Snap Server und Eric Kelly sollen Overland Storage retten
Als neuem CEO fällt Eric Kelly die Aufgabe zu, den Storage-Hersteller zurück in die schwarzen Zahlen zu führen. Eine zentrale Rolle dabei sollen die NAS-Systeme spielen, an deren Markterfolg Kelly schon in der Vergangenheit maßgeblich beteiligt war.
Als neuer CEO trägt Eric Kelly die Verantwortung für die Neuausrichtung des Herstellers Overland Storage auf dem Weg zurück in die schwarzen Zahlen. Eine zentrale Rolle dabei sollen die NAS-Systeme Snap Server spielen, an deren Markterfolg Kelly schon in der Vergangenheit maßgeblich beteiligt war und die Overland Storage erst im vergangenen Sommer von Adaptec übernommen hatte.
Seit nunmehr gut drei Jahren in Folge macht der Hersteller Verluste bei gleichzeitig deutlich rückläufigem Umsatz. Das im vergangenen Juni abgelaufene Geschäftsjahr 2008 schloss Overland mit einem Nettoerlös von 127 Millionen US-Dollar ab – der Nettoverlust betrug 32 Millionen US-Dollar. Mit der Aufgabe, das Ruder herumzureißen, rückte im August 2007 der damalige Finanzvorstand Vernon LoForti auf den Chefposten. Während sich LoForti künftig auf die Position des President beschränkt, übernimmt ab sofort Eric Kelly die operative Leitung des Geschäftes.
Der ehemalige Chef der Firma Snap Appliance, die 2002 aus einem Spin-off der NAS-Sparte von Quantum hervorgegangen war, gehörte zuletzt dem Aufsichtsrat von Overland an. In dieser Funktion trieb er maßgeblich die Übernahme des Snap-Geschäfts von Adaptec voran. Nun soll Kelly seine langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Vermarktung der NAS-Systeme, die mit dem Linux-basierten Betriebssystem GuardianOS ausgerüstet sind, einbringen und die Sparte zu einem erfolgreichen Eckpfeiler der Overland-Unternehmensstrategie ausbauen.
Die Hoffnungen in das Snap-Geschäft gründen zum einen auf der Tatsache, dass die Systeme über die "weltweit größte installierte Basis im Bereich Network Attached Storage" verfügten, wie Kelly betont, und zudem die am besten geeignete Lösung zur Speicherung unstrukturierter Daten seien. Hier sehen Marktforscher den am schnellsten wachsenden Bedarf für zusätzliche Speicherkapazität. Mit der im Herbst 2008 geschlossenen Vertriebspartnerschaft mit dem IP-Kamerahersteller Mobotix habe Overland schon einen ersten Schritt in das viel versprechende Marktsegment der Video-Überwachung getan, unterstrich Kelly anlässlich seiner Berufung zum CEO.
Um rasch wieder schwarze Zahlen schreiben zu können, müssen jedoch umfangreiche Sparmaßnahmen eingeleitet werden. Ziel sei es, bei einem Quartalsumsatz von rund 30 Millionen US-Dollar den Breakeven zu erreichen, erklärte der Overland-Chef. Dazu seien auch schmerzliche Entscheidungen unvermeidbar. So müsse Overland seine weltweite Mitarbeiterzahl um 17 Prozent (rund 60 Angestellte) senken – schon im April 2007 und im August 2008 hatte der Hersteller jeweils circa 13 Prozent der Stellen abgebaut. Außerdem treffe mit sofortiger Wirkung alle Angestellten eine Gehaltsreduzierung um zehn Prozent. Zusammengenommen verspricht sich der Hersteller davon jährliche Einsparungen in Höhe von etwa 8,4 Millionen US-Dollar.
Insgesamt will Overland jährlich über 14 Millionen US-Dollar sparen. Dazu würden auch die produktbezogenen Kosten beispielsweise im Hinblick auf die Fertigung und Immobilien weiter gesenkt werden müssen. Infolge aller Maßnahmen wandle sich das Geschäftsmodell von Overland substantiell, betonte Kelly. Um wieder profitabel arbeiten zu können, gäbe es jedoch keine Alternative zur eingeleiteten Strategie. Auch wenn mit den Snap Servern Festplattenspeichersysteme – die derzeit nur gut zehn Prozent des Gesamtumsatz ausmachen – künftig stärker in den Fokus rücken, baut Overland auch weiterhin auf Tape.
So hatte der Hersteller erst kürzlich neue Bandbibliotheken angekündigt, die Overlands langjährige Tradition im Bereich Tape Automation fortführen sollen. Die Tape-Produkte hatten in der Vergangenheit stets den Löwenanteil (zuletzt noch über 60 Prozent) des Umsatz ausgemacht – insbesondere im OEM-Geschäft mit Großkunden wie Hewlett-Packard oder IBM. Während der letzte OEM-Vertrag mit IBM jedoch schon 2006 ausgelaufen ist, gingen die Verkaufszahlen an HP in den vergangenen zwei Jahren kontinuierlich zurück, nachdem sich HP Ende 2005 entschlossen hatte, Bandbibliotheken künftig von einem anderen Hersteller zu beziehen. Overlands Jahresumsatz sank in der Folge um fast 40 Prozent von 209 Millionen im Geschäftsjahr 2006 auf zuletzt rund 128 Millionen US-Dollar. Auch der Aktienkurs stürzte ab. Anfang 2007 notierte das Papier noch bei über sechs US-Dollar, inzwischen zählt die Overland-Aktie nur noch zu den Penny Stocks. Nach einem vorläufigen Tiefststand von 14 US-Cent im November 2008 liegt der Kurs aktuell bei rund 35 US-Cent. (map)