IT-Cloud-Index: Zwischen PRISM und explosivem Wachstum
Während Analysten trotz PRISM-Skandals weltweit mit explosivem Wachstum bei Cloud-Projekten rechnen, zeigen sich deutsche Mittelständler weiter skeptisch. Profitieren könnten aber Cloud-Anbieter mit Firmensitz und Rechenzentrum in Deutschland.
Die Analysten von TheInfoPro erwarten in den nächsten zwei Jahren einen "explosiven Anstieg von Cloud-Projekten" in großen und mittelständischen Unternehmen Europas sowie Nordamerikas. Dies zeigten die Ergebnisse einer in der ersten Jahreshälfte durchgeführten Befragung. Für 60 Prozent der interviewten IT-Entscheider sind die geplanten Investitionen in die Cloud aber schlicht Teil der generellen IT-Strategie – nur eine kleinere Gruppe stellt dedizierte Budgets für Cloud-Projekte zur Verfügung. Diese Gruppe von Unternehmen will künftig aber mehrheitlich auch mehr in die Cloud investieren als noch im vergangenen Jahr. Dennoch zeigt die Studie auch maßgebliche Hürden auf dem Weg in die Cloud auf. So gaben 83 Prozent der Befragten an, Probleme überwinden zu müssen – vor allem hinsichtlich Security- und Compliance-Aspekten.
Spionageskandale wie PRISM und Tempora erschüttern das Vertrauen vieler Anwender und Unternehmen in die Sicherheit ihrer Daten – insbesondere im Internet und der Cloud. So hatte der vom Marktforschungsunternehmen Techconsult regelmäßig erhobene "IT-Cloud-Index Mittelstand" noch im ersten Quartal 2013 einen spürbaren Anstieg der Cloud-Befürworter unter den mittelständischen Unternehmen hierzulande ausgemacht. In der aktuellen Befragung zum dritten Quartal spiegeln sich die Auswirkungen nach der Aufdeckung von PRISM und Tempora allerdings deutlich wider: Die Ängste vor der Cloud-Technik sind im deutschen Mittelstand wieder verstärkt zu spüren. Gut zwei Drittel der Unternehmen befürchten Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit Cloud-Diensten – das sind wieder genauso viele wie noch im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
(Bild:Â Techconsult)
Gut 60 Prozent der von Techconsult befragten Firmen scheuen die Nutzung von Cloud-Diensten zudem, weil sie Angst vor Kontrollverlust über ihre eigenen IT-Systeme haben. Dies gilt umso mehr, wenn es um ausländische Cloud-Anbieter geht. Rechtliche Bedenken kommen insbesondere dann zum Tragen, wenn auch bei vermeintlich deutschen Cloud-Angeboten nicht erkennbar ist, wo die Daten tatsächlich gespeichert sind. Die Unternehmen fordern hier mehr Transparenz.
Techconsult-Analyst Max Schulze sieht gerade darin aber auch eine große Chance für Cloud-Anbieter aus Deutschland. Cloud-Services "made in Germany" könnten dank eines Vertrauensvorsprungs gegenüber internationalen Wettbewerbern profitieren. Voraussetzung ist jedoch, dass Unternehmenssitz und der Standort des Rechenzentrums in Deutschland liegen müssten. Über die Hälfte der Mittelständler (56 Prozent) wäre unter diesen Bedingungen bereit, die Cloud-Dienste "made in Germany" in Anspruch zu nehmen. Selbstverständlich müssen die betreffenden Rechenzentren auch alle maßgeblichen Sicherheitskriterien erfüllen und möglichst unabhängig zertifiziert sein – beispielsweise nach ISO 27001. Denn für 71 Prozent der befragten Unternehmen ist Security das entscheidende Kriterium bei der Nutzung von Cloud-Diensten und der Wahl eines Anbieters. "Es liegt jetzt an den Cloud-Anbietern selbst, die neu gewonnene Aufmerksamkeit für sich erfolgreich zu nutzen und an der Justiz, eine glaubwürdige Datenschutzverordnung für Europa durchzusetzen", resümiert Schulze.
(Bild:Â Techconsult)
Auch wenn viele deutsche Unternehmen klare Vorstellungen haben, welche Anforderungen ein Cloud-Anbieter erfüllen muss, fehlt es den meisten doch am erforderlichen internen Know-how, um auch eine fundierte Auswahl potenzieller Cloud-Dienste-Anbieter zu treffen. Viele Firmen vertrauen dabei lieber auf Informationsportale – etwa von Verbänden wie dem Bitkom – oder suchen Unterstützung durch externe Berater. Die Mehrheit (59 Prozent) setzt jedoch auf unabhängige Informationen wie sie verschiedene Fachmedien bereit stellen.
(Bild:Â Techconsult)
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