Weiter Hickhack um Digital-TV-Umstieg in den USA

Nachdem die Demokraten eine Verlängerung der Frist zur Umstellung des terrestrischen Fernsehens von Analog- auf Digitaltechnik durchgedrückt haben, stellen sich nun viele TV-Sender quer: Sie wollen am 17. Februar den harten Umstieg vollziehen.

vorlesen Druckansicht 65 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Fast 700 der 1800 lokalen TV-Sender in den USA wollen bis zum 17. Februar die analoge terrestrische Ausstrahlung ihrer Programme einstellen, obwohl das Repräsentantenhaus die Frist für den Umstieg auf digitale Verbreitung vergangene Woche bis zum 12. Juni verlängert hatte. Entsprechende Anträge haben die Sender bei der Regulierungsbehörde FCC eingereicht, die nun jeden Einzelfall unter höchstem Zeitdruck prüfen muss.

Die Sender könnten ihre seit Jahren feststehenden Umstiegspläne aus organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen nicht kurzfristig über den Haufen werfen, schreibt der US-Branchendienst Broadcasting&Cable. Der Wechsel bis zum 17. Februar 2009 war den Sendern bereits im Dezember 2005 per Gesetz aufgetragen worden. Die Fristverlängerung hatte die Demokratische Partei durch Senat und Repräsentantenhaus gebracht, um bedürftigen Familien mehr Zeit für den Kauf eines Digitalempfängers zu geben. Marktforscher von Nielsen schätzten Ende Januar, dass 6,5 Millionen Haushalte noch keinen Digitalempfänger besitzen.

Die Aufsichtsbehörde FCC muss nun dafür sorgen, dass in jedem der über 200 lokalen Sendegebiete mindestens ein analoges Programm bis Juni weiterbetrieben wird. In möglichst wenigen Häusern soll der Bildschirm schwarz bleiben: Die Sender haben unter anderem die Aufgabe, ihre Zuschauer vor Naturkatastrophen zu warnen.

Sender, die kommenden Dienstag umsteigen wollen, müssen bereits seit heute Nacht im 5-Minuten-Abstand entsprechende Laufbänder ausstrahlen. Da die FCC die Anträge noch prüft, dürften einige dieser Hinweise ins Leere laufen und die Zuschauer zusätzlich verwirren.

Die deutschen Fernsehsender haben den Umstieg vom analogen auf das digitale Antennenfernsehen (DVB-T) seit Dezember letzten Jahres vollzogen. Noch völlig unklar ist, wann das analoge Kabelfernsehen abgeschaltet wird. Einen bundesweit einheitlichen finalen Umstiegstermin wie bei den amerikanischen terrestrischen Sendern wird es jedenfalls nicht geben: Um möglichst wenige Zuschauer zu verprellen, dürften die Kabelnetzbetreiber die analogen Kanäle über Jahre abschmelzen und räumliche "Umstiegsinseln" bilden. (cwo)