IFA

Bitkom sieht Ultra HD und "Wearables" vor dem Durchbruch

Bis 2016 werden TV-Auflösungsgrößen von 4 und 8K im Massenmarkt ankommen, prognostizieren der IT-Verband Bitkom und die Unternehmensberatung Deloitte in der Untersuchung "Consumer Electronics 2014".

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Bis 2016 wird Ultra HD im Massenmarkt ankommen, prognostizieren der IT-Verband Bitkom und die Unternehmensberatung Deloitte in der Studie "Consumer Electronics 2013/2014". Bei den TV-Auflösungsgrößen von 4KI und 8K werde es "viel zügiger gehen, als wir es bei HD gesehen haben", erklärte Deloitte-Medienexperte Klaus Böhm am Mittwoch anlässlich der anstehenden IFA in Berlin. Bis 2016 würden weltweit schätzungsweise 13,7 Millionen Ultra-HD-Endgeräte verkauft, wobei der Anteil aber noch bei unter 5 Prozent der gesamten TV-Hardware liege.

Ultra HD werde durch Faktoren wie der Bildschirmgröße "jenseits von 50 Zoll" oder den Hardwarepreisen getrieben, heißt es in der Studie. Erste "Billiggeräte" seien bereits "knapp über 1000 Euro" zu bekommen. "Die Preise fallen zügig", glaubt Böhm. Seit dem Erfolg von HDTV seien die Konsumenten eher bereit, für höhere TV-Auflösungsstufen zu zahlen. Michael Schidlack, Bitkom-Experte für Unterhaltungselektronik, glaubt hingegen, dass "Ultra HD den Durchschnittspreis erst einmal nachhaltig anheben wird".

Prognose der weltweit verkauften Ultra-HD-Fernseher.

(Bild: Bitkom)

Die wesentlichen Standards für Ultra HD seien definiert, die eine HDMI-2.0-Spezifikation demnächst festgelegt, führte Böhm aus. Lediglich der BluRay-Nachfolgestandard sei noch nicht wirklich absehbar. Eventuell erübrige sich dieser aber, wenn sich ein komplett digitaler und vernetzter Übertragungsweg durchsetze.

Die größten Schwierigkeiten sieht Böhm noch bei Inhalten. Es werde zwar schon "relativ viel in Ultra HD produziert". Hollywood gehe diesen Mehraufwand ein, da das jetzt erstellte Material auch in mehreren Jahren noch vermarktbar sein solle. Programmanbieter planten zudem bereits, Sportereignisse in Ultra HD zu übertragen. Insgesamt handle es sich aber erst um das "oberste Zehntel", das für die neuen Auflösungen produziert werde. Gerade für TV-Filmer lohne sich der Einstieg derzeit nicht. Dieses Thema werde sich aber in fünf Jahren mit dem nächsten Produktionszyklus und dem damit verbundenen Geräteaustausch erledigen; digitale Videokameras seien schon jetzt fast nur noch in Ultra HD erhältlich.

Mit Zusatzangeboten sollten die Möglichkeiten der Technik erschlossen werden, meint Böhm. Er nannte etwa Split-Screen-Verfahren, das Heranzoomen etwa auf Spielszenen auf allen Geräten bis hin zum Smartphone oder Diashows mit eigenen Fotos. Bei 3D zeigte sich Böhm zurückhaltend. Bei Computerspielen hätten zwar hochauflösende, teils auf 3D setzende Inhalte in der Zielgruppe der jungen Menschen viel Anklang gefunden. Bei manchen Games, Blockbustern oder Wissenschaftsproduktionen sei 3D dramaturgisch durchaus sinnvoll, es werde aber "kein Massenmarkt".

Schidlack zufolge würden die höheren Auflösungen für große Bildschirme verstärkt gewünscht, da Pixelstrukturen auf Tablets und Laptops vom menschlichen Auge schon heute nicht mehr zu erkennen seien. Ultra HD werde sich daher noch schneller durchsetzen als die hochauflösenden Vorgängerstandards. Als zweiten "Megatrend" wird in der Studie ausgemacht, Fernsehen und weitere Heimgeräten mit dem Internet zu verknüpfen. Dies zeige sich vor allem am Erfolg internetfähiger Fernseher, sogenannter Smart-TVs: Ende 2013 sollen 77 Prozent der verkauften Flachbildfernseher sich direkt mit dem Internet verbinden lassen, im Gegensatz zu 47 Prozent im Vorjahr.

Insgesamt seien derzeit über 14 Millionen vernetzbare Fernseher und andere Videogeräte in deutschen Haushalten ans Internet angeschlossen. Darunter seien 6,8 Millionen Smart-TVs, gut 5 Millionen Spielekonsolen, 1,9 Millionen Set-Top-Boxen und eine halbe Million BluRay-Geräte. Umgekehrt erhalte der Fernseher Konkurrenz von Mobilgeräten. Bereits zwei Drittel aller Nutzer von Desktop-PCs und Laptops sowie rund 42 Prozent der Smartphone- und Tablet-Nutzer schauten auf diesen Geräten Videos.

Schidlack meint auch, die "Wearables" mit intelligenten Brillen wie Google Glass, "Smart Watches" oder Computern, die in Kleidung Einzug hielten, seien groß im Kommen. Der Umsatz werde auf diesem Markt "in ein paar Jahren die Milliardengrenze sprengen", wobei das Smartphone voraussichtlich die wachsende mobile Gerätewelt steuere. In zehn Jahren werde der Sektor der intelligenten tragbaren Rechneranwendungen ein Volumen "wie der gesamten Unterhaltungselektronik bisher" haben. (anw)