Unauffällige Hirnstrommessung
Neurowissenschaftler haben ein EEG entwickelt, das im Ohr getragen werden kann.
- Aviva Hope Rutkin
Neurowissenschaftler haben ein EEG entwickelt, das im Ohr getragen werden kann.
In der Hirnforschung gilt die Elektroenzephalografie als kostengünstige noninvasive Methode, die elektrische Aktivität im Gehirn zu messen. Das Problem: Die Technik mit ihren in einer Kappe eingebauten Elektroden ist nur stationär verwendbar, obwohl es bei bestimmten Krankheitsbildern und zu wissenschaftlichen Zwecken sinnvoll wäre, die Hirnstromwerte über einen längeren Zeitraum im Alltag zu erfassen.
Ingenieure am Imperial College in London haben deshalb nun ein EEG entwickelt, das wie ein Hörgerät im Inneren des Ohres getragen wird. Das Gerät soll in der Lage sein, Hirnströme mehrere Tage am Stück aufzuzeichnen. Dies würde Ärzten helfen, Patienten zu beobachten, die unter regelmäßig wiederkehrenden Problemen wie Krampfanfällen oder Mikroschlaf leiden.
"Am idealsten wäre es, ein sehr stabiles Sensorsystem zu haben, das Messungen erlaubt, die sich verlässlich wiederholen lassen", erläutert Danilo Mandic, einer der Leiter der Studie. Das von ihm entwickelte Gerät störe den Träger auch nicht, weil es Durchlässe für den Schall gibt. "Nach einer Weile vergisst man einfach, dass man ein EEG trägt."
Durch das Einführen des EEG ins Innere des Ohres vermeiden die Ingenieure Störungen, die sonst durch Körperbewegungen auftreten würden. Das Signal ist also stets qualitativ hochwertig. Wichtig ist auch, dass sich so sicherstellen lässt, dass die Elektrode an genau einem Punkt verbleibt, was Messungen über mehrere Sitzungen vergleichbar macht.
Da das Gerät im Ohr sitzt, kann es allerdings nur direkte Werte aus dem Temporallappen des Gehirns aufzeichnen. Das reduziert den möglichen Nutzungsbereich – die zu untersuchenden Störungen müssen also genau hier oder in der Nähe auftreten. Tzzy-Ping Jung, Kodirektor am Center for Advanced Neurological Engineering der University of California in San Diego meint, dass diese Einschränkung aber nicht bedeute, dass das Gerät wertlos sei. "Verschiedene Anwendungen bedingen verschiedene Geräte. Die Idee ist grundsätzlich hervorragend und vielversprechend." (bsc)