Deutschland sucht das Super-Soja

Eigentlich ist es Soja in Deutschland viel zu kalt. Das soll sich ändern. Forscher wollen die perfekte Futterpflanze auch bei uns heimisch machen. Eine Sisyphusarbeit.

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Von
  • Jens Lubbadeh

Sie ist die perfekte Futterpflanze – für Mensch und Tier. Doch Soja ist es in Deutschland eigentlich viel zu kalt. Das soll sich ändern. Forscher wollen die asiatische Bohne auch bei uns heimisch machen. Eine Sisyphusarbeit.

Volker Hahn ist sauer. Er steht an einem Acker im linken unteren Eck Deutschlands, im beschaulichen Ort Eckartsweier. Frankreich ist nur wenige Kilometer entfernt. Lange, wohlgeordnete Bahnen schmaler Plastikplanen ziehen sich dahin. An ihren Seiten sind im Abstand von wenigen Zentimetern kleine Löcher eingestanzt. Es müssen Hunderte sein. Durch jedes der Löcher zwängen sich etwa halbmeterhohe Pflanzen. Oder durch fast jedes – denn einige sind leer. Und das bedeutet: Ein Jahr Arbeit ist futsch.

Hier, in der abgelegenen Forschungsstation der Landeszuchtanstalt der Universität Hohenheim, die aussieht wie ein ehemaliger Bauernhof, findet eine Castingshow der besonderen Art statt: Gesucht wird Deutschlands Top-Sojapflanze. Und Volker Hahn ist die Jury. Der Agrarwissenschaftler will hier in Eckartsweier das perfekte „deutsche“ Soja erschaffen. Jeder dieser Keimlinge könnte es sein. „Das waren die Vögel“, kommentiert Hahn die Lücken und schnauft enttäuscht. Sympathische Augen, Salz-und-Pfeffer-Bart, weiße Stoppelhaare. Dazu Kapuzenpulli und Jeans mit den obligatorischen Erdflecken – eigentlich sieht Hahn nicht so aus, als ob er jemals auf irgend-jemanden wütend sein könnte. Und tatsächlich, so richtig kann er es den Vögeln auch nicht verübeln: „Die haben einfach nichts zu fressen gefunden“, sagt er. „Es war dieses Jahr zu nass und zu kalt“ – das war im Juni, da ließ der heiße Sommer noch auf sich warten.

Soja in Deutschland heimisch zu machen, ist ein ehr-geiziges Ziel. Denn eigentlich ist es der Pflanze aus Asien bei uns viel zu kalt – abgesehen von einigen warmen Flecken entlang der Donau oder des Rheins. Es sind gerade mal 5000 Hektar Fläche, auf denen in Deutschland Soja wächst. Viel zu wenig, denn die Pflanze mit dem 40-prozentigen Eiweißgehalt ist stark gefragt – sowohl von Bioessern als auch von der Futtermittelindustrie. Der Bedarf übersteigt die heimische Produktion um den Faktor 1000. 2011 importierten deutsche Landwirte drei Millionen Tonnen Soja, um damit ihre Tiere zu füttern. Soja ist für die Viehzucht unentbehrlich geworden und steht im Wortsinn hoch im Kurs. Die Weltmarktproduktion hat sich seit 1960 verfünfzehnfacht, sein Marktpreis steigt stetig an. Ein Ende ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Chinas Fleischhunger wächst. Und schon jetzt ist das Land einer der Hauptabnehmer von Soja.

(jlu)