Großbritannien: Biometrische Personalausweise ohne Lesegeräte
Seit November werden in Großbritannien die ersten biometrischen Personalausweise ausgegeben, einen Zeitplan für die Einführung von Lesegeräten gibt es noch nicht.
- Florian Rötzer
Seit über zwei Monaten werden in Großbritannien die ersten biometrischen Personalausweise an im Land lebende Ausländer ausgegeben. Später sollen diese auch alle britischen Bürger erhalten. Allerdings stellte sich nun heraus, dass es offenbar im ganzen Land noch kein einziges Lesegerät für sie gibt.
Nach den biometrischen Reisepässen will die britische Regierung für insgesamt 4,7 Milliarden Pfund auch den biometrischen Personalausweis mit zwei digitalen Finderabdrücken einführen. Neben Namen, Bild, Wohnort, Herkunftsland und Geburtsdatum enthält der Ausweis Informationen über den Aufenthaltsstatus, die Arbeitserlaubnis und das Recht, Sozialhilfe zu bekommen. Bis 2010 sollen bereits 3 Millionen Ausländer die Ausweise erhalten haben, ab 2012 an alle britischen Bürger für einen geschätzten Preis von 30 Pfund ausgegeben werden.
Über eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz bei der zuständigen Behörde, dem Identity and Passport Service (IPS), offenbarte sich nun jedoch, dass man an Lesegeräte für die biometrischen Daten noch nicht wirklich gedacht hat. Das britische Innenministerium musste einräumen, dass es noch nicht einmal einen festen Zeitplan für deren Einführung gibt. Es liege an den Polizeibehörden, wann sie das Geld zur Beschaffung lockermachen, die Grenzkontrollbehörden würden sie nach und nach erhalten.
Der Abgeordnete Chris Grayling, der innenpolitische Sprecher der Opposition, bezeichnete den Plan zur Einführung der biometrischen Personalausweise als Farce: "Welchen Sinn macht es, Milliarden für Ausweise auszugeben, die sich in Großbritannien nicht lesen lassen?" (fr)