Döpfner: "Axel Springer trotzt dem Trend"

Der Medienkonzern will trotz schwierigen Marktumfelds weiter wachsen und setzt dabei vor allem auf die Integration von Print und Online sowie das Auslandsgeschäft.

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Der Medienkonzern Axel Springer (Bild, Die Welt) konnte im ersten Halbjahr 2008 vor allem durch Zukäufe im internationalen Geschäft und bei digitalen Medien zulegen. In den ersten sechs Monaten des Jahres steigerte der Konzern seinen Umsatz um 11,1 Prozent auf 1,343 Milliarden Euro, teilte Europas größtes Zeitungshaus am heutigen Mittwoch in Berlin mit. Die Umsatzsteigerung sei maßgeblich einem Anstieg der Werbeerlöse im zweiten Quartal zu verdanken, hieß es bei Springer.

Das Konzernergebnis stieg vor allem durch den Verkauf der Beteiligung an ProSiebenSat.1 von 88,8 Millionen Euro im Vorjahr auf nunmehr 526,2 Millionen Euro. Das um den Verkaufserlös bereinigte Ergebnis gab der Konzern mit 98,9 Millionen Euro an. Der Konzern bestätigte damit vorläufige Zahlen, die er bereits im Juli bekannt gegeben hatte. Die angekündigte Steigerung des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (EBITDA) belief sich für das Halbjahr auf 7,2 Prozent. Das um Sondereffekte bereinigte EBITDA gibt der Konzern mit 231,9 Millionen Euro an. Im Vorjahr hatte Springer 199,4 Millionen Euro ausgewiesen.

Die Umsatzsteigerung verdankt der Konzern vor allem gestiegenen Werbeerlösen, die allerdings vorwiegend eingekauft wurden. Wachstumstreiber waren nach Springer-Angaben vor allem er übernommene Werbevermarkter Zanox und das französische Portal AuFeminin. Darüber hinaus trug das Auslandsgeschäft zur positiven Entwicklung bei. Springer erwirtschaftet inzwischen ein gutes Fünftel seine Umsätze im Ausland. Im Stammgeschäft mit Druckerzeugnissen konnte Springer Auflagenverluste mit Preiserhöhungen kompensieren.

Die Vertriebserlöse stiegen um 2,2 Prozent auf 597,8 Millionen Euro. Deutlicher stiegen nach strategischen Übernahmen die Werbeerlöse, sie legten um 14,7 Prozent 662,4 Millionen Euro zu. Im deutschen Zeitungs- und Magazingeschäft schrumpfen die Umsätze. Während bei den Zeitschriften dank "konsequentem Kostenmanagement" das operative Ergebnis zulegen konnte, geht das EBITDA im deutschen Zeitungsgeschäft zurück. Springer sieht hier allerdings positive Signale aus dem zweiten Quartal. Das Auslandsgeschäft konnte vor allem dank der Aktivitäten in der Schweiz (u.a. Handelszeitung) und Polen (u.a. Fakt) zulegen.

Im Digitalgeschäft hat der Verlag nach eigenen Angaben bei Reichweiten und Werbeerlösen zulegen können. Online-Flaggschiff Bild.de wies im zweiten Quartal mit 728,3 Millionen Seitenabrufen und 4,5 Millionen Besuchern "neue Höchstwerte" aus. Dennoch ist das Segment im Vergleich zum Stammgeschäft noch denkbar klein. Das EBITDA der Digitalsparte wuchs nach Konzernangaben von 3,9 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 6 Millionen Euro.

Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner äußerte sich optimistisch über die zweite Jahreshälfte trotz trüber Konjunkturaussichten und eines schwierigen Marktumfeldes für die Medien. "Axel Springer trotzt dem Trend", sagte Döpfner. Dazu gehörten starke journalistische Marken und die konsequente Digitalisierung aller Titel. Der Konzern werde die Verzahnung von Online- und Printangeboten vorantreiben. "Wir stellen den Journalismus in den Mittelpunkt", sagte Döpfner, der im ersten Quartal noch Abschreibungen auf seinen spektakulär gescheitertenAusflug ins Postgeschäft zu verantworten hatte. "Wir gehen davon aus, dass wir uns im zweiten Halbjahr von der allgemeinen Branchenentwicklung abkoppeln können". Das Medienhaus bestätigte die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2008. (vbr)