das Netz stabilisieren können.
Immer der gleiche Ärger. Man spart Energie, wo es nur geht, und dennoch wird der Strom mit der nächsten Rechnung wieder teurer. Auch wenn die kostentreibenden Brennstoffpreise derzeit stagnieren, so tun sie es auf hohem Niveau – und werden in absehbarer Zukunft weiter steigen. Zum Glück gibt es einen Ausweg: Solarstrom lässt sich hierzulande derzeit für 15 Cent pro Kilowattstunde erzeugen, Haushaltsstrom aus der Steckdose hingegen kostet nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im Durchschnitt 25 Cent. Was liegt also näher, als sich aus einer eigenen Photovoltaikanlage selbst zu versorgen? Zumal sich die Netzeinspeisung des Solarstroms immer weniger lohnt. Die gesetzlich garantierte Solarvergütung sinkt in Deutschland drastisch – als Renditeobjekt verlieren die Anlagen an Bedeutung.
Allerdings hat der Eigenverbrauch einen Haken: Solarstrom schwankt witterungsbedingt und ist meistens nicht verfügbar, wenn man ihn braucht. Hausbesitzer können daher maximal ein Drittel der produzierten Sonnenenergie selbst nutzen – und bleiben somit auf teuren Netzstrom angewiesen. Zusätzliche Speicher lösen das Problem, indem sie den Eigenverbrauch auf bis zu 70 Prozent steigern. Inzwischen bieten in Deutschland fast 50 Firmen kombinierte Systeme aus Solarmodulen und herkömmlichen Blei- oder modernen Lithium-Ionen-Akkus an.
Die oft nur koffergroßen Geräte nehmen überschüssigen Solarstrom auf und geben die Energie bei Bedarf abends oder am nächsten Morgen wieder ab. Ihre Speicherkapazität liegt für einen Vier-Personen-Haushalt im Durchschnitt bei fünf bis zehn Kilowattstunden. Das reicht in der Regel, um den Strombedarf in den Abendstunden zu decken. Eine integrierte Steuerung entscheidet, wie die Energie am besten zum Einsatz kommt. Also ob direkt Hausgeräte angesteuert, der Akku gefüllt oder ins Netz eingespeist wird. So benötigt der Anlagenbetreiber fast keinen teuren Netzstrom mehr, und es fließt weniger Solarstrom ins Netz – die durch die Photovoltaik ohnehin schon stark strapazierten Leitungen werden geschont.
Die Bundesregierung will die Technik daher fördern. Ab Mai sollen die Käufer neuer Solaranlagen mit Speicher ein zinsgünstiges Darlehen der Staatsbank KfW und einen Zuschuss in Höhe von 30 Prozent der Kosten für den Akku erhalten. Fraglich ist allerdings, ob das reicht, damit sich die teuren Batterien rechnen. Die Firmen setzen bevorzugt moderne Lithium-Ionen-Akkus ein, da sie auf weniger Raum mehr Sonnenstrom speichern können und dank elektrochemisch stabilerer Elektroden eine längere Lebensdauer haben als herkömmliche Bleibatterien. "Bleiakkus büßen bereits nach 3000 vollständigen Lade- und Entladezyklen an Kapazität ein, Lithium-Ionen-Akkus erst nach 7000 Vollzyklen", erklärt die Batterieexpertin Margret Wohlfahrt-Mehrens vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Dafür sei die Lithium-Ionen-Technik allerdings noch mehr als doppelt so teuer.
Doch nicht nur wegen des hohen Preises gibt es Vorbehalte gegen die Solarspeicher. "Sie sind überflüssig, solange sie sich nicht intelligent in die Netze integrieren lassen", kritisiert Felix Matthes, Leiter des Freiburger Öko-Instituts. Bisher können die Verteilnetzbetreiber nicht auf die Batterien zugreifen, um den dort gespeicherten Strom als Reserve zu nutzen. Mit der sogenannten Rundsteuertechnik beispielsweise existiert zwar die nötige Technik, um etwa durch Impulsfolgen in einem bestimmten Frequenzbereich Steuerbefehle über das Stromnetz zu erteilen. Doch die Anbindung an die Batterien fehlt.
Stattdessen haben private Speicher derzeit nur die Aufgabe, den Eigenverbrauch eines Haushalts zu maximieren, was jedoch wenig netzdienlich ist. Forscher des Freiburger Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) ermittelten anhand von Simulationen, dass die meisten Akkus im konventionellen Betrieb bereits vormittags vor der Erzeugungsspitze der Solaranlagen komplett geladen sind – in der kritischen Mittagszeit speisen sie daher unvermindert Sonnenstrom ins Netz. Größere Speicher bieten keinen Ausweg: Abgesehen davon, dass sie noch teurer sind, können sie bis zum Folgetag nicht vollständig entladen werden und dann kaum noch neuen Solarstrom aufnehmen.