Was Samsung und Apple von Hewlett-Packard lernen können

Die meisten Hersteller sträuben sich noch, ihre Rohstoffquellen offenzulegen. Deswegen können Medien und NGOs sie zu unangenehmen Geständnissen zwingen – HP geht intelligenter vor.

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Den besten Begriff für die Auftragsfertigung von Computern erfand die LA Times: Von "Tarnkappenproduktion" ("Stealth Manufacturing") schrieb die Zeitung vor 14 Jahren, als sie auf den damals größten Kontraktfertiger Solectron aufmerksam wurde.

Seit den Foxconn-Skandalen sind die Tage der Tarnkappenproduktion gezählt. Plötzlich interessieren sich NGOs und Medien dafür, wo und wie Computer und Smartphones hergestellt werden. Im Fokus stehen meist Samsung und Apple, die beiden zurzeit erfolgreichsten Hersteller.

Die beiden sträuben sich (wie die meisten anderen Unternehmen auch) noch dagegen, der Öffentlichkeit mitzuteilen, was sie bereits heute über ihre Lieferketten wissen. Sehr schön gesehen hat man das bei der Zinn-Kampagne der Umweltorganisation Friends of the Earth (FoE), der Schwesterorganisation des deutschen BUND.

Zinnmine auf Bangka, Indonesien.

(Bild: M. Kelley)

FoE hat Samsung, Sony, LG und Blackberry mit einer gründlichen Recherche (PDF) dazu gezwungen, zuzugeben, dass sie Zinn verwenden, das auf der indonesischen Insel Bangka unter gefährlichen und umweltschädlichen Bedingungen gefördert wird. Apple druckst noch herum. Da das meiste Zinn aus Bangka kommt und Foxconn laut FoE auch Zinn von dort bezieht, kann man davon ausgehen, dass jeder Hersteller es verwendet.

Die Friends haben allerdings vergessen, Hewlett Packard (HP) lobend zu erwähnen. Der zweitgrößte Computerhersteller der Welt hat schon im Mai – ohne Druck durch eine NGO – eine Liste von 200 Zinn-, Gold-, Tantal- und Wolfram-Raffinerien in seiner Lieferkette veröffentlicht. Es ist meines Wissens die einzige öffentlich zugängliche Raffinerie-Liste. Auf ihr sind auch Zinn-Verarbeiter aus Bangka aufgeführt.

Also: Geheimniskrämerei lohnt sich nicht. Mit genügend Druck können NGOs und Medien die Hersteller ohnehin dazu zwingen, ihre Lieferketten Schritt für Schritt offenzulegen. Das geht dann meistens mit schlechter Presse einher. HPs freiwillige Transparenz-Initiative ist die intelligentere Lösung.

Apple und Samsung verraten bislang nur, wie viele Metallverarbeiter in ihren Lieferketten stecken, aber nicht deren Namen.

Natürlich bleibt auch für HP noch viel zu tun. Zinn, Gold, Tantal und Wolfram sind nur vier von rund dreißig Metallen, die in einem Smartphone stecken. Und natürlich ist Transparenz nur der erste Schritt, im zweiten müssen die Bedingungen in den Minen verbessert werden. Aber: Beim Thema Transparenz können Apple und Samsung von HP noch etwas lernen. (cwo)