Computer erkennt Hufe und Tatzen

Zoologen haben eine Software entwickelt, die anhand von FuĂźabdruckbildern Spezies, Alter und Geschlecht von Tieren ermitteln kann.

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Von
  • Conor Myhrvold

Zoologen haben eine Software entwickelt, die anhand von FuĂźabdruckbildern Spezies, Alter und Geschlecht von Tieren ermitteln kann.

Wenn Zoologen das Wildtierverhalten untersuchen, müssen sie erst einmal herausfinden, wo sich ihre Forschungsobjekte gerade befinden. Dafür gibt es verschiedene Methoden – von Luftbildaufnahmen über Kamerafallen bis hin zu Funkhalsbändern. Für das Auge eines erfahrenen Biologen ist ein gut erhaltener Fußabdruck jedoch deutlich besser. Er kann erstaunlich viele Informationen über ein Tier verraten: nicht nur seine Spezies, sondern auch sein Geschlecht oder sein Alter. Zudem lassen sich einzelne Tiere darüber oft sogar unterscheiden, denn die Tatze oder der Huf ist wie ein Fingerabdruck.

Das funktioniert aber nur, wenn die Erfassung genau genug und vor allem schnell erfolgt. Die Organisation WildTrack, die von der Zoologin und Tierärztin Zoe Jewell und ihrem Mann Sky Alibhai gegründet wurde, hat deshalb eine Bilderkennungssoftware entwickelt, mit der es möglich ist, Fußabdrücke von Wildtieren automatisch zu analysieren. Die WildTrack-Software wird bereits in den unterschiedlichsten Lebensräumen verwendet, darunter Russland (Amur-Tiger), Südafrika (Tapire) und Nunavut (Eisbären).

Jewell und Alibhai nennen ihre Methode, an der sie seit rund zehn Jahren arbeiten, "Footprint Identification Technique", kurz FIT. Professionelle Tracker fotografieren dazu Tierspuren mit einem Messtab als Referenz und markieren die GPS-Koordinaten ihrer Funde. Die Abdrücke werden dann in die Software eingelesen. Sie enthält eine Datenbank mit einer großen Anzahl von Tatzen- und Hufmustern, die von Tieren in Gefangenschaft angefertigt wurden. Algorithmen untersuchen dann, ob es Elemente gibt, die deckungsgleich sind. So lassen sich aus bekannten Bildern Rückschlüsse auf Geschlecht, Alter und weitere Angaben ziehen. Die Idee zu WildTrack hatten die Forscher, als sie Ende der 90er Jahre an schwarzen Nashörnern in Zimbabwe forschten. Die Aufgabe erwies sich zunächst als schwierig, insbesondere bei der Unterscheidung verschiedener Spezies.

Mittlerweile erreicht FIT eine Genauigkeit von immerhin 90 Prozent, was die korrekte Bestimmung von Geschlecht, Alter und Spezies anbetrifft. Die Technik ist kostengünstig, relativ einfach zu verwenden und sorgt dafür, dass Tiere nicht mehr gefangen werden müssen, um ihnen ein Funkhalsband zu verpassen. FIT arbeitet allerdings noch nicht mit allen Spezies und wird bislang als Experimentalversion angeboten. Probleme gibt es beispielsweise bei Zebras, wo die Ähnlichkeit der Hufe die Unterscheidung erschwert. "Bei Gepard oder Löwe, wo es vier Zehen und eine Ferse gibt, ist die Komplexität dagegen groß genug", sagen Jewell und Alibhai. (bsc)